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Hedgefonds-Manager Paul Singer: Wohltäter in New York, Aasgeier in Argentinien

Er ist ein Philanthrop, unterstützt Schulen und Kinder. Dem Staat Argentinien aber gönnt er keinen Cent. Wie der milliardenschwere Investor Paul Singer das Land in den Bankrott schickt.

Von Daniel Bakir

Paul Singer, gnadenloser Hedgefonds-Manager und wohltätiger Spender

Paul Singer, gnadenloser Hedgefonds-Manager und wohltätiger Spender

Würden Sie sich von diesem netten älteren Herrn Geld leihen, wenn Sie in der Klemme sitzen? Erst recht, wenn Sie wüssten, dass er mehr als genug davon besitzt und sich für allerlei wohltätige Zwecke einsetzt? Lieber nicht! Beim Eintreiben von Schulden kann Paul Singer ziemlich unbarmherzig sein. Zumindest Staaten gegenüber, wie Argentinien gerade leidvoll erfahren muss. Weil sich die von Singer geführten Hedgefonds partout nicht auf einen Schuldenrabatt einlassen, geht die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas in den Bankrott.

Für die einen ist Paul Singer, 69-jähriger Multimillionär, daher ein Aasgeier, ein gnadenloser Investor, der Profit über das Wohl eines ganzen Landes stellt. Dessen Hedgefonds - von risikobereiten Anlegern mit großen Summen ausgestattet - die Notlage angeschlagener Staaten für ein skrupelloses Geschäftsmodell ausnutzen: Taumelt ein Schuldner kaufen Fonds wie NML Capital aus Singers Firmenimperium Elliott dessen Anleihen gerne zu Schnäppchenpreisen auf und klagen dann auf volle Rückzahlung - dank eines Riesenheers von Anwälten häufig mit Erfolg.

Gnadenlos und großzügig

Für andere ist Singer ein Kämpfer für die gerechte Sache, der Schuldenstaaten ihre Grenzen aufzeigt. Ist ja schließlich deren Schuld, wenn sie nicht vernünftig wirtschaften. "Das was Argentinien gerade passiert, ist doch selbst verschuldet. Eine verheerende Steuerpolitik. Und dann legt sich das Land auch noch mit großen Konzernen an und zahlt den Gläubigern einfach das Geld nicht zurück", zitiert ihn die ARD. Für Singer sind nicht seine Hedgefonds die Bösen, sondern die Schuldenstaaten.

Sich selbst betrachtet Singer als Philanthropen, als großen Spender und Samariter. Seine Stiftung, die "Paul E. Singer Family Foundation", setzt sich für wohltätige Projekte ein, unterstützt Schulen, Kinder und die Polizei von New York. Er ist der von Bill Gates und Warren Buffett gegründeten Initiative "Giving Pledge" beigetreten, bei der sich Milliardäre verpflichten einen Großteil ihres Vermögens zu spenden.

Erzkonservativ, aber für die Homo-Ehe

Die Hedgefonds-Legende mit dem grauen Vollbart soll laut Forbes-Liste etwa 1,5 Milliarden Dollar schwer sein und steht politisch den Republikanern nahe. Singer förderte Ex-Präsident George W. Bush und den für seine Null-Toleranz-Linie bekannten ehemaligen New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani. Trotz seiner konservativen Einstellung setzte er sich aber für die Legalisierung der Homo-Ehe in New York ein, was wohl damit zusammenhängt, dass sein Sohn schwul ist.

Länder wie Peru oder der Kongo haben schon früher die unbarmherzige Seite des Samariters und seiner Hedgefonds kennengelernt. Argentinien macht er schon seit Jahren das Leben schwer. Weil das Land sich weigerte, ihn auszuzahlen, versuchte Singer jahrelang Vermögenswerte rund um den Globus pfänden zu lassen - vom Stand auf der Frankfurter Buchmesse bis zur Präsidentenmaschine. 2012 reichte der lange Arm seines Hedgefonds tatsächlich aus, um eine argentinische Marine-Fregatte in einem Hafen in Ghana festsetzen zu lassen.

Nun ist Argentinien Pleite, aber was hat Paul Singer davon? Bekommt er sein Geld nun gar nicht wieder? Experten vermuten, dass sich die Fonds in kühler Voraussicht genau gegen diesen Fall versichert haben.

mit Material von DPA
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