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Erste Maschinen gelandet Endlich Fertig! Hauptstadtflughafen BER ist eröffnet – mit neun Jahren Verspätung

Am Samstag sind am neuen Hauptstadtflughafen die ersten Flugzeuge der Fluggesellschaften Lufthansa und Easyjet gelandet
Am Samstag sind am neuen Hauptstadtflughafen die ersten Flugzeuge der Fluggesellschaften Lufthansa und Easyjet gelandet
© Michael Kappeler / Picture Alliance
Am neuen Hauptstadtflughafen BER sind die ersten Passagiere gelandet. Damit endet eine jahrelange Posse rund um Verzögerungen bei den Bauarbeiten. Zur Eröffnung gab es auch Proteste.  

Mit neun Jahren Verspätung ist am Samstag der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnet worden. Flugzeuge von Easyjet und Lufthansa brachten die ersten Fluggäste zum neuen Terminal. Aus Sicherheitsgründen landeten die Flugzeuge nicht wie geplant parallel auf beiden Start- und Landebahnen, sondern mit einem Abstand von gut vier Minuten beide auf der Nordbahn. Leider habe das Wetter nicht mitgespielt, sagte Patrick Muller, am BER verantwortlich für die Abläufe. 30 Jahre nach der Wiedervereinigung wird der Luftverkehr Berlins und Brandenburgs am Standort des früheren DDR-Flughafens Schönefeld konzentriert. Der Innenstadtflughafen Tegel schließt. Dort soll am 8. November die letzte Maschine abheben.

Der Bau des BER war geprägt von Planungsfehlern, technischen Problemen und Baumängeln. Sechs Mal wurde die Eröffnung verschoben. Die Kosten für den Bau und den Schallschutz der Anwohner verdreifachten sich auf Rund sechs Milliarden Euro. 

Die Eröffnung fällt in die schwerste Krise der Luftfahrt seit dem Zweiten Weltkrieg, wie es in der Branche heißt. Nur wenige Tausende Passagiere pro Tag werden in den nächsten Wochen in Schönefeld erwartet. Die Sondermaschinen von Easyjet und Lufthansa brachten geladene Gäste zum neuen Terminal. An diesem Sonntag sollen dort die ersten Fluggäste einchecken. 

Die um neun Jahre verspätete Eröffnung des Berliner Hauptstadtflughafens BER ist in den Augen von Lufthansa-Chef Carsten Spohr ein "historischer Tag". "Ich kann's noch gar nicht ganz glauben", scherzte Spohr am Samstag in München kurz vor dem Start des Lufthansa-Sonderflugs zur Eröffnung nach Berlin. Die Lufthansa sei in Berlin gegründet worden und freue sich, dass es dort nun einen Flughafen gebe, der "unserem Land auch gerecht wird".

Der Eröffnungstag des neuen Hauptstadtflughafens BER ist aus Sicht seines Chefs, Engelbert Lütke Daldrup, "kein historischer Tag". "Aber es ist für uns, für Berlin und Brandenburg, für Ostdeutschland ein ganz wichtiger Tag", sagte er am Samstag nach der Landung der ersten zwei Flugzeuge mit Passagieren am BER. "Endlich können wir unseren Flughafen in Betrieb nehmen. Endlich." Die Corona-Krise sei auf dem weiteren Weg auch mit Blick auf die Finanzen des Flughafens eine große Herausforderung. Aber: "Wir werden diese Krise aus meiner Wahrnehmung meistern und den BER gemeinsam zu einem erfolgreichen Flughafen machen", sagte Lütke Daldrup. 

Klimaschützer protestieren am BER

Als Pinguine verkleidet haben indes Dutzende von Klimaaktivisten am Samstagvormittag gegen die Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER protestiert. Die Mitglieder der Gruppe "Am Boden bleiben", die sich für weniger Flugverkehr engagiert, zogen vom Willy-Brandt-Platz bis zum Eingang des neuen Terminal 1 und skandierten "Was wollen wir? Klimagerechtigkeit! Wann wollen wir sie? Jetzt!" Es gehe darum, ein Zeichen gegen die Luftfahrtindustrie zu setzen, erklärte ein Mitglied der Gruppe. 

Carl-Heinz Klinkmüller

Direkt vor dem Eingang bildeten sie mit großen, würfelförmigen Luftballons die Buchstabenreihe "#NO BER". Zeitgleich blockierte eine zweite Gruppe ein Stockwerk tiefer im Terminal 1 die Treppen. Mehrere Dutzend als Pinguine verkleidete Mitglieder legten oder setzten sich dort auf den Boden. Andere gruppierten sich um sie herum und hielten Transparente hoch, auf denen unter anderem zu lesen war: "Coole Vögel bleiben am Boden".

Bereits seit vergangener Woche ist das Regierungsterminal auf dem BER-Gelände in Betrieb. Ein weiteres Fluggastterminal ist fertig, soll wegen des coronabedingten Einbruchs der Passagierzahlen aber erst nächstes Jahr in Betrieb gehen. Zusammen fassen die drei BER-Terminals nach Betreiberangaben bis zu 41 Millionen Fluggäste im Jahr. Der Wirtschaftsplan geht für nächstes Jahr von etwa 18 Millionen aus, halb so viele wie 2019.

rös DPA

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