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Highstreet zweifelt an Berggruen: Mit neun Seiten zur Karstadt-Rettung

Nicolas Berggruen will Karstadt kaufen - aber nur, wenn das Vermieterkonsortium Highstreet die Mieten senkt. Die zweifeln jedoch an der Realisierbarkeit des Rettungskonzeptes. Am heutigen Montag treffen die Opponenten zu Verhandlungen zusammen.

Die Zukunft des insolventen Warenhauskonzerns Karstadt mit seinen 25.000 Beschäftigten steht einmal mehr auf des Messers Schneide: Am Montag verhandeln Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen und das Vermieterkonsortium Highstreet in London über Mietsenkungen. Ohne Einigung wird der am vergangenen Dienstag unterschriebene Kaufvertrag nicht rechtskräftig, dann droht Karstadt doch noch die Zerschlagung.

Berggruen will in London ein von den Vermietern verlangtes Konzept für die Warenhauskette vorstellen. Der Investor zeigte sich am Wochenende optimistisch über eine Einigung, bekräftigte aber zugleich seine Forderung nach Mietnachlässen: "Die Mieten sind einfach noch zu hoch, sie sind nicht marktüblich", sagte Berggruen der "Welt am Sonntag".

Zuletzt hatte das Highstreet-Konsortium unter Führung der Großbank Goldman Sachs eine Mietminderung um 230 Millionen Euro über die nächsten fünf Jahre für seine 86 Immobilien angeboten. Berggruen fordert aber weitere Reduzierungen: "Ich werde keine Zahlen nennen, das haben wir so vereinbart. Aber wir sind nicht mehr sehr weit auseinander."

Highstreet habe eine große Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und insgesamt 120 Warenhäusern. "Der müssen sie gerecht werden und ich glaube, das werden sie auch." Denn würde Karstadt zerschlagen, würde Highstreet noch viel weniger Miete bekommen. Über die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios sagte Berggruen: "Theoretisch wäre das möglich. Aber ich halte es nicht für sehr wahrscheinlich."

"Ich glaube einfach an diese tolle Marke"

Der Milliardär zeigte sich auch weiterhin optimistisch, Karstadt aus der Krise führen zu können: "Ich glaube einfach an diese tolle Marke und ihre Marktpräsenz." Sein Team werde Karstadt "entstauben, dynamisieren und zum Erlebnis machen. Das wollen die Kunden. Die Häuser müssen und werden Überraschendes bieten, spannende Marken, eine Kombination aus edlen Produkten und günstigen Waren." Die Karstadt-Zentrale solle in Essen bleiben.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete allerdings, das Vermieterkonsortium Highstreet zweifele an Berggruens Konzept. Man habe größere Bedenken hinsichtlich der Realisierbarkeit, zitiert das Magazin aus einem Brief des Konsortiums an Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Die Präsentation, mit dem Berggruen den Gläubigerausschuss von seinem Konzept überzeugt habe, sei nur neun Seiten lang und wenig aussagekräftig, schreibt das Magazin.

Laut "Spiegel" drohen schwierige Verhandlungen

Dem Bericht zufolge zeichnet sich auch bei der Reduzierung der Mieten keine Einigung ab. Berggruen fordere bis zum Jahr 2018 eine maximale Mietsteigerung auf 230 Millionen Euro und ab dann eine Orientierung der Miete am Umsatz. Dies lehne Goldman Sachs kategorisch ab. Das bisherige Angebot von 210 Millionen Euro Mietzahlungen für dieses Jahr und einem Anstieg bis 2018 auf 250 Millionen Euro sei das letzte Wort von Deutschland-Chef Alexander Dibelius.

Im Hintergrund bereiteten sich Dibelius und Highstreet weiter auf eine mögliche eigene Übernahme des Warenhauskonzerns vor, schreibt "Der Spiegel". Das Amtsgericht Essen will bis Mitte Juli seine Entscheidung über den Insolvenzplan der zahlungsfähigen Warenhauskette treffen.

APN / APN