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Glosse: Los Wochos bei Ikea oder bloß keine Billy-Burger!

Manchmal bin ich verdammt froh, dass Schweden nicht Amerika ist. Zwar überschwemmen beide die Welt mit zweifelhaften Exportschlagern, aber das ginge dann doch nicht - Elchburger aus dem hohen Norden und Wohnzimmergarnituren aus den USA!

Manchmal bin ich verdammt froh, dass Schweden nicht Amerika ist. Zwar haben es beide Länder geschafft, Europa mit zweifelhaften Exportschlagern zu überschwemmen: Die Schweden mit wackeligen Ikea-Möbeln, die Amis mit fettigen Big Mäcs. Aber immerhin werden in Schweden keine Elchburger gebraten und die Vereinigten Staaten verkaufen keine Wohnzimmergarnituren, die man mit den Worten: "Ich hätte gerne eine große Chaiselongue und dazu einen mittleren Couchtisch, zum Mitnehmen, bitte!", bestellen muss. So wie es ausschaut, ist der Status quo das kleinere Übel. Über den Atlantik kommen die Billig-Buletten, über die Nordsee die Billy-Regale.

Die Preise,

das muss man den Lebensqualitäts-Discountern lassen, sind vorzeigbar. Und die Ware hält, was sie verspricht. Schließlich hat niemand versprochen, dass sich die schraubenscheuen Regale einfach zusammenstecken lassen. "Das Aufbauen mag zwar manchmal etwas kniffliger sein, hat aber den großen Vorteil, dass sie die meisten Möbel gleich mit nach Hause nehmen können", witzelt sogar der Katalog. Eingerichtet ist man deshalb noch lange nicht. Und welcher McDonald's-Franchiser würde behaupten, dass sich mit ihrer Kost tatsächlich eine Diät bestreiten ließe?

Vor allem in Sachen absurde Namen steht der Möbel-Schwede dem Frikadellen-Ami in nichts nach. "Poäng" könnte neben seiner eigentlichen Bestimmung als Sessel auch ebenso gut ein Klappmesser oder ein Handtuchhalter sein. Auffallen würde das niemanden. Zumindest nicht am Namen. Und ob der McFlurry Milchshake, Eis oder panierter Fisch ist, wird auch erst kurz vor dem geschmacklichen Ernstfall klar.

Auf den

letzten Seiten seines Kataloges verkündet Ikea eine alte Lebensweisheit: Wer blöd fragt, bekommt auch blöde Antworten. Und zur Veranschaulichung liefern sie die dummen Antworten gleich selbst mit. Ein Beispiel: "Warum muss ich die Preisetiketten ganz genau lesen? Weil auf dem Preisetikett alle wichtigen Informationen stehen: Produktname, Preis, Größe, Material und Pflegeanleitung. Auf dem Preisetikett finden Sie auch den Verkaufsplatz des jeweiligen Produktes in der SB-Halle oder in der Markthalle. Darum!" Falsch. Die Preisetiketten muss man deshalb ganz genau lesen, weil das sogenannte Service-Personal meistens selbst nicht weiß, wo man den Krempel findet, geschweige denn wo ihnen der eigene Kopf steht. Außerdem wäre damit auch gleich die nächste dumme Frage beantwortet: "Warum brauch ich zum Einkaufen einen Bleistift und ein Notizblatt?" Gute Frage! Ich brauche das nämlich normalerweise nur vor dem Einkauf. Bei Ikea allerdings kommen während des Shoppings so viele ungeahnte Informationen (Latex-Matratze oder Federkern? Magenta, mint oder doch lieber mauve?) auf einen zu, dass man ihner ohne Stift und Papier bis zum Zielregal am Ende des Parcours nicht mehr Herr werden würde.

Besonders freuen würde ich mich, wenn Ikea und McDonald's ihre allseits beliebten Sonderaktionen einmal tauschen würden. Dann gäbe es zu KNUT, dem nachweihnachtlichen Fest, bei dem die Schweden alles vor die Tür schmeissen, bei McDonald's endlich mal genug zu essen für die Obdachlosen. Und bei Ikea gäbe es zu den "Los Wochos" original handgeknüpfte Teppiche von mexikanischen Kinderarbeitern und Ponchos für alle.

Und wenn

der Bulettendiscounter wieder mal eine Umweltsünde begangen hat, wird das Unternehmen kurzerhand boykottiert und zum Zeichen des Protestes verbrennen militante Umweltschützer auch gleich die amerikanische Flagge. Wenigstens das kann den friedlichen Schweden nicht passieren. Denn wie sähe das auch aus wenn jeder zum Zeichen des Boykottes seine schwedischen Möbel vor die Tür setzen würde? Halb Deutschland müsste auf dem Fußboden schlafen. Was für eine Vorstellung...

Maike Dugaro