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Herbstgutachten zur Konjunktur: Deutschland im "XL-Aufschwung"

Die deutsche Wirtschaft präsentiert sich in prächtiger Verfassung: Die führenden Institute prognostizieren in ihrem Herbstgutachten auch für 2011 starkes Wachstum und sinkende Arbeitslosenzahlen. Das macht Appetit auf hohe Lohnabschlüsse. Der Wirtschaftsminister ist aus dem Häuschen - obwohl die Experten vor Risiken warnen.

Deutschlands Wirtschaft bleibt in überaus starker Verfassung: Die führenden Forschungsinstitute rechnen für dieses Jahr mit einem Wachstum von 3,5 Prozent. Für 2011 gehen die Forscher in ihrem Herbstgutachten von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,0 Prozent aus. Das Gutachten wurde heute in Berlin vorgestellt. Dank der guten Entwicklung der Wirtschaft dürfte die Zahl der Arbeitslosen 2010 demnach im Schnitt unter drei Millionen sinken - und auf den tiefsten Stand seit 1992.

"Die deutsche Wirtschaft ist auf gutem Weg, den krisenbedingten Produktionseinbruch wettzumachen", heißt es in den Gutachten der acht Institute. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), gerade im japanischen Nagoya unterwegs, war schier aus dem Häuschen und überschlug sich vor Superlativen: "Deutschland ist Aufschwungland. Wir bewältigen die Krise besser als viele andere fortgeschrittene Volkswirtschaften." Seit fast 20 Jahren gebe es wieder einen Beschäftigungsaufschwung. Und: "Der XL-Aufschwung geht weiter."

Die Experten warnen allerdings vor blinder Euphorie. Noch sei das Vorkrisenniveau nicht wieder erreicht. 2009 war das BIP historisch um 4,7 Prozent eingebrochen. Es gebe weiterhin Risiken. Die USA könnten zurück in eine Rezession fallen. In China könnte die Immobilienblase platzen.

Vorlage für die Regierung

Aber auch die Prognose der Forscher für 2011 liegt deutlich über den bisherigen Schätzungen: Im Frühjahrsgutachten hatten die Institute für 2010 noch ein Wachstum von 1,5 Prozent vorausgesagt. Die bisherige Entwicklung in diesem Jahr zeigt aber, dass sich die deutsche Wirtschaft von der Krise deutlich schneller erholt als erwartet.

Auf Grundlage des Herbstgutachtens erstellt die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose, die sie in der kommenden Woche vorlegt. Offiziell geht die Regierung bislang noch von 1,4 Prozent Wachstum in diesem Jahr aus. Brüderle hat inzwischen aber mehrfach erklärt, er rechne mit einem Wachstum von deutlich über zwei Prozent.

Auch hat der Wirtschaftsminister verkündet, es sei Zeit für kräftige Lohnerhöhungen. Gut möglich also, dass auch die Arbeitnehmer vom Aufschwung profitieren. Die Beschäftigten in der Stahlbranche konnten sich bereits über ein stattliches Lohnplus freuen. Auch in anderen Zweigen gab es hohe Abschlüsse. So konstatiert das Herbsgutachten, dass die deutsche Wirtschaft nicht mehr nur vom Export, sondern auch von einer überraschend starken Inlandsnachfrage getragen werde.

ben/AFP / AFP