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Diskriminierung oder gutes Recht?: Warum ein Handwerker von Audi- und Siemens-Ingenieuren keine Aufträge mehr annimmt

Sie wüssten es am Ende doch immer besser, und auch die Zahlungsmoral sei nicht die Beste: Ein Fliesenleger aus Bayern hat Audi- und Siemens-Ingenieure explizit als Kunden ausgeschlossen - und löste damit eine Debatte aus.

Handwerker - Aufträge - Ingenieure - Audi - Siemens

In Bayern war ein Fliesenleger so sehr von Ingenieuren der Firmen Audi und Siemens genervt, dass er sie auf eine Ausschlussliste setzte (Symbolbild).

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"Der Kunde ist König" - dieser Leitsatz gilt für Michael Schmiedl, Handwerksmeister aus dem niederbayerischen Riedenburg, seit Oktober 2016 nur noch eingeschränkt. Der 36-Jährige hat damals endgültig genug. Genug von nicht oder zu spät gezahlten Rechnungen. Genug von Kunden, die alles besser wissen und ihm seinen Job erklären wollen. Und so entscheidet der 36-Jährige, Aufträge bestimmter Personengruppen künftig nicht mehr anzunehmen. 

Wen Schmiedl konkret meint, ist auch heute noch unter dem Punkt "Ausschluss" und der Überschrift " ... nicht mehr für Besserwisser" nachzulesen. Dort heißt es: "Wir arbeiten nicht für Ingenieure, Doktoranden und Professoren der Firmen Audi und Siemens. Sollten Sie zu oben genannten Personengruppen gehören, sparen Sie sich (und uns) das Verfassen von E-Mails. Ausschluss bedeutet Ausschluss." Was Zahlungsmoral und Problemkunden betrifft, habe man in der Vergangenheit, wie jeder andere Handwerksbetrieb auch, Erfahrungen gesammelt, liefert Schmiedl als Begründung mit. Und weiter: "Wir möchten zufriedene Kunden, die uns gern weiterempfehlen und auch unsere Arbeit schätzen." Aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten habe man daher die Ausschlussliste erstellt, die "ausnahmslos angewandt wird".

Audi-Ingenieur klagte wegen Muster von Naturstein

Nun, mehr als zwei Jahre später und durch einen kürzlich erschienenen Artikel des "Donaukuriers" ausgelöst, sieht sich Schmiedl viel Zuspruch, aber auch Gegenwind gegenüber. Während Befürworter seiner Entscheidung, darunter dem Anschein nach auch Mitbewerber, dem Fliesenleger in der Kommentarspalte beipflichten und von ähnlichen Erlebnissen berichten, wittern Kritiker ein diskriminierendes Verhalten, das sich bloß aus Vorurteilen speise.

Schmiedl selbst sagte dem "Donaukurier", er halte sich eigentlich für einen umgänglichen Menschen und sei sich seines Handelns sehr wohl bewusst. Er habe aber keine andere Lösung mehr gesehen. "Viele andere Handwerker sehen das genauso, es traut sich nur keiner so offen auszusprechen wie ich", wird er zitiert. Darauf angesprochen, was ihn konkret am ausgeschlossenen Personenkreis störe, gab der Handwerker an, dass Audi-Ingenieure in einer ganz anderen, realitätsfremden Welt lebten. "Da geht es um Millimeter und Nanometer, wie es ich in der Praxis oft nicht umsetzen lässt. Die sagen dir: 'Wir machen das bei Audi so, also mach' du das auch so'. Aber das geht oft nicht."

400 Leserbriefe binnen zweier Tage

Einmal habe sich einer der besagten Ingenieure für eine Badfliese mit den Maßen 30 mal 60 Zentimeter entschieden, beim Nachmessen aber verwundert festgestellt, dass diese nur auf 29,5 mal 59,5 Zentimeter komme, so Schmiedl. Die Erklärung, dass bei der Maßangabe stets die Fugenbreite eingerechnet werde, wollte der Mann "aber nicht akzeptieren und hat ein Normengutachten in Auftrag gegeben". Wieder ein anderer Audi-Ingenieur störte sich laut Schmiedl daran, dass das Muster von Steinen einer Juramarmortreppe ungleichmäßig war. Dass es sich nun mal um ein Naturprodukt handele und Abweichungen somit normal seien, passte dem Mann demnach gar nicht. Er klagte - vergeblich.

Schmiedl führt im Artikel weitere derartige Fälle auf, die ihn letztlich darin bestärkten, seinen Kundenkreis 2016 zu beschränken. Und doch war er ob der großen Resonanz - eigenen Angaben erreichten ihn nach der Veröffentlichung binnen zweier Tage knapp 400 Reaktionen - dann doch überrascht. "Dass das Thema derzeit so breitgetreten wird, ist ein Social-Media-Phänomen, auf dessen Verlauf ich keinerlei Einfluss hatte", schrieb er auf seiner Homepage. Mit einer derartigen Verbreitung habe er nicht gerechnet. Und weiter: "Ich möchte mich aufrichtig entschuldigen, falls sich jemand persönlich durch die Berichterstattung angegriffen fühlt."

Die Ausschlussliste bleibt - vielleicht aber mit einer Ausnahme

Am Ausschluss will er, auch weil die Anzahl der Zahlungsausfälle seither drastisch gesunken sei, dennoch festhalten. Eventuell aber mit einer Ausnahme. So habe ihn ein Brief von Eltern eines Audi-Ingenieurs erreicht, in dem diese beteuerten, dass ihr Sohn einfach keinen Handwerker für seinen Hausbau finden würde. "Sie wollen für ihn bürgen, im Voraus bezahlen und versichern, dass der Sohn nicht auf der Baustelle erscheinen wird, bis alles fertig ist", sagte Schmiedl dem "Donaukurier". Kann ja eigentlich nichts schief gehen.

Quellen: "Donaukurier"Homepage Altmühltaler Fliesenverlegung

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