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Horst-Dieter Esch: Wirtschaftswunder und Millionenpleite: Der Fall IBH

Der gefeierte "Wunderknabe der deutschen Wirtschaft" wurde vor genau 20 Jahren über Nacht zum Millionenpleitier. Später musste er sogar ins Gefängnis: Horst-Dieter Esch (60).

Der gefeierte "Wunderknabe der deutschen Wirtschaft" wurde vor genau 20 Jahren über Nacht zum Millionenpleitier. Später musste er sogar ins Gefängnis: Horst-Dieter Esch (60). Inzwischen lebt der einstige Industrieboss in New York als frisch pensionierter Chef einer der größten Model-Agenturen der Welt. Esch war Gründer des einst kometenhaft aufgestiegenen und dann mit Schulden von umgerechnet rund einer halben Milliarde Euro zusammengebrochenen Mainzer Baumaschinenkonzerns IBH mit weltweit rund 10.000 Beschäftigten.

Es ging Schlag auf Schlag

Am Mittag des 4. November 1983 jagte über die Ticker der internationalen Nachrichtenagenturen die Eilmeldung: "Der drittgrößte Baumaschinenhersteller der Welt, die Mainzer IBH-Holding, ist zahlungsunfähig. Vorstandsvorsitzender Horst-Dieter Esch meldete beim Mainzer Amtsgericht Vergleich an." Im Dezember des gleichen Jahres kam es zum Anschlusskonkurs.

Traumkarriere unterbrochen

Für Esch, der während seines USA-Studiums als Platzanweiser in einem Autokino jobbte und später dank Börsenspekulationen vom Assistenten zum fantasiereichen und risikofreudigen Unternehmenschef aufstieg, war eine Traumkarriere jäh unterbrochen. Der Sohn eines hannoverschen Maschinenschlossers hatte in den 70er Jahren als Vorstandsassistent und später als Generaldirektor beim britischen Baumaschinenhändler Blackwood Hodge mit Aktienspekulationen in kurzer Zeit ein kleines Millionenvermögen angehäuft und damit das Grundkapital für seine Unternehmertätigkeit gelegt.

Pleite ruinierte fast noch Hausbank

Nach und nach kaufte er kurz vor dem Konkurs stehende und entsprechend preisgünstig angebotene mittelständische Baumaschinengruppen auf, um sie zu sanieren. Dabei gewann er auch General Motors und einen milliardenschweren Scheich als Aktionäre. Doch dann kam der Zusammenbruch der eigenen IBH- Holding. Deren Schieflage zog fast noch die Frankfurter Hausbank Schröder, Münchmeyer & Hengst (SMH) mit in den Abgrund.

Verurteilung zu Haft und Geldstrafe

Esch wurde im März 1984 verhaftet und im Oktober des gleichen Jahres vom Landgericht Koblenz wegen Betrugs in Tateinheit mit Konkursverschleppung zu sechseinhalb Jahren Haft und 90.000 DM (46.000 Euro) Geldstrafe verurteilt. Er wurde unter anderem für schuldig befunden, den im Prozess als Zeuge erschienenen saudischen Scheich Saleh A. Kamel um umgerechnet 50 Millionen Euro betrogen zu haben. Der Scheich, der sich im Frühjahr 1982 an der IBH beteiligte, war über den Wert der von ihm erworbenen Aktien laut Gericht getäuscht worden.

Zweite Karriere als Model-Boss

Esch kam in Deutschland trotz etwas verkürzter Haftdauer für vier Jahre hinter Gitter. Er übersiedelte noch am Tag seiner Haftentlassung in die USA, wo er im Oktober 1989 für angeblich etliche Millionen die angesehene New Yorker Model-Agentur "Wilhelmina" erwarb. Damit begann bis zu seinem Ausstieg als Chef in diesem Jahr seine zweite Unternehmerkarriere. Spekulationen, er habe die Kaufsumme für die Model-Agentur aus der einstigen Konkursmasse rechtzeitig ins Ausland geschafft, wies Esch immer zurück. Nach seiner Darstellung stammte das Geld aus dem Verkauf seines Hauses und zweier Firmenbeteiligungen. "Er konnte selbst Luft verkaufen", sagte ein Zeuge im Koblenzer IBH-Prozess über den versierten Geschäftsmann.

Udo Lorenz / DPA
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