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Jürgen Thumann: Ein neuer Tonfall im BDI

An der Spitze des Bundesverbandes der Deutschen Industrie kommt es zum großen Wechsel: Für den bisherigen BDI-Präsidenten Michael Rogowski soll der ruhige Familienunternehmer Jürgen Thumann als Nachfolger gewählt werden.

Er gilt als höflich, als Mann der leisen Töne und geschickter Diplomat: Der 63-jährige mittelständische Unternehmer Jürgen Thumann soll am 29. November zum Nachfolger des amtierenden BDI-Präsidenten Michael Rogowski gewählt werden. Thumann ist geschäftsführender Gesellschafter der Heitkamp & Thumann KG mit Sitz in Düsseldorf, die mit rund 2.000 Mitarbeitern 300 Millionen Euro konsolidierten Umsatz erwirtschaftet. Seit 1991 ist er Mitglied im Präsidium des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und derzeit Präsident des Wirtschaftsverbandes Stahl- und Metallverarbeitung.

Engagierter Familienunternehmer

"Als Familienunternehmer ist es für mich eine Ehre, zur Wahl zum BDI-Präsidenten vorgeschlagen zu werden", betonte Thumann, nachdem sein Vorgänger offiziell auf eine weitere Amtszeit verzichtet und ihn als neuen Verbandschef vorgeschlagen hatte. Rogowski rühmte seinen designierten Nachfolger als überzeugten Familienunternehmer, der sich engagiert für die wirtschaftspolitischen Interessen der Industrie einsetze.

Er sei von Natur aus höflich, sagte Thumann dem "Handelsblatt". "Ich hoffe, mit meinem Auftreten Gehör zu finden, und ich hoffe, dass mir die Menschen vielleicht deswegen besser folgen." Aber auch wenn der Tonfall anders ist als der seiner Vorgänger, inhaltlich stimmt der im westfälischen Schwelm geborene Thumann in den meisten Positionen mit ihnen überein. Die Verlagerung von Jobs ins Ausland sichere auch heimische Arbeitsplätze, argumentiert der Unternehmer. Über die Mitbestimmung in den Aufsichtsräten urteilte er, diese verstehe im Ausland niemand.

Hobby: Pferdegespannfahren

Mit Thumann tritt ein ebenso erfahrener wie erfolgreicher Unternehmer an die Spitze des Verbandes. Bereits als 19-Jähriger übernahm der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann 1960 das Schwelmer Stahlverarbeitungsunternehmen seines früh verstorbenen Vaters, das er ausbaute und 1992 an den niederländischen Stahlkonzern Hoogovens verkaufte. In das Unternehmen seiner Schwiegereltern mit Sitz in Düsseldorf trat er 1966 als Geschäftsführer und Gesellschafter ein. 1978 folgte schließlich die Gründung der Heitkamp & Thumann KG, einem Hersteller von Stahl- und Metallkomponenten.

Das Unternehmen ist heute nach eigenen Angaben Weltmarktführer in der Herstellung von Batteriekomponenten und von Behältern für die Pharma-Industrie wie beispielsweise Aerosoldosen. Außerdem werden verschiedene Automobilteile gefertigt. "Wir suchen Marktnischen, in denen wir die Chance haben, Weltmarktführer zu werden", sagte Thumann der "Welt". Insgesamt hat die Holding heute 16 Produktionsstandorte in Amerika, Asien und Europa. Etwa 35 Prozent der Aktivitäten liegen in den USA, rund 26 Prozent im heimischen Markt. Die Unternehmenssprache ist englisch.

Ziel: Stärkung mittelständischer Betriebe

Seine zunächst zweijährige Amtszeit will der künftige BDI-Präsident unter anderem dazu nutzen, die Interessen eigentümergeführter, mittelständischer Betriebe stärker zu fokussieren. Er werde "die kleinen und mittleren Unternehmen auf jeden Fall mehr vertreten", kündigte er laut "Financial Times" an. Handlungsbedarf sehe er vor allem in der Steuerpolitik, bei der Mitbestimmung in den Aufsichtsräten sowie bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten, hieß es. In seinem eigenen Produktionsbetrieb im sauerländischen Marsfeld existiert für die Arbeitszeiten dem Blatt zufolge bereits seit Jahren eine Lösung: Die 37,5-Stunden-Woche wurde nie eingeführt, stattdessen freiwillig an der 40-Stunden-Woche mit Überstundenausgleich festgehalten.

Ein Freund von "Aufgeregtheiten" ist der 63-Jährige nicht, wie er im Gespräch mit dem "Handelsblatt" betonte. Er wolle lieber im kleinen Kreis für seine Ideen werben. "Aber unterschätzen sie nicht, dass ich Westfale bin", warnte er: "Westfalen sind bekanntermaßen stur." Für ein wichtiges Hobby bleibt dem Vater zweier Töchter angesichts der neuen Aufgabe allerdings weniger Zeit. Der begeisterte Pferdegespannfahrer ist seit Mai 2001 Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, des Dachverbands der 7.300 Reit- und Fahrvereine mit insgesamt rund 760.000 Mitgliedern. Für das Amt des BDI-Präsidenten, hieß es in der "Welt", gebe Thumann die Präsidentschaft bei den Reitern auf.

Nicole Lange, AP / AP