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Finanztipps: Was mein Geld jetzt wissen will

2008 ist ein Horrorjahr für fast alle gewesen, die Geld besitzen oder damit handeln. Geld ist zu einem stark gepeinigten Gut geworden. Muss es jetzt an die Börse? Was bedeutet die Abgeltungssteuer? Wie kann es ihm künftig besser ergehen? Wir lassen unser Geld nun selbst zu Wort kommen und beantworten seine wichtigsten Fragen.

Von Frank Donovitz und Joachim Reuter

Börsencrash, Bankpleiten, Vertrauenskrise. 2008 ist ein Schreckensjahr für fast alle, die Geld besitzen oder vom Handeln mit Geld leben. Allein in den USA gingen bislang 21 Banken pleite. Rund drei Billionen Euro haben mehr als zwei Dutzend Staaten inzwischen eingesetzt, um Banken und Versicherungen vor dem Kollaps zu retten. Es gab Tage, da hatten sie im
Berliner Kanzleramt sogar Angst, die Deutschen könnten die Banken stürmen. Deshalb gaben Angela Merkel und ihr Finanzminister eine Garantieerklärung
für alle Spargelder ab. Deswegen spannten sie den Rettungsschirm auf. Immerhin: Die Politik hat eingegriffen. Die große Mehrheit der Verbraucher verfiel nicht in Panik. Aber jeder Fünfte sorgt sich um sein Geld. So ermittelt es aktuell das Forsa-Institut für den stern.

Auf Banker, Berater und andere Experten haben wir lange genug gehört. Jetzt lassen wir unser Geld selbst zu Wort kommen und beantworten die Fragen, die es uns stellt.

Wie viel von mir liegt überhaupt auf Bankkonten?

2.700.000.000.000 Euro, kurz 2,7 Billionen.

Wo bekommst du für mich die meisten Zinsen, ohne mein Leben zu riskieren?

Auf Tages- und Festgeldkonten mit deutscher Einlagensicherung. Sparer sollten sich allerdings schnell entscheiden. Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen gesenkt, und die Banken dürften bald bei den Guthabenzinsen nachziehen. Bei Tagesgeldkonten
kann das jederzeit geschehen, mit Festgeldanlagen lässt sich der aktuelle Satz für einen längeren Zeitrum sichern. 5000 Euro für ein Jahr festgelegt bringen derzeit gut fünf Prozent (5,25 Prozent zum Beispiel bei Deutscher, Dresdner und SEB Bank).

Mit der Fünf vor dem Komma werben auch rund ein Dutzend Tagesgeldanbieter - für Neuanlagen und/oder Online-Neukunden.

Vorsicht! Banken, die für Kurzfristanlagen zwei Prozentpunkte oder mehr als der geltende Leitzins versprechen, zahlen zugunsten der Neukundenfängerei drauf. Diese fragwürdige Masche können sie entweder nicht lange durchhalten, oder sie gehen den Weg der isländischen Kaupthing Bank - in die Pleite.

Wie sieht es mit Zins-Wertpapieren aus?

Erste Wahl sind Bundeswertpapiere: Sicher, solide, günstig (www.bundeswertpapiere.de). Kein Normalanleger braucht mehr. Denn: Alle Zins- und Rückzahlversprechen über denen von Bundeswertpapieren
bergen höhere Risiken. Und deutlich höhere Versprechen entpuppen sich früher oder später als Harakiri - mit freundlichen Grüßen zum Beispiel aus Argentinien oder jüngst aus Island.

Und wie ergeht es mir in einem Geldmarktfonds?

Schlecht, denn sie sind riskanter als landläufig gedacht. Ziehen Investoren, wie in jüngster Zeit geschehen, plötzlich Milliarden aus den Geldmarktfonds ab, sinkt die Wertentwicklung für alle Anleger: Im Jahresdurchschnitt haben die Fonds lediglich ein Prozent armselige Rendite geschafft. Weil das Geld in kurz laufende festverzinsliche Wertpapiere investiert wird, bringt ein
massenhafter Verkauf deren Kurse unter Druck. Noch schlimmer sieht es bei Geldmarktfonds aus, die ihre Rendite zusätzlich durch verbriefte Kredite (sogenannte ABS-Papiere) steigern wollten. Diese Spekulation ging gewaltig schief, derartige Fonds verzeichnen ein Jahresminus von 10 bis 17 Prozent - alles Effekte, die
bei Tages- und Festgeldkonten deutscher Einlagensicherung nicht auftreten können.

