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Hartmut Mehdorn: Sanierer im Porzellanladen

Selten zog ein Manager so viel Unmut auf sich wie Hartmut Mehdorn. In den vergangenen Monaten machte sein Unternehmen reichlich Schlagzeilen: Bedienzuschlag, Bonuszahlung, Achsenproblem, gescheiterter Börsengang und zuletzt die Datenaffäre. Porträt eines Gescheiterten.

Von Thomas Rietig, Berlin

Lange wollte Hartmut Mehdorn von einem Rücktritt nichts wissen und wies alle Vorwürfe in gewohnter Manier zurück. "Diplomat wollte ich nie werden", heißt das Buch, in dem er Autobiografisches veröffentlicht hat, und in der Tat zieht sich neben dem Bild des erfolgreichen Sanierers auch das des Elefanten im Porzellanladen durch sein Leben. Der 66-jährige Manager sollte laut Vertrag noch zwei Jahre im Amt bleiben, auch wenn das formal den Unternehmensrichtlinien widersprach. Die fordern, dass mit 65 Schluss sein sollte.

Andererseits gab es auch viele Mehdorn-Fans, besonders in seinem Unternehmen - jedenfalls bis zum Beginn der Datenaffäre. Ein gutes Händchen bei der Auswahl seiner Vorstandskollegen bewirkte, dass er im Gegensatz zu anderen wiedervereinigten Ex-Staatskonzernen Zigtausende Mitarbeiter wegrationalisierte, ohne sie auf die Straße setzen zu müssen. Ein konzerninterner Arbeitsmarkt und Insourcing trugen dazu bei.

Seine Direktheit kostete ihn Sympathien

Die Öffentlichkeit, die mehrheitlich jede Unpünktlichkeit dem Vorstandsvorsitzenden persönlich zuschreibt, hat ihn bereits von "Hartmut" in "Bahnchef" umgetauft, wie er gerne sarkastisch bemerkt. Er teilt aber auch selbst gerne aus. Einmal ging er so weit, die Fahrgäste dafür verantwortlich zu machen, dass die Züge der Bahn nicht immer so sauber sind, wie man es erwartet.

Beim Bundestag, den er für die Bahnreform unbedingt braucht, verspielte er sich mit dieser hemdsärmeligen Art parteiübergreifend einige Sympathien. Ein Aufsichtsrat aus mehr als 600 Menschen, die alle mitreden wollen, ist für ihn wohl ein bisschen viel. Auch wenn es auf absehbare Zeit nicht bis zur Börsenfähigkeit gereicht hat, war die Sanierung der Bahn eine stringente Fortsetzung seiner Karriere. Immerhin handelt es sich dabei inzwischen um einen echten Global Player in der absoluten Spitzengruppe des Logistikmarkts.

Mehdorn wirkt stets ungeduldig, als wolle er schneller fertig werden, als es die Umstände zulassen. Er packt an und ist stolz auf dieses Image. Sein Hauptmerkmal, das ihn auch viele Sympathien besonders in der Politik gekostet hat, ist aber die Direktheit, mit der er seine Ziele benennt und durchzusetzen versucht.

Mehdorn erhielt zahlreiche Auszeichnungen

Der Maschinenbauingenieur Mehdorn, am 12. Juli 1942 in Warschau geboren, ist das Bohren dicker Bretter gewohnt. Seine Stationen als Manager bei VFW Fokker (1966-1978), MBB (1984-1989), Airbus (ab 1989) und bei der Deutschen Aerospace (Dasa, 1989-1995) waren stets von einschneidenden Maßnahmen der Anpassung an die Globalisierung geprägt. Erst recht traf das auf den Chefposten bei der Heidelberger Druckmaschinen AG (1995-1999) zu.

Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder holte ihn als Nachfolger des glücklosen Johannes Ludewig zur Bahn - mit dem Ziel, sie kapitalmarktfähig zu machen. Beim Kampf an fast allen Fronten für dieses Ziel überwand Mehdorn härtesten Widerstand aus Industrie und Parlament, musste aber bei den Besitzverhältnissen am Ende doch zurückstecken. Das Netz gehört nach der Privatisierung juristisch weiter dem Bund.

Mehdorn erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter zwei Ehrendoktortitel. Frankreichs Präsident Jacques Chirac beförderte den Bundeswehr-Hauptmann der Reserve für seine Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft zum Kommandeur der Ehrenlegion. 2002 wurde Mehdorn sogar "Ex-Raucher des Jahres ". Er ist seit 1973 mit einer Französin verheiratet und hat drei Kinder.

FTD
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