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Klimaschutz: Umdenken bei US-Firmen

Die Hurrikans "Katrina" und "Rita" haben die Diskussion um besseren Klimaschutz in den USA wieder angeheizt. So legen immer mehr US-Firmen ihre Emissionen offen oder reduzieren den Ausstoß. Und setzen damit die Regierung unter Druck.

Die Regierung in Washington stemmt sich zwar nach wie vor gegen Vorschriften zur Eindämmung klimaerwärmender Treibhausgase, doch tut sich an der Unternehmerfront Erstaunliches: immer mehr US-Firmen legen ihre Emissionen nicht nur offen und reduzieren den Ausstoß, sie fordern staatliche Regulierung. "Die Situation hat sich in fünf Jahren enorm geändert", sagt Andrew Aulisi vom "World Resources"-Umweltinstitut.

US-Regierung reagiert nicht erfreut

Nur wenige hängen diesen Wunsch an die große Glocke - aus gutem Grund. Umweltschutzorganisationen sagen unabhängig voneinander, die kennen Firmen, die von höchsten Regierungskreisen gedrängt wurden, in Sachen Klimaschutz nicht von der offiziellen Linie abzuweichen. "Firmen haben immer lange Wunschlisten, was sie vom Gesetzgeber wollen. Die Regierung hat tausend Wege, Firmen zu strafen", sagt einer. Furchtlos ist Paul Anderson, Chef des Stromerzeugers Duke Energy. "Der Zeitpunkt zum Handeln ist da", sagte er im Frühjahr und forderte offen eine Steuer auf Kohlendioxid-Emissionen.

"Die Firmen wollen gleiche Wettbewerbsbedingungen", sagt Peyton Fleming von Ceres, einem Netzwerk aus Investoren und Umweltschützern in Boston, das Emissionskontrollen durchsetzen will. Firmen, die in neue Technologien investieren, fürchteten Vorteile für Konkurrenten, die nichts tun. Stromerzeuger, die sich Preiserhöhungen genehmigen lassen müssen, könnten Investitionen über Preiserhöhungen nicht an Kunden weitergeben, wenn keine zwingenden Richtwerte vorliegen.

Freiwillige Reduktion bei Treibhausgasen

Die Firmen schreiten beim Klimaschutz jetzt voran. Der weltgrößte Konzern General Electric (GE) kündigte im Sommer eine Reduktion seiner Treibhausgasemissionen bis 2012 um ein Prozent an. Ohne den Aktionsplan wären die Emissionen in dem Zeitraum um 40 Prozent gestiegen. Bis 2010 will das Unternehmen 1,5 Milliarden Dollar in Wind- und Wasserenergie investieren. "Wir können warten, bis eine Krise uns zwingt zu handeln, oder wir können die harten Fragen jetzt stellen", schreibt der Ölkonzern Chevron in großen Zeitungsanzeigen. "Welche Rolle spielen erneuerbare und alternative Energien?"

"Den Firmenbossen ist klar geworden: die offizielle US-Haltung ist unhaltbar", sagt Aulisi. Präsident George W. Bush sagt, erzwungene Emissionsgrenzen hemmten Wirtschaftswachstum. Stimmt nicht, erwidern manche Firmen. "Durchdachte Richtlinien, die die Emissionswerte graduell und überschaubar reduzieren, können ohne größere Probleme für Unternehmen oder Wirtschaft durchgesetzt werden", gab der Stromerzeuger Cynergy in der Umfrage des Pew-Centers für Klimawandel zu Protokoll. Das Zentrum bringt Umweltschützer und progressive Unternehmer auf der Suche nach Lösungen zusammen. "Die Firmen, die investierten, um ihre Emissionen zu senken, haben mehr gespart als ausgegeben", sagt Truman Semans vom Pew-Center.

Religiöse Gruppen helfen nach

Gruppen wie Ceres und ICCR, in dem Investmentmanager religiöser Gruppen zusammenarbeiten, haben beim Umdenken gehörig nachgeholfen. Die im ICCR organisierten Manager verwalten mehr als 100 Milliarden Dollar. Die Portfolios der von Ceres zusammen gebrachten zwei Dutzend institutionellen Anleger aus den USA und Europa umfasst mehr als drei Billionen Dollar. "Wir fordern Firmen auf, finanzielle Risiken darzulegen, die ihre Treibhausgas-Emissionen eines Tages bedeuten können, und Lösungen zu entwickeln", sagt Leslie Lowe von ICCR. "Viel zu viele Unternehmen schauen nur auf den nächsten Quartalsbericht."

Ceres hat die drei größten Pensionsfonds mit mehr als 400 Millionen Dollar Investmentvermögen zur Unterstützung von ICCR mobilisiert. ICCR und Ceres formulieren Resolutionen für Aktionärsversammlungen, um Firmenbossen das Klimathema aufzuzwingen. Allein im vergangenen Jahr wurden in 19 Aktionärsversammlungen 30 Klimarelevante Resolutionen durchgedrückt, sagt Semans.

USA werden Emissionsgrenzen nicht vermeiden können

"Die smarteren Unternehmen tun lieber jetzt schon etwas, um sich schlau zu machen, damit sie, wenn die Regulierung kommt, bei den Entscheidungen mit am Tisch sitzen", sagt Semans. Dass sich die Bush-Regierung doch noch für Emissionsgrenzen erwärmt, halten die Experten für unwahrscheinlich. Doch Emissionsgrenzen seien in den USA nur eine Frage der Zeit. "Viele Unternehmer rechnen damit in den nächsten fünf Jahren", sagt Semans.

Christiane Oelrich/DPA / DPA
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