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Gehaltserhöhung: Kirchen kritisieren Siemens-Vorstandsbezüge

Beide großen christlichen Kirchen haben in die Kritik an den geplanten Gehältern der Siemens-Vorstände eingestimmt. Eine Erhöhung um 30 Prozent sei "unpatriotisch". Der Aufsichtsratsvorsitzende des Konzerns verteidigt die Entscheidung.

Nach Politik und Gewerkschaften haben am Wochenende auch Kirchenvertreter die umstrittene Anhebung der Vorstandsbezüge bei Siemens scharf kritisiert. Der katholische Bischof von Trier, Reinhard Marx, sagte der "Bild am Sonntag": "Eine maßlose Gehaltserhöhung wie bei Siemens ist angesichts von Massenentlassungen schon dreist." Es gehe aber nicht nur um die persönliche Moral von Managern. "Wenn die Verantwortlichen der Wirtschaft nicht mehr das Gemeinwohl im Blick haben, sondern die Kapitalrendite, wird das System inakzeptabel", sagte Marx dem Blatt.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Berlins Bischof Wolfgang Huber, wertete das Verhalten des Unternehmens als unpatriotisch. Huber sagte der "Bild am Sonntag": "Von der Wirtschaft erwarte ich etwas mehr Patriotismus und damit bewusste Verantwortung für das Gemeinwesen. Schließlich stellt es die Voraussetzungen für ihren Erfolg - wie Facharbeiter, Infrastruktur und ähnliches - zur Verfügung." Auf die beschlossene kräftige Erhöhung der Vorstandsgehälter hatten Gewerkschafter, Politiker aller Parteien und auch Beschäftigte mit Empörung reagiert.

Pierer verteidigt Erhöhung

Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer hat die umstrittene Anhebung der Vorstandsbezüge bei dem Elektrokonzern um durchschnittlich 30 Prozent verteidigt. Auch nach der Anhebung bewege sich Siemens im Mittelfeld der deutschen Unternehmen, sagte Pierer in einem Interview der "Welt am Sonntag". "Wir spielen bei Siemens aber in der Champions League, nicht in der bayerischen Landesliga. Und wie bei Bayern München kriegen wir nur dann die Spitzenleute, wenn wir angemessen bezahlen."

Die "zum Teil sehr polemischen Kommentare" gingen an der Sache vorbei, sagte von Pierer. Er bekräftigte zugleich, dass künftig die Managergehälter bei Siemens nicht mehr alle drei Jahre, sondern in kürzeren Intervallen angepasst würden. Außerdem solle es künftig zu einer größeren Staffelung der Gehälter kommen, die bislang im Vorstand relativ gleich verteilt seien.

Durch eine erhöhte Transparenz der Managergehälter in Deutschland sieht von Pierer die Gefahr, dass sich die Vorstandsvergütungen durch permanente gegenseitige Vergleiche nach oben schrauben. Pierer trat auch Spekulationen über ein Zerwürfnis zwischen ihm und Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld entgegen. "Er hat nach wie vor mein volles Vertrauen und meine volle Unterstützung."

DPA / DPA