Ab dem kommenden Jahr werden Geldmarktfonds für private Kleinanleger vollends überflüssig: Von der ohnehin mickerigen Wertentwicklung werden beim Verkauf der Fondsanteile auch noch 25 Prozent Abgeltungsteuer abgezogen, wenn der Sparerfreibetrag
(801 Euro für Singles, 1602 Euro für Verheiratete) im
Verkaufsjahr überschritten wird. Bei Tages- und Festgeldkonten sowie bei Bundeswertpapieren
(gehalten bis zum Ende der Laufzeit) nagt die Steuer nur an den Zinsen.

Kannst du mich dann nicht in einem Bankschließfach deponieren?

Auch das ist ein Verlustgeschäft. Denn für das Fach fallen Gebühren an, sie liegen - je nach Bank oder Sparkasse - zwischen 25 und 60 Euro im Jahr. Größere Schließfächer kosten bis zu 476 Euro (Deutsche Bank). Zudem ist der Inhalt nur bis zu einer bestimmten Höhe versichert - je nach Bank sind es zwischen 11.000 und 26.000 Euro. Wichtig: Bargeld ist in der Regel davon
ausgenommen. In ein Schließfach gehören lediglich Gold,
Schmuckstücke und wichtige Dokumente.

Dann kannst du mich ja gleich zu Hause aufbewahren ...

Nein. Da gibt es keine Zinsen. Die Inflation fräße dich langsam auf. Außerdem ist eine Wohnung kein Schließfach. Feuer oder ein Einbruch könnten dich vernichten. Ist das Geld nicht in einem Tresor
gesichert, ersetzt die Hausratversicherung lediglich 1500 Euro. Bei Gold liegt die Grenze bei 20.000 Euro. Wertsachen, die im Haustresor liegen, werden bis zur
Höhe ersetzt, die bei der Versicherung angegeben
wurde.

Sind die Deutschen eigentlich Weltmeister im Sparen?

Sie stehen ganz weit oben. Die Bundesbürger haben 2007 von 100 Euro ihres verfügbaren Einkommens 11,30 Euro auf die hohe Kante gelegt. Nur die Franzosen sparen mehr.

Hat die Börsenentwicklung irgendwas mit der Bundesregierung zu tun?

Langfristig eher wenig, mehr jedenfalls mit weltwirtschaftlicher Entwicklung. Der starke
Börsenanstieg in der Regierungszeit Helmut Kohls
erklärt sich eher mit der Ausweitung des Welthandels,
den Wachstumschancen der Globalisierung. Und die damit verbundenen Crash-Risiken erklären das heftige Auf und Ab in den Regierungsjahren von Gerhard Schröder und Angela Merkel.

Wie geht die Finanzkrise aus? Chaos oder cool?

Wird schon wieder, aber vermutlich etwas anders als in den vergangenen 30 Jahren. Das bisherige Finanzwesen hat sich selbst zerstört. An einem neuen Weltfinanzsystem mit mehr Durchblick und Kontrolle wird derzeit gearbeitet, Ausgang offen.

Ziemlich sicher ist, dass sich die Geldgewichte auf dem Globus verschieben. Die neuen Herren der Kapitalmärkte sitzen an den Hebeln von Staatsfonds und ähnlichen Gebilden zum Beispiel in China, Russland, den arabischen Ölstaaten, Singapur - und Norwegen.
Einige Verlierer sind auch schon erkennbar: US-Investmentbanken, deren aberwitziges deutsches Möchtegern-Pendant, genannt Landesbanken, ein Haufen amerikanisch-karibischer Hedgefonds und Beteiligungsfirmen, letztere landläufig "Heuschrecken"
genannt.

Na? Das klingt doch gar nicht so übel. Mal abgesehen davon, dass man extrem wenig über die neuen Herren (und Damen) weiß ...

Die Aktienkurse sind stark gefallen. Muss ich - jetzt erst recht! - für dich an der Börse arbeiten?

