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Jahresbilanz: Nokia verdient sieben Milliarden Euro

Allein im vergangenen Quartal hat Nokia seinen Gewinn um 60 Prozent gesteigert. Insgesamt verdiente der finnische Handyhersteller 2007 sieben Milliarden Euro. Dennoch wird das Bochumer Werk geschlossen. "Wir haben keine tragbare Lösung gefunden", sagte Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo.

Trotz eines Rekordgewinns von 7,2 Milliarden Euro hält der finnische Mobilfunk-Weltmarktführer Nokia an der geplanten Schließung seines Bochumer Handy-Werkes fest. Vorstandschef Olli-Pekka Kallasvuo erklärte in der finnischen Tageszeitung "Helsingin Sanomat": "Trotz verschiedener Bemühungen haben wir keine tragbare Lösung für das Werk Bochum gefunden." Er fügte hinzu: "Es ist kaum vorstellbar, dass wir in den Gesprächen mit den Beschäftigten einen neuen Aspekt finden, der uns zu einer Änderung unserer Entscheidung bringen könnte."

Während in Bochum die Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze bangen müssen, erhalten die Aktionäre des finnischen Konzerns eine um 23 Prozent auf 0,53 Euro je Aktie gesteigerte Dividende. Dank üppiger Gewinnmargen stieg der Reingewinn des Mobilfunkriesen im vergangenen Jahr um 67 Prozent. Der Umsatz wuchs um 24 Prozent auf 51,1 Milliarden Euro. Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo betonte bei der Bekanntgabe der Zahlen, das Jahr 2007 sei für Nokia "von hohem Wachstum und gesteigerter Profitabilität" geprägt gewesen.

Nokia auf Wachstumskurs

Gleichzeitig habe Nokia mit dem Ausbau seiner Internet-Aktivitäten die Weichen für die Zukunft gestellt. Insgesamt verkauft der Mobilfunkriese 2007 rund 437 Millionen Geräte, 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit steigerte er seinen Weltmarktanteil auf 40 Prozent. Doch Nokia verkaufte nicht nur viele Handys, das Unternehmen verdiente auch gut dabei. Die Umsatzrendite betrug im 4.Quartal stolze 15,9 Prozent. Auch 2008 will das Unternehmen weiter auf Wachstumskurs bleiben.

Dennoch ist nach Einschätzung der Konzernspitze für die Bochumer Nokia-Beschäftigten kein Platz mehr im Unternehmen. Die Situation des Standorts Bochum sei schon seit mehreren Jahren geprüft worden, zitierte die größte finnische Tageszeitung den Nokia-Chef. Die Produktionskosten in Deutschland seien zu hoch geworden.

Kallasvuo betonte, er erwarte eine weitere Verschärfung des Wettbewerbsdrucks bei Mobiltelefonen. Deren Preis ist in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 35 Prozent gefallen. "Es sichert die Zukunft unserer Investitionen, wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität von Nokia erhalten", meinte Kallasvuo. Immerhin beschäftigt das Unternehmen weltweit 130.000 Menschen.

Ausstieg in Deutschland darf etwas kosten

Von den heftigen Reaktionen in Deutschland zeigte sich der Nokia-Chef überrascht: "Wir haben unsere Botschaft von Anfang an nicht gut vermitteln können", meinte Kallasvuo. "Weil die Reaktion derartig heftig war, hätten wir das besser machen können." Der Manager signalisierte gleichzeitig die Bereitschaft sich den Ausstieg in Deutschland etwas kosten zu lassen. "Diese Art von Lösung ist niemals billig, vor allem nicht in Deutschland", sagte er.

Der mit Abstand weltgrößte Handy-Hersteller verdiente zwischen Oktober und Dezember operativ 2,49 Milliarden Euro - gut 60 Prozent mehr als vor einem Jahr. Auch dank der Probleme des US-Rivalen Motorola liefen die Geschäfte deutlich besser als von Experten erwartet. Motorola hatte erst am Mittwoch angesichts der geringen Nachfrage nach seinen Mobiltelefonen für den Jahresanfang einen Verlust angekündigt. "Die Zahlen beweisen erneut: Motorolas Verlust ist Nokias Gewinn", kommentierte ein Analyst. Die Nummer vier Sony Ericsson will Motorola in diesem Jahr überholen. Die Nummer zwei der Branche ist der koreanische Samsung-Konzern.

Die Bochumer Fertigung soll nach den Plänen des Konzerns nach Rumänien oder Ungarn verlegt werden. Am Dienstag hatten in Bochum 15.000 Menschen gegen die Entscheidung von Nokia demonstriert, das Werk mit seinen 2.300 Beschäftigten zu schließen. Der Kurs der Nokia-Aktie stieg nach Bekanntgabe der Bilanzzahlen um 12,4 Prozent.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters