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Ifo-Index: Wachstum wie lange nicht mehr

So stark wie im zweiten Quartal ist die deutsche Wirtschaft seit fünf Jahren nicht mehr gewachsen. Das ist jedoch kein Verdienst der Fußball-WM, sondern liegt an gestiegenen Investitionen. So optimistisch soll die Prognose aber nicht bleiben.

Das höchste Wirtschaftswachstum in Deutschland seit fünf Jahren ist vor allem auf gestiegene Investitionen zurückzuführen. Die Fußball-WM fiel hingegen zunächst kaum ins Gewicht. Von April bis Juni 2006 legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,9 Prozent zu - so stark wie zuletzt Anfang 2001. Dies teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit und bestätigte damit die Anfang vergangener Woche veröffentlichten Zahlen. Nur geringe Impulse kamen aus dem Außenhandel, der private Konsum entwickelte sich sogar rückläufig.

Boom im Bau

Nach einem langen und kalten Winter stiegen die Investitionen in der Bauwirtschaft um kräftige 4,6 Prozent, in Maschinen und anderen Ausrüstungen wurden 2,5 Prozent mehr investiert. In Erwartung eines Kaufrauschs vor Erhöhung der Mehrwertsteuer zum Jahresende produzierten viele Unternehmen anscheinend bereits auf Vorrat, so dass die Lagerinvestitionen ebenfalls einen deutlichen Beitrag zum Wachstum leisteten. Diese Maßnahmen und der Boom im Bau werden von Volkswirten zwar nicht als dauerhaft eingeschätzt, trotzdem überwiegen die positiven Stimmen. "Insgesamt war es ein fantastisches zweites Quartal", resümiert Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. Im ersten Quartal hatte das Wachstum zum Schlussquartal des vorigen Jahres 0,7 Prozent betragen.

WM schlägt kaum zu Buche

Rätsel gibt indes der rückläufige private Konsum (minus 0,4 Prozent im zweiten Quartal) auf. Gleichzeitig korrigierten die Statistiker den Konsumanstieg zum Jahresbeginn nachträglich auf 1,1 Prozent nach oben, Wirtschaftsexperten erwarten daher auch für den Zeitraum April bis Juni künftig noch positivere Zahlen. Gleichwohl waren die Auswirkungen der Fußball-WM trotz zusätzlicher Übernachtungen und höherer Einzelhandelsumsätze in der Statistik kaum nachzuweisen. "Anstatt Geld auszugeben, haben viele Menschen eben doch lieber Fußball geguckt", vermutet Deutsche-Bank-Volkswirt Stefan Bielmeier. Hinzu kommt, dass laut Statistischem Bundesamt die Ausgaben von ausländischen Gästen nicht als inländische Konsumausgaben verbucht werden.

Für das zweite Halbjahr zeigen sich die Experten weiterhin sehr optimistisch, und für ganz 2006 wird mit einem Wirtschaftswachstum von mehr als zwei Prozent für Deutschland gerechnet. Im vergangenen Jahr waren es 0,9 Prozent und 2004 noch 1,2 Prozent. Pessimismus herrscht dann jedoch besonders für die ersten Monate des kommenden Jahres vor, die unter dem Einfluss der Mehrwertsteuererhöhung stehen. So brachen die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten im August laut dem Index des Europäischen Zentrums für Wirtschaftsforschung (ZEW) auf den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren ein. Auch der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts ging zum zweiten Mal in Folge zurück.

Die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal wurde von 38,9 Millionen Erwerbstätigen erbracht, ein halbes Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Die Sparquote der privaten Haushalte ging von 10,1 Prozent im gleichen Zeitraum 2005 auf 9,8 Prozent zurück.

DPA / DPA