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Kommentar: Rauschers Fehleinschätzung

Der Chef der deutschen Vattenfall-Tochter, der das Unternehmen aus den Regionalversorgern Bewag, HEW, Laubag und VEAG zusammengeschweißt hat, muss die Verantwortung für die desaströse Informationspolitik der vergangenen Wochen übernehmen. Sein Rücktritt ist folgerichtig.

Von Matthias Ruch

Nach den Unfällen von Krümmel und Brunsbüttel Ende Juni hat Klaus Rauscher die öffentliche Brisanz des Falles vollständig unterschätzt. Dass er offenbar geglaubt hatte, mit den Bauernopfern vom vergangenen Montag sein eigenes Amt retten zu können, zeigt einmal mehr, dass sich der 58-Jährige der Bedeutung der Vorgänge in der Öffentlichkeit nicht bewusst war. Bruno Thomauske, verantwortlich für die Atom-Sparte des Unternehmens, war sicher nicht mehr zu halten gewesen. Auch Konzernsprecher Johannes Altmeppen musste sein Amt aufgeben.

Nicht alleine verantwortlich

Für die Bundesregierung aber liegt vor allem die Verantwortung für die unvollständige und zögerliche Kommunikation bei Rauscher persönlich. Konzernchef Lars Josefsson, zugleich Energie-Berater der Bundeskanzlerin, hatte damit keine Wahl: Er musste Rauscher gehen lassen.

Für das Image-Desaster, das mittlerweile das Ansehen der gesamten Kernkraft-Branche in Europa schwer zurückgeworfen hat, ist aber nicht Rauscher allein verantwortlich. Umweltminister Sigmar Gabriel hatte das Thema in der nachrichtenschwachen Sommerzeit blitzschnell für sich entdeckt und geschickt zu einer politischen Kampagne gegen die Atomkraft ausgebaut. Umweltverbände und Politiker aus der zweiten Reihe haben ihren Teil dazu beigetragen - dass die Brände in Krümmel und Brunsbüttel in der Sache von einem ernsten Störfall noch weit entfernt waren, trat dabei in den Hintergrund.

Dass Vattenfall nicht nur das Image der ohnehin umstrittenen Atomkraft beschädigt, sondern auch die Bemühungen der Branche um die Übertragung von Restlaufzeiten auf ältere Anlagen belastet hat, sorgt bei den großen Versorgern Eon und RWE für Verärgerung. Ihre Aussichten, auch die alten Kraftwerke bis zum Regierungswechsel in Berlin am Netz zu halten, sind nun deutlich schlechter geworden.

FTD