Ja, es stimmt schon: Verglichen mit den vergangenen drei, vier Jahren scheinen Aktien derzeit ziemlich billig. Doch der Schein kann trügerisch sein: Zwar wird Eon sicher auch nächstes Jahr Strom verkaufen, die Post Briefe verteilen, bei VW Autos vom Band rollen und die Deutsche Bank irgendwen in Sachen Geld beraten - aber wie viel von alledem und zu welchem Preis? Und
mit welcher Marge?

Ehrlich gesagt: Niemand weiß, ob Aktien, gemessen an den Gewinnschätzungen der dahinterstehenden Firmen, derzeit günstig oder - trotz Kurssturz - immer noch überteuert sind. Das erklärt einen Gutteil der wirren Zuckungen, die Börsenbarometer wie der Frankfurter Dax-Index seit dem Spätsommer vollführen. Ein Ende dieses Schüttelfrostes ist nicht in Sicht, die
plausibelste Diagnose auf die Frage, wo der Dax-Index in einem halben Jahr steht, scheint derzeit die von Ex-Investmentbanker Martin Krebs zu sein, heute ING-Diba-Vorstand: "Da, wo er heute steht."

Stimmt es, dass Aktien langfristig immer Gewinn bringen?

Kommt auf die Aktien und den betrachteten Zeitraum an. Große Börsenindizes wie Dax (Frankfurt) oder Dow Jones (New York) zeigen langfristig tatsächlich stets nach oben. Verlustzeiten dauerten bisher nie länger als
zehn Jahre. Bis jetzt jedenfalls. Einzelne Aktien oder auch Investmentfonds können schon mal länger darben - auch für immer. Im Gegenzug können sie aber auch mehr bringen als ein Index - zumindest zeitweilig.

Ein Vergleich: In den vergangenen 20 Jahren schaffte der Dax-Index für die 30 größten deutschen Börsenwerte ein Plus von rund 240 Prozent, gerechnet inklusive Dividenden. Wer statt im Dax (kaufbar zum Beispiel per Indexfonds) 20 Jahre nur Siemens-Aktionär war, hat heute zwar nur rund 160 Prozent mehr Depotwert, aber inklusive Dividenden ein Plus von
mehr als 300 Prozent gemacht. Etwas dürftiger ist die 20-Jahres-Bilanz für einen Anleger des Cominvest Fondak, des ältesten und eines der erfolgreichsten Investmentfonds für deutsche Aktien (nicht auf Dax-Werte beschränkt): Inklusive aller Ausschüttungen liegt der Wertzuwachs bei rund 160 Prozent, also weniger als im Dax und auch weniger als mit der Siemens-Aktie.

Ist der Dax immer besser als mein Fonds?

Nicht immer, aber immer öfter. Nur eine Handvoll Fonds für deutsche Aktien waren in der Vergangenheit besser als der Dax, auf Dauer gar keiner. Wie kommt das?

Die 30 Dax-Aktien werden automatisch immer neu gemischt. Zum Beispiel, wenn Firmen aufgekauft, fusioniert oder einfach ausverkauft werden. Oder, wenn andere gefragter werden, wie zuletzt der Düngerproduzent K + S. Folglich hat der Dax von 1988 mit dem von heute nahezu nichts zu tun - es waren und
sind stets die jeweils 30 dicksten Börsenschiffe drin. Siemens gehörte bis heute immer dazu. Anders bei Fonds: Hier entscheiden Manager über die Zusammensetzung, mal mit gutem Händchen, mal mit Pech an den Fingern. Dieses Management kostet - so oder so - jedes Jahr ein bis zwei Prozentpunkte an Wertentwicklung, rein an Gebühren, von Provisionen mal ganz abgesehen.

Insofern: Ein kostengünstiger Dax-Indexfonds war und ist sicher nicht die schlechteste Form der Aktienanlage. Denn welcher Normalo kann schon vorhersagen, ob eine einzelne Aktie die wechselvolle, aber bisher rentierliche Karriere des Siemens-Papiers macht oder das Zeitliche segnet wie einst die Titel von Mannesmann.

Hilfe! Ich stecke in einem Zertifikat. Was nun?

Ruhe bewahren. Neben dem Marktrisiko gibt es zwei weitere, die zu bedenken sind:

1. Die herausgebende Bank ("Emittent") geht pleite, so wie Lehman Brothers. Dann ist das Geld zunächst futsch, kann nur über die Klage beim Insolvenzverwalter oder gegen den Verkäufer (Bank, Sparkasse) zurückgeholt werden. Unsichere Aussichten.

