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Insolvenzantrag: Chiphersteller Qimonda ist pleite

Stellen wurden gestrichen, Millionenbeträge zugeschossen, weitere Bürgschaften abgegeben, doch alle Rettungsversuche waren umsonst: Der Chiphersteller Qimonda, eine Tochter des Infineon-Konzerns, hat Insolvenz angemeldet. In Deutschland bangen nun Tausende um ihre Jobs, auch wenn Qimonda gute Chancen fürs Überleben sieht.

Der Speicherchip-Produzent Qimonda ist pleite. Der Konzern habe am Freitag Insolvenzantrag gestellt, sagte eine Sprecherin des Amtsgerichts München. Details nannte sie nicht, ein zuständiger Richter müsse nun entscheiden, wie es mit Qimonda weitergeht.

Die Infineon-Tochter jedenfalls will ihren Betrieb trotz der Insolvenz aufrechthalten. Der Vorstand sehe "gute Chancen", die zur Neuausrichtung notwendigen finanziellen Mittel in Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern und Investoren zu bekommen, teilte das Unternehmen in München mit. Der Vorstand sei bestrebt, wesentliche Unternehmensteile im Rahmen der Insolvenz zu sanieren. "Wir gehen davon aus, dass wir unseren Geschäftsbetrieb mit Unterstützung des vorläufigen Insolvenzverwalters sowie unserer Mitarbeiter im Sinne unseres Restrukturierungsprogramms fortführen können", sagte Vorstandschef Kin Wah Loh. Für das Amt des vorläufigen Insolvenzverwalters wurde der Münchner Anwalt Michael Jaffe vom Amtsgericht bestellt.

Am Vormittag war bekannt geworden, dass Qimonda zusätzlichen Geldbedarf von rund 300 Millionen Euro hat. Damit benötigt der Konzern insgesamt rund doppelt so viel wie die im Rettungspaket vorgesehene Kapitalspritze - der Freistaat Sachsen, das Land Portugal und Infineon hatten bereits vor Weihnachten Finanzhilfen von zusammen 325 Millionen Euro zugesagt. Daneben war eine Bund-Länder-Bürgschaft über 280 Millionen Euro vorgesehen.

Qimonda hatte schon Ende vergangenen Jahres angekündigt, ohne finanzielle Hilfe Anfang 2009 in Zahlungsnot zu geraten. Nun reichten selbst die gewährten Hilfen offensichtlich nicht. Der Konzern leidet wie seine Konkurrenten unter dem massiven Preisverfall für Speicherchips auf dem Weltmarkt.

Sachsen fürchtet um Arbeitsplätze

Der Freistaat Sachsen war als Retter eingesprungen, weil Qimonda im Hauptwerk Dresden 3200 Menschen beschäftigt. In Portugal arbeiten 1800 Beschäftigte für den Konzern, weltweit sind es 12.300. Im Oktober hatte das Unternehmen angekündigt, ein Viertel der Stellen zu streichen, davon rund 1500 in Deutschland.

Der sächsische Wirtschaftsminister Thomas Jurk bedauerte den Insolvenzantrag. Er habe ein überzeugendes Rettungskonzept vermisst. "Ich bedaure zutiefst, dass es Qimonda nicht geschafft hat, eine geschlossene Finanzierung auf die Beine zu stellen", sagte der SPD-Politiker am Freitag in Dresden. Er hoffe, dass das Insolvenzverfahren genutzt werde, "um die innovative Speichertechnologie in Dresden zu halten".

IG Metall: Serie von Managementfehlern

Die IG Metall warf dem Qimonda-Management Versagen vor. Eine schier endlose Serie von Managementfehlern habe den Speicherchiphersteller in die Insolvenz geführt, erklärte der bayerische IG-Metall-Bezirkschef Werner Neugebauer. "Grob fahrlässig haben die Manager eine ganze Technologie am Standort Deutschland gegen die Wand gefahren, ausbaden müssen es jetzt wieder einmal die Mitarbeiter."

Neugebauer forderte die Bundesregierung sowie die bayerische und sächsische Landesregierung auf, sich um die Rettung möglichst vieler Arbeitsplätze zu bemühen und die Speicherchip-Hochtechnologie in Deutschland zu erhalten. Das Bundeswirtschaftsministerium ließ verlauten, dass die Gespräche zur Rettung des Unternehmens laufen, die Verhandlungen der zuständigen Bundesländer würden unterstützt.

Reuters/DPA/AP / AP / DPA / Reuters