Kaufhauskette Trotz Pleite Zuversicht bei Hertie-Führung


Eine Pleite, die sich abzeichnete: Die Warenhauskette Hertie hat Insolvenz angemeldet. Dieser Schritt war erwartet worden, nachdem der britische Mehrheitseigentümer selbst in finanzielle Schieflage geraten war. 4000 Jobs stehen auf dem Spiel - doch das Management sieht gute Chancen, möglichst viele Jobs zu erhalten.

Die Essener Warenhauskette Hertie hat Insolvenz angemeldet. Gespräche über einen finanziellen Umbau beziehungsweise die Zwischenfinanzierung des Unternehmens mit bundesweit 72 Warenhäusern und 4100 Mitarbeitern seien zuvor gescheitert, erklärte ein Konzernsprecher am Donnerstag in Essen. Bekanntlich sei die Lage beim britischen Haupteigentümer Dawnay Day "ebenfalls angespannt", teilte Hertie mit. Das Management habe "klare Vorstellungen". Ziel sei es, "den Geschäftsbetrieb im Interesse der Mitarbeiter der Kunden und der Gläubiger ohne Unterbrechung fortzuführen". Bei Hertie arbeiten 4100 Menschen.

Die Restrukturierung solle jetzt im gerichtlichen Insolvenzverfahren fortgesetzt werden, erklärte Hertie. Nun werde genau untersucht, wie rentabel die einzelnen Standorte seien. Außerdem soll unverzüglich die Finanzierung des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiter geklärt werden. Gemeinsam mit Belegschaft, Geschäftspartnern und dem Land Nordrhein-Westfalen glaube das Unternehmen an "eine realistische Chance für den größtmöglichen Erhalt der vielen Arbeitsplätze".

Lifestyle-Produkte sollen Geschäft beleben

Dazu soll nach den Vorstellungen des Hertie-Managements ein verändertes Sortiment beitragen. Künftig sollten vermehrt "attraktive Fashion- und Lifestyle-Produkte" angeboten, das "Konzept des Nachbarschaftskaufhauses neu belebt werden", erklärte Geschäftsführer Erik van Heuven. Wichtige Lieferanten hätten ihre Unterstützung zugesagt.

Zuletzt hatte sich auch die Landesregierung in Düsseldorf in den Überlebenskampf der Kaufhauskette eingeschaltet. Das Wirtschaftsministerium sei seit Tagen im Gespräch mit Hertie und werde den Konsolidierungsprozess konstruktiv begleiten, sagte ein Sprecher. Zu einem Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung", es werde über eine mögliche Bürgschaft des Landes beraten, machte er keine Angaben. Der "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" zufolge hatte Ministerin Christa Thoben (CDU) persönlich an Gesprächen über die Zukunft von Hertie teilgenommen.

Scharfe Kritik an Hauptinvestor Dawnay Day

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erhob schwere Vorwürfe gegen Hertie-Hauptinvestor Dawnay Day. "Die Vertreter von Dawnay Day sind in den Aufsichtsratssitzungen zwar dabei, aber sie haben sich nicht aktiv um eine Lösung der Probleme bei Hertie bemüht", sagte der Verdi-Unternehmensbetreuer und Hertie-Aufsichtsrat Johann Rösch der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

Hertie wurde 1994 von Karstadt - heute Arcandor - übernommen. Die heutige Warenhauskette Hertie entstand 2005 durch den Verkauf der damaligen Karstadt-Quelle-Tochter Karstadt Kompakt an die britischen Investoren Dawnay Day und Hilco. 2007 wurden die zwischenzeitlich in Karstadt umbenannten Kaufhäuser wieder auf den Traditionsnamen Hertie zurückgetauft.

AFP/Reuters Reuters

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