2. Das Zertifikat verliert seine Grundlage, so wie bei Papieren der SEB auf den Hedgefonds-Index eines Mannes namens Florian Homm. Ja, so was wurde wirklich verkauft. In solchen Fällen liegt das Geld auf Eis, Ausgang offen.

Merke: Mit werthaltigem, ausschüttungsorientiertem Anlegen, wie mit Aktien, Immobilien(-Fonds) oder deutschen Staatsanleihen, haben und hatten Zertifikate noch nie etwas zu tun! Eher mit dem Kauf eines Opel Ascona B, Baujahr 1981: Entweder das Auto wird Kult und kostet in einigen Jahren unter Sammlern
20.000 Euro. Oder das Gefährt bleibt übermorgen mit Motorschaden liegen. Auf was wollen wir wetten? Richtig! Wir lassen es einfach.

Willst du mich nicht in einen besseren Aktienfonds umtauschen?

Besser nicht, es sei denn, der jetzige ist wirklich eine totale Krücke. Für die meisten Großen gilt das aber nicht. Die größten Fonds für deutsche Aktien liegen im Langfristvergleich nah beieinander. Ungeachtet des jüngsten Schwächelns war man mit dem Cominvest Fondak am besten bedient. Auf den Plätzen folgen
Deka-Fonds (Sparkassen) und Uni-Fonds (Volksbanken).

Bei weltweit anlegenden Aktienfonds fällt das Urteil schlechter aus. Die großen Global-Fonds von Deka, Allianz Global Investors (AGI) und Templeton brachten in den vergangenen 20 Jahren weniger als eine Festzinsanlage. Ein Tausch, etwa in die deutlich besseren internationalen Portfolios von DWS, Frankfurt Trust (FT) oder Union ist eine Überlegung wert.

Provision beim Tausch und ganz generell für Einmalanlagen spart übrigens die Abwicklung über die Börse.

Welcher Anlage-Mix ist für 2009 der richtige?

So wie wir Deutschen es "statistisch" machen, ist es gar nicht dumm: rund 10 Prozent in die Kasse (Tagesgeldkonten), gut und gern 70 Prozent auf Nummer sicher angelegt, also in solide Zinsanlagen
(Sparkonten, Lebensversicherungen, Bundeswertpapiere). Und den Rest in Eigentum an Unternehmen, zum Beispiel per Aktien und Aktienfonds. Also: keine Zertifikate oder ähnliche Wettpapiere.

Willst du mich nicht doch lieber in Gold aufwiegen lassen?

Das hat zwei Haken: Gold bringt keine Zinsen. Und wird der Schatz als Goldbarren oder -münzen in einem Schließfach versteckt, werden Gebühren fällig. Im Übrigen schwankt der Preis fürs Gold stark: Eine Feinunze kostete vor zehn Jahren 300, vor einem Jahr 1000 und zuletzt rund 800 US-Dollar. Neben der Preisentwicklung ist für Euro-Anleger auch die Handelswährung ein Risiko. Auf Dollarbasis stieg der Goldpreis in den vergangenen zehn Jahren deutlich stärker als in Euro. Auch solche Effekte wollen einkalkuliert sein - kaum jedermanns Sache.

Ab in die Goldmine, zum Beispiel per Rohstofffonds?

Bloß keinen Fonds, der nur in Aktien von Minenunternehmen investiert! Die Zeiten, in denen goldreiche Lagerstätten entdeckt und ausgebeutet wurden, sind vorbei. Viele Minen sind klein, und die Förderung ist teuer. Je tiefer der Goldpreis fällt, desto unrentabler arbeiten die Minengesellschaften. So haben die Aktien dieser Unternehmen deutlich mehr an Wert verloren als jüngst der Goldpreis.

Daneben gibt es Fonds, die in Firmen aus der gesamten Rohstoffbranche investieren, von Aluminium bis Zink. Nach einer fünfjährigen Boomphase haben deren Aktien
seit Monaten stark an Wert verloren. Grund: Weil die Konjunktur einbricht, befürchten die Investoren eine sinkende Nachfrage, und die Rohstoffpreise fallen. Experten halten den Einbruch für übertrieben und verweisen darauf, dass Länder wie China und Indien weiterhin einen hohen Bedarf an Rohstoffen haben. Erholt sich die Weltwirtschaft, dürften die Preise schnell wieder steigen.

