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Insolvenzverfahren Karstadt: Gäubiger stimmen gegen Zerschlagung des Unternehmens

Das Karstadt-Insolvenzverfahren gleiche in manchen Punkten einem "Ritt auf der Rasierklinge", sagt Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg. Und dennoch ist er am Montag nach der Gläubigerversammlung in Essen wieder etwas optimistischer, dass die Rettung des Traditionsunternehmen gelingen könnte.

Die Gläubiger geben fast einstimmig grünes Licht für Görgs Plan, die verbliebenen 120 Karstadt Warenhäuser als Ganzes zu verkaufen und so 25.000 Arbeitsplätze zu retten. Die befürchtete Zerschlagung des Warenhauskonzerns ist damit erst einmal vom Tisch.

Dabei müssen die Gläubiger große Opfer bringen. Insgesamt 2,8 Milliarden Euro an Forderungen haben sie angemeldet. Doch im ersten Schritt sollen sie für jeden Euro, den ihnen Karstadt schuldet, nur 3 Cent bekommen. Insgesamt 62,4 Millionen Euro hat Görg dafür eingeplant. Allerdings haben die Gläubiger die Chance, später von den Einnahmen aus dem Verkauf der Warenhauskette zu profitieren.

Doch auch wenn Görg optimistisch in die Zukunft schaut: In trockenen Tüchern ist die Rettung von Karstadt noch lange nicht. Zwar erwartet der Insolvenzverwalter bereits in der nächsten Woche ein Kaufangebot. Doch lässt er keinen Zweifel daran, dass das Geschäft auch noch platzen kann. Schließlich wird mit harten Bandagen gekämpft. Wie riskant das Spiel ist, zeigt ein kleines Detail: Nicht einmal die Zahl der verbliebenen Kaufinteressenten will der Insolvenzverwalter auf Nachfrage nennen.

Görg will sich keine Blöße geben. "Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Das ist wie auf dem Schulhof", beschreibt ein Eingeweihter den Verhandlungspoker. Er gibt auch ein Beispiel: Erst kürzlich habe einer der Kaufinteressenten plötzlich seine Arbeiten im elektronischen Datenraum, der detaillierte Informationen zur Geschäftssituation des Konzerns enthält, ohne jede Erklärung für eine Woche unterbrochen. "Die wollten sehen, ob wir nervös werden", ist der Branchenkenner überzeugt. Als der Konzern nicht reagiert habe, habe der Kaufinteressent nach einer Woche die Prüfungen wieder aufgenommen.

Für Spannung ist auch in den nächsten Wochen gesorgt. Bereits am 23. April um 17.00 Uhr läuft die offizielle Frist ab, bis zu der die Kaufinteressenten ein Angebot vorgelegt haben sollen. Bis zum 30. April soll dann nach Möglichkeit der Vertrag unterschrieben sein - auch wenn die Gläubigerversammlung diese Frist am Montag aufweichte und dem Insolvenzverwalter mehr Spielraum gab. Am 31. Mai wird das Amtsgericht Essen seine Entscheidung über den Insolvenzplan bekanntgeben - ihn bestätigen oder die Zustimmung versagen. Stimmt das Gericht zu und klappt der Verkauf, dann könnte das Unternehmen schon bald darauf aus dem Insolvenzverfahren entlassen werden.

Doch auch mit einem Verkauf wäre das Kapitel Karstadt-Sanierung noch nicht abgeschlossen. Zwar hat der Insolvenzverwalter im Rahmen des Insolvenzverfahrens 13 Filialen des Warenhauskonzerns geschlossen und rund 1.000 Mitarbeiter entlassen. Außerdem handelte er mit Vermietern, Beschäftigten und Dienstleistern deutliche Kostenreduzierungen für den Konzern aus.

Doch betont Görgs Beauftragter Helmut Balthasar: "Die Arbeit ist damit aber noch nicht getan." Die eigentliche geschäftliche Restrukturierung des Unternehmens müsse der neue Eigentümer leisten. Allerdings habe Karstadt mit den vom Insolvenzverwalter ergriffenen Maßnahmen wieder eine Chance zu überleben.

Das glauben auch viele Beschäftigte. Die Recklinghäuser Karstadt-Betriebsratsvorsitzende Christa Schubert fasste deren Stimmung auf der Gläubigerversammlung in die Worte: "Natürlich glauben wir, dass es weitergeht."

Erich Reimann, APN / APN