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Insolvenzplan abgesegnet: Karstadt-Interessenten dürfen in die Verlängerung

Eine schnelle Zerschlagung der Karstadt-Warenhauskette ist vorerst abgewendet: Die Gläubiger haben den Sanierungsplänen des Insolvenzverwalters zugestimmt. Allerdings gibt es eine Friständerung.

Die Gläubiger der insolventen Warenhauskette Karstadt haben am Montag in Essen dem Insolvenzplan zur Rettung des Unternehmens zugestimmt - allerdings mit einer wesentlichen Änderung: Mögliche Interessenten sollen ihre Angebote zwar bis zum 23. April vorlegen, die Frist für einen Verkauf könne aber notfalls verlängert werden, sagte ein Vertreter des Insolvenzverwalters.

Damit solle für den Fall vorgebeugt werden, dass zwar ein Käufer gefunden sei, aber nicht alle rechtlichen Hürden für einen Verkauf aus dem Weg geräumt seien. Der Verkauf des Konzerns - sollte Görg einen Käufer finden - kann sich damit länger hinziehen, der Insolvenzverwalter hat mehr Spielraum für Verhandlungen.

Zerschlagung in weiter Ferne?

Eine Zerschlagung des Warenhausriesen, bei der der Konkurrent Metro zum Zuge kommen könnte, könnte mit dem Beschluss zumindest zeitlich weiter in die Ferne rücken. Der Insolvenzplan sieht vor, die noch bestehenden 120 Karstadt-Häuser weiterzubetreiben und an einen Investor zu verkaufen. So sollen 25.000 Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Insgesamt haben über 35.000 Gläubiger der zahlungsunfähigen Warenhauskette Forderungen in Höhe von 2,8 Milliarden Euro angemeldet. Sie können nun Görg zufolge damit rechnen, in einem ersten Schritt drei Prozent ihrer Forderungen ausgezahlt zu bekommen. Das heißt, die Gläubiger bekämen für jeden Euro, den ihnen Karstadt schuldet, drei Cent.

665 Millionen Euro vom Steuerzahler

Die Insolvenz der Warenhauskette kostet die Steuerzahler mehr als 650 Millionen Euro. "Der Staat ist einer der größten Gläubiger", sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg am Wochenende und bestätigte entsprechende Zahlen aus einem Bericht der "Wirtschaftswoche". Laut dem Magazin haben Steuerbehörden, Arbeitsagentur und Sozialkassen in dem Insolvenzverfahren Forderungen über rund 665 Millionen Euro eingereicht. Bei der in Aussicht gestellten Rückzahlungsquote von drei Prozent würden sie davon am Ende lediglich 21 Millionen Euro zurückerstattet bekommen.

Reuters, APN, DPA / DPA / Reuters