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Insolvenzantrag: Qimonda-Pleite bedroht Infineon

Die Pleite des Speicherchip-Herstellers Qimonda trifft den Mutterkonzern Infineon hart. Durch die Notlage seines Ablegers drohen dem Halbleiterkonzern weitere Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe.

Die ohnehin angespannte Finanzlage bei Infineon dürfte sich weiter verschärfen. Durch die Notlage seines Ablegers mit dem Hauptwerk in Dresden drohen dem tief in der Verlustzone steckenden Münchner Halbleiterkonzern weitere Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe, so für Abfindungen, Kartellverfahren oder die Rückzahlung von öffentlichen Fördermitteln.

Trotz wochenlanger Rettungsbemühungen musste der krisengeschüttelte Hersteller Qimonda mit weltweit rund 12 000 Beschäftigten am Freitag Insolvenz beantragen. In Deutschland sind durch die Pleite 3200 Arbeitsplätze im größten Werk in Dresden und weitere 1400 Jobs am Firmensitz in München in Gefahr.

Am Vormittag war bekannt geworden, dass Qimonda zusätzlichen Geldbedarf von rund 300 Millionen Euro hat. Damit benötigt der Konzern insgesamt rund doppelt so viel wie die im Rettungspaket vorgesehene Kapitalspritze - der Freistaat Sachsen, das Land Portugal und Infineon hatten bereits vor Weihnachten Finanzhilfen von zusammen 325 Millionen Euro zugesagt. Daneben war eine Bund-Länder-Bürgschaft über 280 Millionen Euro vorgesehen.

Qimonda hatte schon Ende vergangenen Jahres angekündigt, ohne finanzielle Hilfe Anfang 2009 in Zahlungsnot zu geraten. Nun reichten selbst die gewährten Hilfen offensichtlich nicht. Der Konzern leidet wie seine Konkurrenten unter dem massiven Preisverfall für Speicherchips auf dem Weltmarkt.

Weltweiter Preisverfall für Speicherchips

Infineon werde Rückstellungen über einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag bilden, hatte das Unternehmen am Freitag mitgeteilt. Ein Teil der Lasten soll bereits im abgelaufenen ersten Geschäftsquartal, das bis Ende Dezember lief, verbucht werden. Der Konzern fürchtet Kartell- und wertpapierrechtliche Verfahren, die eventuelle Rückzahlung öffentlicher Fördermittel sowie Forderungen von Qimonda-Mitarbeitern. Analysten schätzen die Schadenssumme auf bis zu 280 Millionen Euro.

Vor allem durch die hohen Verlusten bei seiner Ex-Sparte Qimonda war das Eigenkapital des Konzerns im vergangenen Geschäftsjahr ohnehin schon um mehr als die Hälfte auf nur noch knapp zwei Milliarden Euro geschrumpft. Bis 2010 muss das Unternehmen zudem zwei Anleihen im Wert von über 900 Millionen Euro zurückzahlen und Kredite in Höhe von rund 300 Millionen Euro verlängern.

Das Infineon-Management will die Aktionäre des im Deutschen Aktien-Index (DAX) notierten Unternehmens bei der Hauptversammlung am 12. Februar um eine Kapitalaufstockung bis zu 450 Millionen Euro zu bitten. Doch die dürfte nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei Qimonda vorerst kaum möglich sein. Denn die neuen Hiobsbotschaften haben den Kurs der Infineon-Aktien in den vergangenen Tagen auf unter einen Euro - und damit deutlich unter den für die Kapitalerhöhung nötigen Wert von zwei Euro gedrückt. Am Freitag fielen die Infineon-Papiere am DAX-Ende um fast fünf Prozent auf lediglich noch 0,68 Euro.

DPA