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Hähnchen umdeklariert Jahrelanger Fleisch-Betrug mit Gütesiegel Neuland


Besonders artgerechte Tierhaltung? Von wegen. In Niedersachsen ist der Betrug eines Landwirts aufgedeckt worden. Er kaufte konventionell gemästete Hähnchen und deklarierte sie als Neuland-Geflügel.

Unter dem Gütesiegel des Vereins Neuland ist einem Bericht zufolge über Jahre konventionell produziertes Geflügelfleisch verkauft worden. Ein Geflügellieferant des Vereins habe zugegeben, jahrelang konventionell gehaltene Mastvögel gekauft, geschlachtet und als Neuland-konform verkauft zu haben, berichtet die "Zeit". Es handele sich um einen Landwirt aus Wietzen in Niedersachsen.

Er sei der wichtigste Neuland-Geflügellieferant und habe damit Hunderttausende Euro verdient, heißt es in dem Bericht. Verschiedene Neuland-Metzgereien hätten das von ihm angebotene Fleisch gekauft und an viele Firmen-Kantinen geliefert. "Hunderttausende Hähnchen wurden demnach mindestens in den vergangenen fünf Jahren verkauft", heißt es in dem Bericht der "Zeit".

Das Neuland-Gütesiegel soll Fleisch aus "besonders artgerechter" Tierhaltung kennzeichnen. Die Trägerorganisationen sind der Deutsche Tierschutzbund, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft. "Das Ziel war und ist, eine soziale, qualitätsorientierte, tiergerechte und umweltschonende Tierhaltung mit hoher Glaubwürdigkeit und Transparenz (...) zu praktizieren", heißt es im Internetauftritt des Vereins mit Sitz in Bonn. Neuland erklärte, falls der Bericht zutreffe, sei der Verein von dem Landwirt "tief enttäuscht". Es sei ein Einzelfall, bei dem möglicherweise "kriminelle Energie und Raffgier" eine Rolle gespielt hätten, schrieb der Verein in seiner Stellungnahme, ohne den Betrugsvorwurf direkt zu bestätigen.

Kontrolle nicht mehr möglich

Nach Jahren der Zusammenarbeit habe es 2013 Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gegeben. Eine Kontrollstelle sei mit einer Überprüfung des Landwirts beauftragt worden, doch dieser habe im Dezember 2013 beim Verein gekündigt. Eine Kontrolle habe deshalb nicht mehr erfolgen können. Es sei zudem zu einem Zerwürfnis gekommen, nachdem Neuland mit seinen Trägerverbänden beschlossen habe, "nur noch langsam wachsende Rassen einzusetzen".

Den Bericht der "Zeit", wonach das Fleisch aus Wietzen weiterhin mit Neuland-Siegel im Handel sei, wies der Verein zurück. Auch nach der Kündigung des Landwirts hätten einige Neuland-Fleischereien in Berlin noch dessen Geflügelfleisch bezogen. Sie seien aber angewiesen worden, dieses "deutlich als Nicht-Neuland" zu kennzeichnen. Der Verein sei an einer schnellen Aufklärung interessiert. Es handele sich um einen Einzelfall, versicherte die Vereinigung.

anb/AFP AFP

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