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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: So lief die Feier zu 1000 Tage Nichteröffnung des BER

Der Flughafen Berlin-Brandenburg begeht am Freitag das Jubiläum seiner Nichteröffnung (NÖ). Aus dem Stehsatz unserer Lokalredaktion der Bericht von den Feierlichkeiten.

Von Jan Rosenkranz

Nur wer Rang und Namen hatte, kam durch die Absperrung am Flughafen Berlin-Brandenburg durch. Zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland feierten mit Sekt und Käsestangen das Berliner Top-Ereignis "1000 Tage NÖ des BER"

Nur wer Rang und Namen hatte, kam durch die Absperrung am Flughafen Berlin-Brandenburg durch. Zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland feierten mit Sekt und Käsestangen das Berliner Top-Ereignis "1000 Tage NÖ des BER"

Max Raabe und das Palastorchester interpretieren "Flieger, grüß mir die Sonne", eine Jagdstaffel der Bundeswehr zeichnet dazu dreifarbige Kondensstreifen in den Himmel über Schönefeld, während die Troika Müller, Dobrindt und, na, wie hieß gleich der blasse Mann aus Brandenburg? Woidke! gemeinsam eine ewige Rauchbombe entzündeten. Der Jubiläumsgala aus Anlass "1000 Tage Nicht-Eröffnung (NÖ) des Flughafens Berlin-Brandenburg" mangelte es nicht an Höhepunkten. Zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland verfolgten den Festakt in Berlin-Schönefeld, der am Donnerstag - und damit bereits einen Tag vor dem kalendarischen Jubiläum - abgehalten wurde.

Zu den ergreifendsten Momenten der Feier gehörte zweifelsohne die Verlesung der 66.500 Positionen umfassenden Mängelliste durch den im Juni aus dem Amt scheidenden Flughafenchef Hartmut Mehdorn und die anschließende Kranzniederlegung am Mahnmal für den unbekannten Projektmanager. Der blasse Mann aus Potsdam, der wiederholt vorgab, Ministerpräsident eines Landes namens Brandenburg und damit "Miteigentümer" des Großprojektes zu sein, fand bewegende Worte zum Anlass des Tages: "1000 Tage Nicht-Eröffnung, das sind für uns nicht nur 1000 Tage Nichtstun, das sind mehr als 1000 Tage Nichtswissen. 1000 Tage, das sind 24.000 Stunden, 1.440.000 Minuten, in denen alle Beteiligte nichts unversucht gelassen haben, der Natur diesen Flecken Erde zurückzugeben."

Akustische Zukunftskulisse

Die 5,5 Milliarden Euro, die der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg bis Ende 2017 hier investiert haben werden, seien gelebter Umweltschutz, so auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, der "rein interessehalber" den weiten Weg aus der Berliner Innenstadt auf sich genommen hat. In seinem kurzen Grußwort lud er die Gäste auch auf einen Ausflug in die Semantik. "Miteigentümer" sei nicht zu verwechseln mit "Mitverantwortung", so der Minister, der es sich dennoch nicht nehmen ließ, den ebenfalls zahlreich erschienenen Anrainern des BER persönlich die Pläne für eine bislang beispiellose Klanginstallation zu präsentieren. Da er nicht ausschließen könne, dass es in den geplanten Einflugschneisen einst trotz allem zu fluglärmähnlichen Erscheinungen komme, würden in den betreffenden Gebieten ab März mehr als 3000 Lautsprechermasten errichtet. In der Zeit von 5 bis 22 Uhr sollen sie täglich Geräusche start- und landender Flugzeuge bereitstellen. Mithilfe dieser akustischen Zukunftskulisse lasse sich die Akzeptanz für das Großprojekt noch exakter minimieren, gab sich der Minister überzeugt.

Nach BER kommt "Megathema Straße"

Der sichtlich bewegte Flughafenchef Hartmut Mehdorn nutzte die Gelegenheit, um sich zu seinen persönlichen Zukunftsplänen zu äußern. Der agile 72-Jährige kündigte an, sich nach seinem Ausscheiden weiterhin tatkräftig um das deutsche Verkehrswesen verdient zu machen. Nach dem Schienen- und Luftverkehr wolle er sich nun des "Megathemas Straße" zuwenden. "Die Maut wird kommen!", rief Mehdorn in den tosenden Applaus und reckte eine Faust gen Himmel.

Das Schlusswort gebührte natürlich dem Regierenden Bürgermeister Berlins. "Ich habe die Absicht, als Bürgermeister den Flughafen zu eröffnen", verprach Michael Müller, dessen Rede immer wieder von Sprechchören unterbrochen wurde. Der Wowereit-Erbe bestätigte damit erstmals auch offiziell seine Ambitionen auf die Nachfolge von Wang Anshun, dem derzeitigen Stadtoberhaupt von Peking. In drei Jahren soll in der chinesischen Hauptstadt der Bejing New International Airport in Betrieb gehen. Am BER werden dann bereits die Feierlichkeiten zu 2000 Tage NÖ stattgefunden haben.

Jan Rosenkranz hat seinen Jungfernflug in Schönefeld absolviert, im Sommer 1987. Es ging nach Budapest. Wenn Sie ihm auf Twitter folgen wollen, bitte hierentlang: @RosenkranzJan