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Isländische Kaupthing-Bank: Deutsche Kunden sollen leer ausgehen

Schlechte Nachricht aus Island: Staatspräsident Olafur Ragnar Grimsson hat angekündigt, deutsche Anleger der Kaupthing-Bank nicht zu entschädigen. Es geht um 330 Millionen Euro, die rund 30.000 deutsche Sparer bei der isländischen Pleite-Bank angelegt haben.

Von Arne Delfs, Reykjavik

Islands Staatspräsident Olafur Ragnar Grimsson lehnt eine Entschädigung deutscher Sparer durch die Kaupthing Bank ab. "Die Deutschen müssen begreifen, dass die Menschen in Island alles verloren haben". Das sagte Grimsson im Interview mit der "Financial Times Deutschland". Vor diesem Hintergrund sei es den isländischen Steuerzahlern nicht zu vermitteln, dass sie jetzt auch noch für die Verluste deutscher Sparer aufkommen müssten.

Es sei "ungerecht", dass ausländische Anleger erwarteten, dass Island "die ganze Last" der Finanzkrise trage, sagte das Staatsoberhaupt. "Ich bin überrascht von den Forderungen unserer Freunde im Ausland." Die weltweite Finanzkrise sei nicht allein eine isländische Angelegenheit, fügte Grimsson hinzu. Verantwortlich für den Bankencrash sei vielmehr das europäische Bankensystem, das dringend reformiert werden müsse, so Grimsson.

Die mittlerweile verstaatlichte Kaupthing Bank war im Oktober 2008 gemeinsam mit zwei weiteren isländischen Großbanken zusammengebrochen. Angelockt von hohen Zinsversprechungen, hatten 30.000 deutsche Sparer dort insgesamt 330 Millionen Euro angelegt. Seit dem Zusammenbruch der Bank ist dieses Vermögen eingefroren, deutsche Anleger bemühen sich bislang vergeblich um eine Auszahlung.

Die Äußerungen des Präsidenten stehen in direktem Widerspruch zu den offiziellen Verlautbarungen der Kaupthing Bank. Deren Vertreter hatten am vergangenen Donnerstag bei einer Gläubigerversammlung in Reykjavik zugesagt, alle deutschen Sparer zu entschädigen. Einzelheiten zum Ablauf und zum Zeitpunkt der Auszahlung blieb der staatlich eingesetzte Zwangsverwalter Olafur Gardarsson allerdings schuldig. Dies hatte bei den rund 250 anwesenden Gläubigern Enttäuschung ausgelöst. Unter ihnen war auch der Anleger Karlheinz Bellmann, der bereits im November nach Island gereist war, um medienwirksam seine 110.000 Euro zurückzufordern. "Das haben die schon letztes Jahr versprochen", kommentierte Bellmann die Ankündigung der Bank.

Kaupthing strebt nach Angaben des Zwangsverwalters an, die geprellten Sparer aus eigener Kraft auszubezahlen. Danach verfügt Kaupthing bereits über 80 Prozent der erforderlichen 330 Millionen Euro. Den von der Bundesregierung angebotenen Kredit in Höhe von 308 Millionen Euro hat die Bank bislang nicht abgerufen.

Angeblich Probleme in Deutschland

Die weiter bestehenden Schwierigkeiten bei der Auszahlung des Geldes begründete die Führung der Kaupthing Bank mit Problemen auf der deutschen Seite. So blockiert unter anderem die ebenfalls betroffene DZ Bank eine Auszahlung des Geldes, weil diese noch selbst offene Forderungen gegen Kaupthing hat. Islands Staatspräsident Grimsson machte für die Finanzkrise seines Landes neben dem europäischen Finanzsystem insbesondere den britischen Premierminister Gordon Brown verantwortlich. Dieser hatte mithilfe eines Antiterrorgesetzes die Vermögenswerte der mittlerweile ebenfalls verstaatlichten Landsbanki einfrieren lassen. Grund war damals die Weigerung der Landsbanki, für britische Einlagen zu garantieren.

"Gordon Brown und andere schauen arrogant herab auf Island", sagte Grimsson. Browns Entscheidung, Island auf die Liste der Terrorländer zu setzen, habe die Krise "noch schlimmer" gemacht. Kaupthing sei durch die "einseitige Aktion der Briten zu Fall gebracht worden". Brown sei seinem Land bis heute eine Erklärung für dieses Vorgehen schuldig, sagte Grimsson.

FTD