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Follow Me Nach 14 Jahren Bauzeit: Der Pannenflughafen BER startet durch

Berlin Brandenburg Airport: Die 32 Meter hohe Haupthalle des Terminal 1 mit viel Tageslicht und acht Check-in-Inseln.
Berlin Brandenburg Airport: Die 32 Meter hohe Haupthalle des Terminal 1 mit viel Tageslicht und acht Check-in-Inseln.
© Till Bartels
Die 230.000 Punkte umfassende Mängelliste ist abgearbeitet. 9000 Komparsen haben den neuen Hauptstadtflughafen getestet. Alle Genehmigungen für den BER liegen vor. Ein Rundgang durch den fast fertigen Airport im Süden Berlins.

Es war im Dezember 2017:  Der damals neue Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup kündigte an, dass der neue Berlin Brandenburg Airport Ende Oktober 2020 an den Start gehen wird. "Das Verspechen haben wir gehalten", sagte er bei einem Treffen des Luftfahrt-Presse-Club. Die Fehlerliste im Gebäude sei "endlos lang" gewesen. Mehr als drei Jahre war der Tüv im Haus, eine "Sisyphusarbeit" für alle Beteiligten, an der schon Hartmut Mehdorn scheiterte. "Wir haben den BER von 230.000 auf null Mängel gebracht", lautet das Fazit von Lütke Daldrup, der seit März 2017 im Amt ist.

In den letzten Monaten wurden bei den Probetagen alle denkbaren Standardprozesse mit Komparsen durchgespielt. "Wir wollten, dass auch etwas schief geht", so Lütke Daldrup. Solche "Sonderereignisse" seien Reisende mit verlorener Bordkarte, vermisste Koffern oder abhanden gekommene Kindern. Aus den Fehlern habe man gelernt. So sei unter anderem das Wegweisersystem überarbeitet worden.

Der erste Eindruck im Terminal

Das Gegenteil von der Enge Tegels: ein großzügiger und heller Riesenpavillon mit viel Glas, Holz und Natursteinböden. Dabei sind beide Flughäfen Entwürfe desselben Architekturbüros, von Gerkan, Marg und Partner aus Hamburg. Ihr neues Flughafengebäude Jahrzehnte später erinnert stark an eine Ikone der klassischen Moderne: an die Neue Nationalgalerie in Berlin, ein Werk des Architekten Mies von der Rohe.

In die klaren geometrischen Gebäudeformen fügt sich das ausgeklügelte Leitsystem mit von hinten beleuchteten Wegweisern und heller Schrift auf weinrotem Grund bestens ein. Im Vergleich zu früheren Besuchen sind die Gänge in den Piers nicht mehr von Gerüsten verstellt, das in den Wartezonen seit Jahren stehende Mobiliar ist längst von Plastikfolien und Staub befreit.

Nur in den zukünftigen Geschäften und Bars herrscht Hochbetrieb. Hier werden Regale hochzogen, Zapfhähne angeschlossen. Der kurze Parcours durch die Duty-free-Zone gleicht nicht dem konsumgetriebenen Spießrutenlauf, wie es auf anderen Airports längst üblich ist. Man merkt, die Planungen des BER liegen viele Jahre zurück. Bis Ende des Monats sollen 90 Service-Einrichtungen fertig sein, wobei es bei den Restaurationsbetrieben einen Mix der Marken geben wird - je ein Drittel regional, deutsch und international.

S-Bahn im Zehn-Minuten-Takt

Zwei Drittel der Passagiere werden zum BER mit Regionalzügen, wenigen ICs und der S-Bahn über die Bahnsteige im Untergeschoss an- und abreisen. Mit dem Fahrstuhl geht es direkt zum Check-in. Dieser für den Fluggast oder Abholer kurze und bequeme Weg hatte auch seinen Grund für die langen Verzögerungen. Denn ein Flughafen-Terminal über einem unterirdischen Bahnhof zu errichten, setzt die Abstimmung zwei ganz unterschiedlicher Baurechte voraus, wie Lütke Daldrup mit Stirnfalten berichtet.

Anders als in Tegel sind die Wege länger, je nach Gate betragen sie zwischen 200 und 600 Metern. Am 31. Oktober beginnt offiziell der Flugbetrieb. Gegen 14 Uhr werden auf den beiden Parallelpisten je ein Flugzeug von Lufthansa und Easyjet landen. Einen Tag später rollen um 6 Uhr die ersten Linienmaschinen zum Start. Das Abheben des ersten Interkontinentalfluges auf der Südbahn, einem Jet von Qatar Airways nach Doha, gilt dann als die "planungsrechtliche Eröffnung".

Ungefähr 6 Milliarden Euro hat der BER gekostet, dreimal so viel wie geplant - vor allem mit dem Geld der Steuerzahler. Ausgerechnet am 31. Oktober wird der Flughafen nun eröffnet, dem Weltspartag.

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