Integrierter VW-Konzern Katar entlastet Porsche


Lange hatte der Sportwagenbauer mit dem Emirat verhandelt, nun steht das Geschäft. Die Araber übernehmen Porsches VW-Optionen - und steigen auch direkt bei den Stuttgartern ein. Die VW-Aktie bricht um 27 Prozent ein.

Der Sportwagenbauer Porsche kann sich von einem Großteil seiner Optionen auf VW-Stammaktien trennen und hat mit dem Emirat Katar einen Abnehmer gefunden. Dadurch würden für Porsche Barmittel in Höhe von mehr als 1 Milliarde Euro frei, teilte Porsche am Freitag in Stuttgart mit. Katar übernehme Optionen in Höhe von rund 17 Prozent der Stimmrechte an VW, sagte eine mit der Situation vertraute Person Reuters. Porsche lehnte eine Stellungnahme dazu ab und wollte auch keine weiteren Angaben zu dem Geschäft mit den VW-Optionen machen.

Porsche wird einen Knebel los

Zudem wird Katar aus dem Besitz der Porsche-Familienaktionäre zehn Prozent der Stammaktien erwerben, wie das Unternehmen mitteilte. Das entspricht fünf Prozent des Porsche-Kapitals. Falls es nicht zu der bis 2011 geplanten Verschmelzung von Volkswagen und Porsche komme, könne Katar die Stammaktien an die Familien Porsche und Piëch zurückveräußern. Angaben zum Kaufpreis für die nicht börsennotierten Stammaktien machte Porsche nicht.

Mit dem Einstieg von Katar bei VW wird Porsche einen Knebel los. Die zur VW-Übernahme von Porsche gesicherten Optionen auf VW-Aktien kosteten das Unternehmen nach FTD-Informationen Monatsgebühren in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe an die Banken.

Die Aufsichtsräte der Autokonzerne hatten bereits am Donnerstagabend beschlossen, dass sich VW zunächst mit 42 Prozent am operativen Geschäft von Porsche beteiligt und dafür bis zu 3,3 Milliarden Euro zahlt. Bis 2011 ist eine Verschmelzung der Porsche SE mit Volkswagen geplant. Der Preis stehe noch unter Vorbehalt, dass die exakten Daten aus der nicht abgeschlossenen Prüfung der Porsche-Bücher keine anderen Ergebnisse bringen. Mit dem kleinen, aber ertragsstarken Sportwagenbauer als zehnter Marke im Konzern fühlt sich VW nun noch besser gerüstet für die Jagd auf den weltgrößten Autobauer Toyota. Auch die Mitarbeiter sollen künftig am gemeinsamen Unternehmen beteiligt werden.

VW-Kurs brach ein

Durch die Zusammenführung von Volkswagen und Porsche entsteht ein integrierter Konzern mit einem Absatz von rund 6,4 Millionen Fahrzeugen und mehr als 400.000 Mitarbeitern. "Der Konzern hat sicher das Zeug dazu, die Nummer Eins zu werden", sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Freitag in Wolfsburg. Das integrierte Unternehmen habe eine beispiellose Modellpalette, globale Präsenz und höchste Technologiekompetenz.

Die Porsche-Eigentümerfamilien geben zudem ihre wertvolle Vertriebsgesellschaft in Salzburg an VW ab. Für die mit einem Absatz von zuletzt 474.000 Fahrzeugen größte Vertriebsgesellschaft Europas wurde ein Unternehmenswert von 3,55 Milliarden Euro ermittelt. Der Verkauf des Vertriebsgeschäfts ist ab 2011 möglich. VW will dafür etwa 3 Milliarden Euro zahlen.

Porsche muss Federn lassen

Der Kurs der VW-Aktien brach am Freitag ein. Die Stammaktien fielen zeitweise um 27 Prozent. Dagegen legte der Porsche-Aktienkurs deutlich zu, zeitweilig um fast 15 Prozent. "Die Details des Deals sind ganz klar eine positive Überraschung für die Porsche-Aktionäre", stellte Analyst Tim Schuldt vom Brokerhaus Equinet fest. "Der hohe Preis für die Porsche AG ist schlecht für VW."

Mit dem Beschluss muss Porsche Federn lassen, um den Weg zu einem neuen Autokonzern im Weltmarkt zu zementieren - der weiter Volkswagen heißen soll. Ursprünglich hatte Porsche VW schlucken wollen. Doch die Stuttgarter verspekulierten sich. Um die Milliardenschulden durch den VW-Einstieg mit 51 Prozent abzubauen, muss die Holding nun den Sportwagenbauer an VW abtreten.

Der gesamte Unternehmenswert des Sportwagenbauers wurde auf 12,4 Milliarden Euro taxiert. Darin sei ein erwartetes Synergiepotenzial enthalten, das zu einer Steigerung des operativen Ergebnisses im Konzern von insgesamt rund 700 Millionen Euro jährlich führen werde. Die bei Volkswagen geplante Kapitalerhöhung zur Refinanzierung der Beteiligung an Porsche soll ein Volumen von rund 4 Milliarden Euro haben.

VW-Großaktionär Niedersachsen sicherte sich zudem Rechte aus dem VW-Gesetz. So sollen die 20-prozentige Sperrminorität, die dem Land ein Vetorecht bei wichtigen Beschlüssen gibt, und das Entsenderecht des Landes für zwei Aufsichtsräte in der Satzung des neuen Konzerns verankert werden. Die VW-Mitarbeiter sollen "substanziell" an dem neuen Konzern beteiligt werden. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte, die Höhe der geplanten Mitarbeiterbeteiligung solle eine Größenordnung von ein bis fünf Prozent haben.

Volkswagen bleibt "voll handlungsfähig"

Volkswagen bleibt nach den Worten von Finanzchef Hans Dieter Pötsch auch nach dem Einstieg bei Porsche "finanziell und strategisch voll handlungsfähig". Der Manager sagte am Freitag in Wolfsburg: "Wir wissen, worauf wir uns einlassen." Porsche werde die Ertragskraft des VW-Konzerns deutlich stärken. Das operative Ergebnis werde jährlich um 700 Mio. Euro steigen. Die Synergien entsprechen laut Pötsch einem Barwert von 3 Milliarden Euro. "Porsche und VW machen einen großen Schritt in Richtung Weltspitze."

Die Familien Porsche und Piëch würden künftig zwischen 35 und 40 Prozent an VW halten. Die bislang an Porsche zur Hälfte beteiligten Vorzugsaktionäre könnten im Wege der geplanten Verschmelzung von VW und Porsche VW-Vorzugsaktien bekommen.

Die Kartellbehörden werden aller Voraussicht nach der Übernahme keine Hindernisse in den Weg stellen. Das Zusammengehen ist nach Einschätzung des Bundeskartellamts nicht anmeldepflichtig. Dafür müsste ein "Kontrollerwerb" vorliegen, was aber nicht der Fall zu sein scheine, sagte eine Sprecherin der Behörde am Freitag in Bonn.

FTD FTD

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