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Klon-Geschäft: Pferde bringen Geld, Katzen nicht

Wenn das Haustier stirbt, bricht für viele Besitzer eine Welt zusammen. Klonunternehmen versprachen sich davon ein gutes Geschäft, doch wirklich rentabel ist die Gentechnik momentan nur bei Pferden und prämiertem Zuchtvieh.

Von Elke Binder

Das Ende kam unerwartet. Erst vergangenes Jahr hatte das Unternehmen Genetic Savings & Clone aus der Nähe von San Francisco ein neues Labor in Madison im US-Bundesstaat Wisconsin eingeweiht. In dem rundum verglasten U-förmigen Bau sollten Besucher den Forschern bei der Arbeit zusehen können: beim Klonen ihrer Haustiere. Dazu wird es jetzt nicht mehr kommen. In einem Rundbrief an die Kunden kündigte das Unternehmen jetzt seine Schließung an.

Millionengelder in Klonforschung gesteckt

Erweist sich zehn Jahre nach der ersten Säugetierkopie, dem Schaf Dolly, das Klonen von Haus- und Nutztieren als wirtschaftlich unrentabel? Immerhin wurden in den letzten Jahren Millionengelder in die Forschung gesteckt und ein gutes Dutzend Säugetierarten geklont. "Mit dem richtigen Geschäftsplan könnte das Klonen von Vieh und Pferden durchaus ein rentables Unterfangen sein", sagt Mark Westhusin von der Texas A&M Universiy. Auch das gewinnbringende Klonen von Katzen sei möglich, gestalte sich aber schwieriger.

Westhusin hat 2001 mit über 3 Mio. $ Finanzierung von Genetic Savings & Clone die erste Katze weltweit geklont. Nach seiner Pionierarbeit konnte eine Handvoll Katzen vervielfältigt werden. Zwei davon waren Auftragsarbeit: 2004 wurde das Katzendouble Little Nicky an sein Frauchen überreicht, wenige Monate später schloss ein Geschäftsmann seine geklonte Siamkatze Little Gizmo in die Arme.

Little Nicky kostete 50.000 $, Little Gizmo noch 32.000. Ursache für die hohen Kosten ist die geringe Effizienz des Klonverfahrens: Westhusin hatte für die erste Klonkatze insgesamt 87 Embryonen in die Gebärmutter von Leihkatzen übertragen müssen, denn nicht alle nisteten sich ein, es kam zu frühen Aborten und Totgeburten.

Klonen bei Hunden besonders schwierig

Bei Hunden ist es noch schwieriger: Ursprünglich hatte der US-Milliardär John Sperling die Haustierklonfirma im Jahr 2000 in der Hoffnung gegründet, Missy, den Hund eines Freundes, reproduzieren zu können. Westhusin arbeitete jahrelang erfolglos daran. 2005 präsentierte der Koreaner Hwang Woo-suk der Weltöffentlichkeit den ersten geklonten Hund - der Einzige seiner Art. Die besondere Reproduktionsphysiologie mache das Klonen von Hunden extrem schwierig, so Westhusin.

Das sieht bei Nutztieren anders aus. Bei Kühen oder Schweinen, an denen viel geforscht worden sei, habe sich die Effizienz des Klonens in den letzten Jahren verdreifacht, sagt Michael West, Präsident des Biotech-Unternehmens Advanced Cell Technology (ACT) in Worcester, Massachusetts. ACT-Wissenschaftler hatten in den 90er-Jahren die ersten genetisch veränderten Kühe geklont und zudem Klontechniken an Genetic Savings & Clone lizenziert. Experten gehen bei Kühen von etwa 20 Lebendgeburten pro 100 übertragener Embryonen aus.

Exzellente Nutztiere zur Züchtung dank Klonen

Barbara Glenn, Leiterin der Abteilung Tier-Biotechnologie bei der Biotechnology Industry Organization (BIO) in Washington, erklärt den Nutzen: "Es sollen vor allem exzellente Bullen und Eber geklont werden, damit sie ihr hervorragendes Erbgut an eine große Zahl von Nachkommen weitergeben können." Ein geklonter Zuchtbulle kostet 20.000 $. Gut 300 davon grasen schon auf amerikanischen Weiden, neben 150 geklonten Milchkühen und etwa 100 Schweinen. Zurzeit können diese allerdings nur als Schautiere eingesetzt werden. Denn die US-amerikanische Food and Drug Administration hat Klone noch nicht zugelassen.

Rentieren könnte sich auch das Kopieren von Renn- und Sportpferden. Das italienisch-französische Unternehmen Cryozootech hat im Juni einer Kopie des deutschen Weltklassespringers ET auf die Welt geholfen. Ein weiteres Klonfohlen von Schimmel Calvaro musste allerdings jüngst nach einer Frühgeburt eingeschläfert werden, da es an einer infektiösen Arthritis litt.

Obwohl nur etwa drei von 100 übertragenen Embryonen in Lebendgeburten resultieren, scheint sich der Aufwand zu lohnen: 250.000 Euro soll ein Pferd kosten. Dem stehen mögliche Preisgelder in Millionenhöhe gegenüber.

FTD
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