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KARTELLAMT: Razzia bei 13 Versicherungen

Der Verdacht richtet sich auf Absprachen zu Prämienerhöhungen im industriellen Sach- und Haftpflichtgeschäft. Die Versicherer wiesen den Verdacht umgehend zurück.

In einer bundesweiten Razzia hat das Bundeskartellamt insgesamt 13 Versicherungen wegen des Verdachts auf verbotene Preisabsprachen durchsucht. Die Versicherer wiesen den Verdacht umgehend zurück. Den betroffenen Unternehmen drohen Bußgelder, falls der Verdacht sich doch bestätigt.

Alle wichtigen Versicherungn dabei

Das Kartellamt nannte die Namen der betroffen Versicherer nicht. Unter den zusammen mit Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten Unternehmen war nach ihren eigenen Angaben auch die Allianz in München. In Köln bestätigten die Versicherungskonzerne Gerling, Axa und Gothaer die Aktion, die auf Grund von Beschlüssen des Bonner Amtsgerichts erfolgte.

Nur Industrieversicherer betroffen

Versicherungen privater Haushalte wie etwa Lebens- oder Unfallversicherungen waren von dem Vorgehen nicht betroffen, erläuterte Kartellamtssprecher Stefan Siebert. Das bei den Durchsuchungen beschlagnahmte Material muss nun erst ausgewertet werden.

Branche leidet unter Wettbewerb

Der extreme Verdrängungswettbewerb der vergangenen Jahre in der Industrieversicherung hätte bei allen Unternehmen der Branche zu tiefroten Zahlen geführt, erklärte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Alle Industrieversicherer sahen sich Druck von Seiten des Kapitalmarkts sowie ihrer Aktionäre ausgesetzt. Daher stiegen die Prämien für industrielle Risiken in jüngster Zeit. Gegen den Verdacht von Absprachen spricht auch die internationale Ausrichtung des Geschäfts. Auch bei ausländischen Versicherern sind zur Zeit keine günstigeren Prämien erhältlich.

»Kartelle sind keine Kavaliersdelikte«

Kartellamtspräsident Ulf Böge betonte, die Behörde sei nicht bereit, Kartelle hinzunehmen. Sie schadeten den Verbrauchern und der Volkswirtschaft erheblich. »Kartelle sind keine Kavaliersdelikte.« Zuletzt kamen die Wettbewerbshüter verbotenen Preisabsprachen im Papiergroßhandel auf die Spur. Erst vor drei Wochen waren rund 30 Zementfirmen durchsucht worden, die im Verdacht stehen, Preis- und Quotenabsprachen getroffen zu haben. Das Kartellamt hatte im März eine eigene Sonderkommission Kartellbekämpfung (SKK) gebildet.

Aktion kam überraschend

Die Aktion sei für die Allianz überraschend gewesen, sagte ein Sprecher. Die Ermittler hatten sowohl die Geschäftsräume am Firmensitz in München als auch Büros in Stuttgart durchsucht. Die Allianz hatte die Preise für Industrieversicherungen nach den Terroranschlägen vom 11. September deutlich angehoben. Axa-Sprecher Ingo Koch wies den Verdacht auf illegale Preisabsprachen zurück. »Wir halten die Vorwürfe für unbegründet«, sagte auch Gerling-Sprecher Christoph Groffy. Nach dem »ruinösen« Geschäft aller Industrieversicherer ist es eine »ganz normale Entwicklung«, dass die Prämien angehoben werden.