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Hurrikan-Folgen: "Rita" legt US-Raffinerien lahm

Nachdem schon Hurrikan "Katrina" Tanken zu einem teuren Vergnügen gemacht hat, setzt "Rita" noch einen drauf: Mit Texas ist direkt das Zentrum der US-Raffinerie getroffen. Experten sagen einen weitern Anstieg der Energiepreise voraus.

Der Hurrikan "Rita" legt trotz nachlassender Stärke wichtige Raffinerien in den USA lahm und droht den zuletzt leicht fallenden Ölpreis wieder steigen zu lassen. Aus Angst vor verheerenden Hurrikan-Folgen waren am Freitag an der US-Golfküste bereits 16 Öl-Raffinerien geschlossen worden. Trotzdem gab der Ölpreis an der New Yorker Ölbörse Nymex nach der Abstufung des Hurrikans in die Sturmkategorie 4 zunächst nach. Experten gehen allerdings von weiter deutlich steigenden Kraftstoffpreisen in den kommenden Wochen aus.

Ein Viertel der US-Raffinerien liegt brach

Schon vor Ankunft des Hurrikans liegen nach Agenturberichten rund 23 Prozent der US-Raffineriekapazitäten brach. Führende US-Energievertreter warnten vor einer weiteren Zuspitzung auf dem Treibstoffmarkt. Zu den bisher geschlossenen Ölförderanlagen gehören die größte US-Raffinerie der Exxon Mobil Corp mit einer Tageskapazitäten von 557.000 Barrel sowie die von BP betriebene drittgrößte Anlage für 437.000 Fass je Tag. Ein Fass oder Barrel entspricht 159 Liter.

Der Ölpreis gab am Freitag an der New Yorker Ölbörse Nymex nach der Abstufung des Hurrikans in die Sturmkategorie vier weiter nach. Gegen 9.35 Uhr wurden für ein Barrel der US-Sorte WTI 65,70 US-Dollar gezahlt nach etwa 66,20 Dollar am frühen Morgen im asiatisch dominierten Handel und 66,50 Dollar am Vorabend an der Nymex.

Anstieg auf 70 Dollar je Barrel möglich

Der Energieexperte am Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA), Klaus Matthies, schließt einen Ölpreisanstieg auf 70 Dollar je Barrel als Folge des Hurrikans "Rita" nicht aus. "Wenn die ganzen Öleinrichtungen in Texas schwer in Mitleidenschaft gezogen werden, sind die 70 US-Dollar nicht fern", sagte Matthies am Freitag der Agentur Dow Jones Newswires. Sollten die Schäden nicht so gravierend sein, könnte sich die Situation relativ schnell wieder beruhigen.

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Langfristig könnten aber durch eine Angebotsverringerung infolge des Sturms die Produktpreise steigen, sagten Analysten der Landesbank Rheinland-Pfalz voraus. Das befürchtet auch Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). In den nächsten zwei Wochen werde ein Liter Super mehr als 1,50 Euro kosten, sagte sie dem "Tagesspiegel" (Samstagausgabe). Josef Auer von der Deutschen Bank Research hält einen Preis von 1,50 Euro in nächster Zeit ebenso für möglich wie 1,28 Euro für Diesel. Als Grund nannte er knappe Raffineriekapazitäten in Folge des Wirbelsturms "Rita". Derzeit kostet der Liter Super im Bundesdurchschnitt 1,37 Euro, für Diesel sind 1,16 Euro fällig. Erst am Donnerstag waren die Benzin- und Dieselpreise in Deutschland zum zweiten Mal in dieser Woche durchschnittlich um je drei Cent pro Liter gestiegen.

mit DDP
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