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Last Exit TXL: Seit Jahren droht die Schließung: Foto-Hommage an den Flughafen Berlin-Tegel

Abschied von einem Airport: Die Tage von Berlin-Tegel sind gezählt. Im Herbst soll TXL vom neuen BER im Süden Berlins abgelöst werden. Ein Fotograf hat die Architektur des Flughafens der kurzen Wege in Bildern verewigt.

Bild 1 von 10 der Fotostrecke zum Klicken  Baudenkmal der Spätmoderne: Der Berliner Flughafen Tegel, den der Fotograf Peter Ortner in Aufnahmen dokumentiert hat: "The Essence of Berlin-Tegel" heißt sein gerade im Jovis Verlag veröffentlichte Bildband.

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Baudenkmal der Spätmoderne: Der Berliner Flughafen Tegel, den der Fotograf Peter Ortner in Aufnahmen dokumentiert hat: "The Essence of Berlin-Tegel" heißt sein gerade im Jovis Verlag veröffentlichte Bildband.

Auch das gibt es in Berlin: Eine Großbaustelle, die nicht nur wie geplant pünktlich fertiggestellt wurde, sondern vom Budget her auch nicht aus dem Ruder lief. Mehr noch: Der Bau von Berlin-Tegel blieb 1974 knapp fünf Prozent unter den kalkulierten Baukosten von 450 Millionen D-Mark.

Schon diese ungewöhnliche Tatsache dürfte ein Alleinstellungsmerkmal sein. Dabei ist der gestalterische Entwurf des Airports noch spektakulärer. Er basiert auf der Idee dreier Architekturstudenten der Technischen Hochschule in Braunschweig, die später mit ihrem Büro Gerkan, Marg und Partner weltberühmt wurden.

Ihr Konzept, ein Drive-in-Airport mit kurzen Wegen, basierte auf einem sechseckigen Terminal mit 14 Fluggastbrücken und Zufahrt für Autos durch einen Tunnel in die Mitte. Vom Taxi bis zum Flugzeug betrug die Entfernung nur 28 Meter. Bei den Planungen in den späten 60er Jahren gab es noch keine umfangreichen Sicherheitskontrollen und keine Flughafengesellschaft, die Umsatz mit labyrinthisch ausufernden Duty-free-Einkaufsflächen generieren wollte.

Tegel als Tor zur freien Welt

Vor der Maueröffnung war jedes Flugticket zwischen Westdeutschland und Berlin von der Bundesregierung subventioniert und Tegel das Tor zur freien Welt. Nur die Fluglinien der West-Alliierten durften Tegel zunächst anfliegen: die Jets von PanAm, British Airways und Air France.

Follow Me: Die Ruine lebt: Ein Rundgang auf dem Geister-Airport BER

Der in Nürnberg ansässige Fotograf Peter Ortner, der unter anderem durch einen Bildband über die anonyme Roadside-Architektur von Bushaltestellen in der Sowjetunion ("Back in the USSR") bekannt wurde, hat in den vergangenen zwei Jahren das Hauptterminal A für ein Buchprojekt fotografiert.

Bei seinen Aufnahmen hat er bewusst auf eine Darstellung des dort herrschenden Chaos durch Überfüllung und den Verfall der Bausubstanz der letzten Jahre verzichtet und sich ganz auf die Architektur konzentriert. "Für die damalige Zeit war der Entwurf revolutionär", sagt Ortner im Gespräch mit dem stern.

22 Millionen statt 2 Millionen Passagiere

Ursprünglich war der Flughafen auf zwei Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt. "Das waren 700 pro Stunde", so Ortner. 2019 waren es 22 Millionen Fluggäste, die in Tegel durchgeschleust wurden, "macht 7000 pro Stunde".

Seit neun Jahren soll Tegel eigentlich schließen, doch die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER ist sieben Mal verschoben worden. Jetzt wird Ende Oktober der Flugbetrieb von Tegel zum Pannenflughafen BER umziehen, in ein Gebäude, das ebenfalls vom Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner entworfen wurde.

Ortners Bildband "The Essence of Berlin Tegel", der im Jovis Verlag erschien, wird zu einem optischen Nachruf auf die ursprüngliche Ästhetik des einzigartigen Airport TXL, der an die Zeiten des einst unbeschwerten Reisens erinnert.

Auf den folgenden Seiten der Fotostrecke oben zeigen wir zehn Motive von den 100 Fotografien des Buches.

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