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Kaupthing-Bank: Island verwirrt deutsche Anleger

Der isländische Staatspräsident Olafur Ragnar Grimsson hat sich gegen eine Entschädigung für deutsche Geschädigte der isländischen Kaupthing-Bank ausgesprochen. Damit sorgt er nicht nur in Deutschland für Verwirrung - sondern auch bei der Bank selbst.

Von Thomas Krause

Die Äußerungen des isländischen Staatspräsidenten Olafur Ragnar Grimsson wegen der Entschädigung für deutsche Anleger der isländischen Kaupthing-Bank haben in Deutschland für Verwirrung gesorgt. "Die Deutschen müssen begreifen, dass die Menschen in Island alles verloren haben", sagte Ragnar der "Financial Times Deutschland". Dem isländischen Steuerzahler sei nicht zu vermitteln, dass er für die Verluste deutscher Anleger aufkommen müsste. Die Erwartung, Island solle "die ganze Last" der Finanzkrise tragen, sei "ungerecht". Soweit der Präsident.

Dagegen sagte eine Sprecherin von Kaupthing, die Bank wolle ihre deutschen Kunden nach wie vor voll entschädigen. "Wir stehen zu unseren Verpflichtungen", sagte eine Sprecherin der Bank. Daran habe sich nichts geändert. Soweit die Bank. Die Verwirrung ist komplett.

Das deutsche Finanzministerium geht weiterhin von einer Entschädigung der gut 31.000 deutschen Sparer durch die isländische Kaupthing-Bank aus. "Island ist im Rahmen seiner gesetzlichen Einlagensicherung zur Entschädigung der Anleger verpflichtet", sagte eine Ministeriumssprecherin. Schon im November 2008 hatte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück eine Entschädigung der deutschen Anleger für ihre 330 Millionen Euro verlorene Spareinlagen zugesagt. Die Bundesregierung selbst hatte der isländischen Bank dafür bereits einen Kredit in Höhe von 308 Millionen Euro angeboten. Diesen hat Kaupthing allerdings bisher nicht in Anspruch genommen.

Die zwangsverstaatlichte isländische Bank selbst hatte schon bei einer Gläubigerversammlung vergangene Woche erklärt, man verfüge in Deutschland derzeit über 80 Prozent der Mittel, um die Einlagen komplett auszuzahlen. Verbraucherschützer zeigten sich daher überrascht von den Äußerungen des isländischen Staatspräsidenten. "Dass die deutschen Anleger entschädigt werden, war eigentlich schon ein Selbstgänger. Und nun wird womöglich zurückgerudert", sagt Gabriele Schmitz, Geldanlageexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg zu stern.de. "Die Aussagen des islandischen Präsidenten überraschen mich vor allem, weil die deutsche Regierung den Isländern ja einen Kredit für die Entschädigung der deutschen Kunden angeboten hat", sagt Schmitz.

Ulrike Lüken ist eine der Betroffenen der Kaupthing-Pleite. "Inzwischen gibt es so viele widersprüchliche Informationen von so vielen unterschiedlichen Stellen, dass sich mein Vertrauen in Luft aufgelöst hat", sagt die Dresdner Psychologin. Grimssons Aussage, die Isländer könnten nicht für die Verluste deutscher Sparer aufkommen, stößt bei Lüken auf Unverständnis: "Immerhin war es keine deutsche Bank, die das Geld verloren hat, sondern eine isländische. Wer soll denn sonst für Fehler, die in Island gemacht wurden, geradestehen?". Außerdem hätten die Deutschen ja auch unter den Folgen zu leiden: Viele der Anleger hätten neue Kredite aufnehmen müssen, so Lüken.

Verbraucher können nichst unternehmen

Doch die Position der Verbraucher ist nach Einschätzung der Verbraucherschützerin Schmitz denkbar schwach. "Dieser Streit findet inzwischen komplett auf der politischen Ebene statt. Die Verbraucher können momentan nichts mehr unternehmen, um ihr Geld wiederzubekommen", sagt Schmitz. Wegen des Engagements der Bundesregierung fürchtet Lüken nicht um ihr Geld, das sie bei Kaupthing angelegt hatte. Sie ist sicher, dass sie eine Entschädigung bekommen wird. Nur wann es so weit sein wird, dazu wagt sie keine Vorhersage.

mit DPA