Mit Sicht auf die nächsten fünf Jahre ist der Kauf eines Rohstofffonds auf dem jetzt niedrigen Niveau also keine schlechte Idee. Noch besser: Fonds, die in Agrar-Rohstoffe wie Kaffee oder Weizen investieren. Essen müssen die Menschen immer - und es werden täglich mehr.

Ist Bausparen etwas für Spießer?

Im Gegenteil! Es fühlt sich zwar ein wenig wie Opel-Ascona-Fahren an, ist aber für Immobilieninhaber und Kauf-/Bauinteressierte durchaus clever, um nicht zu sagen kurz vor Kultstatus.

Das Prinzip: Bausparen ist Geldanlegen und -leihen in einem. Je geringer die Differenz zwischen Anlage- und Kreditzins, desto fairer ist das Angebot. Wer sich billige Darlehenszinsen sichern will, muss sich mit mickerigen Guthabenzinsen begnügen: Für rund zwei Prozent nominalen Kreditzins gibt es derzeit auch nur ein Prozent Sparzins - oder sogar noch weniger. Bedeutet: Man schenkt der Bausparkasse ein paar Jahre Geld, wofür sie dann später mit Billigkredit bluten muss.

Das Zinsspielchen geht für den Sparer auf, wenn der heute billig erscheinende Bausparkredit zu gekommener Zeit am freien Markt tatsächlich teurer wäre. Andernfalls nicht.

Ist "Wohn-Riester"-Sparen gut?

Eher nein. Kompliziert und unflexibel.

Werde ich im Reihenhaus für dich zum Minusgeschäft?

Kommt darauf an, wo die Reihe steht. In Regionen, die wirtschaftlich brummen, gibt es gute Chancen zumindest auf Werterhalt - wenn auch der Rest, also Infrastruktur, Soziales, Architektur und so weiter, stimmt. Unter diesen Umständen ist eine eigene
Scholle auch eine gute Alters- und Krisenvorsorge.

Und wie ist es mit Modernisierung der alten Heizung, der zugigen Fenster und so?

Gute Idee! Der Staat gibt dafür sogar günstig Kredit.

Komme ich in einem offenen Immobilienfonds nie ins Minus?

Bisher sehr selten, und wenn, dann auch nur ganz wenig. Allerdings muss man wohl damit rechnen, nicht täglich an sein Geld zu kommen. Schon vor ein paar Jahren mussten einige Fonds zeitweise schließen, ihre Immobilien waren falsch bewertet. Auch derzeit ist rund ein Drittel aller Fonds geschlossen. Der Grund diesmal: Großanleger haben sie als Geldparkplatz missbraucht
und in der Finanzkrise Anteile großvolumig versilbert.
Die Kassen der Fonds sind geleert, die zeitweise Schließung zwangsläufig. Ärgerlich, denn die Immobilienwerte sind diesmal weitgehend in Ordnung, die Profitprognosen mit rund vier Prozent für das Jahr 2009 auch.

Die Branche berät deshalb - mal wieder - über Regeländerungen. Wer dieser Tage unbedingt Immobilienfonds-Anteile zu Geld machen will (oder muss), kann sie an der Fondsbörse Hamburg verkaufen. Aber nur zur Not, denn der Börsenpreis für die Anteile
ist nicht allzu attraktiv.

Bin ich in einer Lebensversicherung gut aufgehoben?

Bestens, solange es eine made in Germany ist. Noch besser, wenn man bei einer der seit Jahren soliden Versicherungen ist. Andernfalls gibt es zwei Möglichkeiten: Sind es nur noch wenige Jahre bis
zur Auszahlung, hilft nur durchhalten und auf höhere Gutschriften und sogenannte Schlussgewinne hoffen. Beträgt die Zeit bis zum Ablauf aber noch 15 Jahre oder mehr, könnte man die Mager-Police "beitragsfrei stellen" (nicht kündigen) und eine neue bei einer Topadresse abschließen. Idealerweise bei einem
Direktanbieter, denn das spart die Provision. Tipp: Wenn die Lebensversicherung mehr Altersvorsorge als Todesfallschutz sein soll, einen Tarif mit nur 60 Prozent Todesfallsumme wählen. Bringt im Erlebensfall mehr Geld.

