VG-Wort Pixel

Aussetzer beim IT-Gipfel Merkel auf der Suche nach dem dritten F


Die Kanzlerin hat sich mal wieder im "Neuland" verlaufen. Bei ihrer Rede auf dem IT-Gipfel wollte sie eine "vernünftige Mischung" von Prioritäten aufzählen - doch leider war ihr eine Zutat entfallen.

Dass Angela Merkel und die digitale Welt nicht die besten Freunde sind, wissen wir spätestens seit ihrer legendären Pressekonferenz mit US-Präsident Barack Obama im Juni 2013. "Das Internet ist für uns alle Neuland", hatte die Bundeskanzlerin verkündet - 22 Jahre nach dem Start des World Wide Web.

Auch auf dem IT-Gipfel in Hamburg verhedderte sich Merkel in der Informationstechnologie. "Ich ahne, wovon ich spreche, meine Damen und Herren", hatte die CDU-Chefin mal auf dem Steinkohletag in Essen gesagt, und so war es wohl auch in der Hansestadt: Bei ihrer Ansprache am Dienstag in der Handelskammer wollte sie die Worte des Gipfel-Teilnehmers Timotheus Höttges, Chef der Deutschen Telekom, aufgreifen und die Bedeutung "der drei Fs" für die Digitalisierung herausstellen. "Frequenzen" und "Förderung" fielen ihr noch ein, doch dann: Blackout. Das dritte F war Merkel entfallen.

Die Gedächtnislücke brachte die Kanzlerin zwar mächtig ins Stottern. Doch sie reagierte geschickt und schob Höttges den Schwarzen Peter zu: "Weiß er selber nicht mehr", konstatierte sie, nachdem der Telekom-Boss ihr das fehlende F nicht liefern konnte, und brachte damit die Lacher auf ihre Seite.

Während das Publikum sich amüsierte wühlte die Kanzlerin in ihren Unterlagen - und wurde fündig. "Festnetz!, Festnetz!" rief sie mit hochgestrecktem Zeigefinger ins Plenum, stolz wie ein Schulkind, das eine schwere Frage des Lehrers beantworten konnte.

Auch, wenn die Kanzlerin recht souverän aus der Nummer herausgekommen ist, ein echtes IT-Girl dürfte Merkel nach diesem erneuten Patzer nicht mehr werden. Aber das will sie wohl auch gar nicht. Was ihr wirklich wichtig ist, hat die Kanzlerin schon vor einigen Jahren auf dem Hessentag in Heppenheim vor 4000 Landfrauen deutlich gemacht: "Vor lauter Globalisierung und Computerisierung dürfen die schönen Dinge des Lebens wie Kartoffeln oder Eintopf kochen nicht zu kurz kommen."

Hier können Sie dem Autor auf Twitter folgen

Marc Drewello

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker