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Japan Regierung schwächt den Yen


Japan entwertet seine Währung, um seiner Exportwirtschaft Luft zu verschaffen. Experten halten das zwar für verständlich, einen langfristigen Erfolg versprechen solche massiven geldpolitischen Eingriffe jedoch nicht.

Nach der Schweiz stemmt sich auch Japan mit aller Macht gegen die massive Aufwertung seiner Währung. Die Notenbank des von der Erdbeben- und Atomkatastrophe schwer gebeutelten Landes lockerte am Donnerstag erneut ihre Geldpolitik, um den Wechselkurs des Yen zum Dollar zu schwächen und damit der exportabhängigen Wirtschaft wieder Luft zu verschaffen. Japan intervenierte zudem am Devisenmarkt. Man habe dabei alleine gehandelt, sagte Finanzminister Yoshihiko Noda in Tokio. Ziel sei es, spekulative und ungeordnete Wechselkursbewegungen einzudämmen. Die Regierung behält sich zudem weitere Eingriffe vor.

Über die Größenordnung der Aktion, also wie viele Yen Japan abgestoßen hat, sagte Noda nichts. Der Yen, der seit Monaten japanische Waren auf dem Weltmarkt verteuert, gab nach der Intervention mehr als 3,5 Prozent zum Dollar nach und half der Tokioter Börse ins Plus. Devisenhändler spekulierten, die Bank of Japan habe im Auftrag der Regierung etwa eine Billion Yen verkauft. Viele Ökonomen gehen davon aus, dass der Effekt eines solchen Eingriffs bald wieder verpufft und nur abgestimmte Aktionen der Notenbanken die Lage beruhigen können.

Japans Finanzminister betonte nach dem Schritt, dass er auch von der Notenbank ein angemessenes Vorgehen erwarte. Die Währungshüter verkürzten ihre gewöhnlich zweitägigen Beratungen und kündigten wenig später an, die ohnehin schon großzügige Geldpolitik weiter zu lockern. Das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten werde auf 15 von 10 Billionen Yen - umgerechnet rund 130 Milliarden Euro - erhöht, teilte die Bank of Japan mit. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen.

Den Leitzins beließ die Zentralbank im Korridor zwischen 0 und 0,1 Prozent. Ob die Zentralbank weitere Maßnahmen erwägt, ließ Notenbankgouverneur Masaaki Shirakawa offen. "Sag niemals nie", sagte er bei einer Pressekonferenz. Erst am Mittwoch hatte die Schweizer Nationalbank wegen des starken Franken ihren Leitzins gesenkt - wie der Yen gilt er als Fluchtwährung in schweren Zeiten.

Japan: G7 und G20 sollen über Turbulenzen beraten

Fachleute halten die Aktionen der Notenbanken zwar für nachvollziehbar. Sie gleichen aber in den Augen vieler eher Verzweiflungstaten ohne große Aussicht auf Erfolg: Die Ursache für die Turbulenzen an den Märkten liegen nämlich nicht in Japan oder der Schweiz, sondern haben ihren Ursprung in den Schuldenkrisen in der Euro-Zone und den USA. Der japanische Wirtschaftsminister Kaoru Yosano regte deshalb Gespräche in der Gruppe der sieben führenden Industriestaaten (G7) oder auch gemeinsam mit den Schwellenländern (G20) über die Währungsturbulenzen an.

"Es ist gut, dass die Notenbank schnell reagiert hat, und dass das Vorgehen mit der Intervention der Regierung abgestimmt war", lobte Analyst Seiji Adachi von Deutsche Securities das japanische Vorgehen. Nun müssten die für Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktdaten und die Reaktion der US-Notenbank abgewartet werden. Sollte sie aus Sorge um die Konjunktur und wegen des anhaltenden Konflikts um den Schuldenabbau ebenfalls ihre Geldpolitik weiter lockern, würde dies den Dollar erneut zulasten des Yen schwächen. Dies könnte bedeuten, dass Japan schrittweise weiter intervenieren müsste, um seine Währung auf einem erträglichen Niveau zu halten. Die Federal Reserve entscheidet am Dienstag über ihren weiteren Kurs.

Der sich zuletzt nahe Rekordständen bewegende Yen schadet der drittgrößten Volkswirtschaft, die noch immer mit den Folgen des schweren Erdbebens vom März kämpft. In den jüngsten Quartalsbilanzen der großen Konzerne hinterließ er bereits Spuren. Zuletzt wurden daher auch in der Wirtschaft die Forderungen nach einem Eingreifen immer lauter. Regierungssprecher Yukio Edano schloss weitere Interventionen nicht aus. Die Regierung werde den Devisenmarkt genau beobachten und wenn nötig handeln, sagte er.

Leitha Kihara, Reuters Reuters

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