Wie viel bringe ich dir, wenn du mich in eine Lebensversicherung einzahlst?

Je länger die Laufzeit, desto mehr kommt dabei raus. Denn dann hat die Versicherung die Chance, Niedrigrenditezeiten mit Boomjahren wieder auszugleichen.

Übrigens: Wirklich Geld verloren hat mit einer Lebensversicherung noch niemand: Die Gutschriften auf den Sparanteil lagen im Schnitt stets über der Preissteigerung.

Bin ich in der Riester-Rente sicher aufgehoben?

Ja. Die eigenen Einzahlungen plus staatliche Zulagen gibt's zu Rentenbeginn garantiert wieder raus.

Gibt es nicht Lebensversicherungen, wo ich mehr für dich herausholen kann?

Das haben britische und irische Lebensversicherungen versprochen. Auch rund 900.000 deutschen Kunden. Sie ließen sich von höheren Renditen locken, weil die angelsächsischen Versicherer das Kapital bis zu 100 Prozent in Aktien investieren. Bei deutschen Versicherern liegt der Aktienanteil derzeit unter zehn Prozent.

Jetzt in der Finanzkrise müssen die angelsächsischen Anbieter die Gutschriften drastisch senken. Eine garantierte Mindestverzinsung wie in Deutschland gibt es bei ihnen nicht. Sollten die Börsen längere Zeit schlecht laufen, könnte es sein, dass die Kunden
nicht einmal ihre eingezahlten Beiträge zurückerhalten.

Wie wär's mit einer "fondsgebundenen" Rentenversicherung?

Finger weg. Diese Angebote haben mit Versichern nicht viel zu tun, mehr mit Provisions-, Gebühren- und Steuerdreherei.

Und das Geldanlagerisiko trägt (überwiegend) nicht, wie es eigentlich sein sollte und der Name vorgaukelt, die Versicherung - sondern der Sparer ganz persönlich.

Und was ist mit der Betriebsrente?

Sicher, solange nicht ein größerer der rund 100 deutschen Lebensversicherer und ein größerer Teil aller deutschen Unternehmen pleite gehen. Denn sie alle stehen gemeinschaftlich für den Insolvenzschutz
der betrieblichen Altersvorsorge.

Alle warnen vor der "Abgeltungsteuer". Ist sie wirklich so schlimm?

Nur für ganz wenige wichtig, und schlimm fast gar nicht. Steuern zahlen muss ohnehin nur, wer in einem Jahr in Summe mehr als 801 Euro (Verheiratete 1602 Euro) an Zinsen, Dividenden und Fondsausschüttungen bekommt. Wirklich neu ist, dass ab kommendem Jahr auch noch "realisierte Kursgewinne" steuerpflichtig werden.

Im Klartext: Wer ab 1. Januar 2009 Wertpapiere (Aktien,
Investmentfonds und so weiter) kauft, bekommt bei gewinnbringendem Verkauf - egal wann - 25 Prozent vom Kurszuwachs abgezogen. Bisher war jeder Kursprofit nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Das
gilt übrigens für alle Wertpapiere, die vor dem 31. Dezember 2008 gekauft werden, auch weiter - ohne zeitliche Begrenzung.

Das größte Risiko dabei ist weniger der langfristig angelegte Erwerb solider Aktien und/oder Aktienfonds, sondern provisionsgetriebene Berater in Banken, Sparkassen und Wohnzimmern, die einen "noch schnell bis Jahresende" in "Abgeltungsvermeidungsprodukte"
wie fondsgebundene Versicherungen und Dach-, Lebenszyklus- oder Zielfonds treiben wollen. Umfragen zeigen jedoch, dass die Deutschen das "Beraterrisiko" mittlerweile immer besser einschätzen können - Lehman & Co. sei Dank!

Wieso legst du mich nicht in einem Dachfonds an - wie Banken und Sparkassen immer empfehlen?

Weil darin zu viel von dir verschwindet. Der Berater kassiert einen Ausgabeaufschlag. Jeder Manager der zahlreichen Einzelfonds, in die der Dachfonds investiert, verlangt weitere Gebühren - manchmal auch noch eine Erfolgsprämie. So kommen Kosten von acht bis zwölf Prozent im Jahr zusammen. Nein danke! Kein Wunder, dass bei dieser Provisionslast die Wertentwicklung gegenüber gut geführten Einzelfonds auf der Strecke bleibt. So lasse ich mich auch vom Verkäufer am Bankschalter ("Mit Dachfonds vermeiden Sie die Abgeltungsteuer") nicht blenden. Was nutzt mir der Steuervorteil, wenn die Rendite nicht stimmt?

Aber Fonds-Sparpläne lohnen sich doch wegen der Steuer bald nicht mehr?

Das hängt von der Rendite ab, die der Fonds im Schnitt pro Jahr schafft. Liegt sie bei Aktienfonds im Mittel (nach Abzug von Gebühren und Provisionen) unter sechs Prozent jährlich, wird's nach dem neuen Steuerabzug eng. Denn es werden nicht nur jährlich 25 Prozent von den Ausschüttungen (auch von sofort wiederangelegten) abgezogen, sondern auch noch vom Wertzuwachs beim Verkauf der Anteile. Deshalb bringt ein gutes Zinskonto (ab 3,5 Prozent Jahreszins) oder ein Bundesschatzbrief (gehalten bis zum Rückzahldatum) genauso viel oder sogar mehr. Ohne jedes Verlustrisiko.

Gleichwohl: Auch nach Steuern dürfte sich ein Sparplan in einen renommierten deutschen oder internationalen Aktienfonds immer noch besser rechnen als in den meisten "Gebührkassierautomaten" namens Dachfonds & Co.

Wie wäre es, mich in einen Neuwagen zu stecken? Immerhin keine Steuern, sagt Steinbrück …

Der Steuererlass ist ein billiger Trick, um Kunden in Autohäuser zu locken. Wer zum Beispiel einen neuen VW Golf 1.4, Emissionsklasse Euro 5, kauft, spart 188 Euro Kfz-Steuer - bei rund 18.000 Euro Kaufpreis.

Merke: "Der Mensch braucht Spareinlagen für später. Ein Auto kann man nicht essen", sagt Helmut Schmidt, 89, Altbundeskanzler und Publizist.

Oder lieber Designerklamotten, Nobeluhren oder Schmuck kaufen?

Wer's braucht und wem's Spaß bringt . . . jedenfalls werthaltiger als ein Neuwagen.

Kannst du nicht einen Experten zurate ziehen, wenn du dir nicht sicher bist, wie es mit mir weitergeht?

In Zweifelsfällen rufe ich die kostenfreie Telefon-Hotline der Verbraucherzentralen an. Die Nummer 0800/664 85 88. Montags bis freitags, zwischen 9 und 21 Uhr. Die Kosten übernimmt das Ministerium für Verbraucherschutz in Berlin.

Eine persönliche Beratung in den örtlichen Büros der Verbraucherzentralen kostet zwischen 50 und 150 Euro.

Gibt es jemanden, der die Finanzkrise frühzeitig vorhergesehen hat?

Ja, Kaspar Hauser alias Kurt Tucholsky. Der schrieb schon vor 77 Jahren:

"Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andre werde gepumptes Geld zurückzahlen. Tut er das nicht, so erfolgt eine sog. ›Stützungsaktion‹, bei der
alle, bis auf den Staat, gut verdienen. Solche Pleite erkennt man daran, dass die Bevölkerung aufgefordert wird, Vertrauen zu haben. Weiter hat sie ja dann auch meist nichts mehr."


(Quelle: Die Weltbühne, 15. September 1931, Nr. 37, S. 393).

Hast du ein paar Witze zum Aufmuntern?

Gern, bitte schön:
Nach einem Börsencrash fragt ein Aktienhändler: "Hast du dir schon einen Revolver gekauft?" - "Wovon denn?"

Kunde zum Anlageberater: "Kennen Sie sich wirklich mit solchen Termingeschäften aus?" Anlageberater: "Aber natürlich, diese Dinge habe ich schon über 200-mal gemacht." Kunde: "Dann bin ich ja beruhigt." Anlageberater: "Das können Sie auch sein. Einmal muss
es ja klappen."

Ein Jäger zeigt stolz seine Sammlung. "Da hängt ja auch ein Frauenkopf - und der lacht auch noch!" -
"Oh ja, das war meine Anlageberaterin. Die hat bis zum Schluss geglaubt, ich mache ein Foto."

Von:

Joachim Reuter und Frank Donovitz