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Konjunktur: Ein Gespenst geht um: Die Rezessionsangst

Eine Serie schlechter Wirtschaftsdaten, steigende Arbeitslosigkeit und zunehmende Staatsdefizite nähren in Deutschland die Angst vor einer neuen Rezession.

Eine Serie schlechter Wirtschaftsdaten, steigende Arbeitslosigkeit und zunehmende Staatsdefizite nähren in Deutschland die Angst vor einer neuen Rezession. "Konjunkturschwäche", "Stagnation" oder gar "Rezession" - bei der Definition der aktuellen Konjunkturlage schwirren die Begriffe inflationär in der öffentlichen Diskussion.

Streit um Begriffe

Die willkürliche Beschreibung hat zwei Ursachen: In der Sprache der Ökonomen existieren keine scharf abgegrenzten Begriffe für die verschiedenen Phasen des Konjunkturverlaufs. Zur Verwirrung trägt zusätzlich bei, dass in der ökonomischen Weltsprache Englisch dem Begriff "recession" eine andere Bedeutung zukommt als der deutschen "Rezession".

Unterschiedliche Bedeutungen

In der anglo-amerikanischen Konjunkturanalyse wird bereits von einer Rezession gesprochen, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in zwei aufeinander folgenden Quartalen - saison- und kalenderbereinigt - geringer ausfällt als in den jeweils vorangegangenen drei Monaten. Mit einem Rückgang von 0,03 im Schlussquartal 2002 und einem Minus von 0,2 Prozent im 1. Vierteljahr 2003 wäre dieses Kriterium zumindest den reinen Zahlen nach erfüllt.

Volkswirte beharren auf Jahresvergleich

Diese formale Betrachtung wird aber von vielen Konjunkturexperten hier zu Lande abgelehnt. Obwohl er bei einigen Volkswirten als "altmodisch" gilt, verweisen sie auf den klassischen Jahresvergleich. Danach wurde 2002 immerhin noch ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent erreicht, 2003 dürfte das BIP zumindest in ähnlicher Größenordnung zunehmen.

Vielleicht Erholung im 2. HJ

Mit einem Blick auf die schlechte Auslastung der Industriekapazitäten könne man allenfalls von einer "Mini-Rezession" sprechen, argumentiert der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Prof. Michael Heise. Zahlreiche Faktoren deuteten aber auf eine Erholung im 2. Halbjahr hin.

Ende des Irak-Krieges dürfte Schub geben

So argumentiert auch die Europäische Zentralbank (EZB), die angesichts des beendeten Irak-Krieges mit einer weltweit wachsenden Nachfrage rechnet und zudem die niedrigen Zinsen und die sinkende Inflation im Euroland als Positivfaktoren anführt.

Lähmende Stagnation

Auf alle Fälle befindet sich die deutsche Volkswirtschaft aber in einer schon sehr langen Phase lähmender Stagnation. Nach real 0,6 Prozent 2001, 0,2 Prozent 2002 und einem sehr bescheidenen BIP- Wachstum in diesem Jahr gibt es zwar noch ein «etwas mehr».

Schrecken ohne ende

Das kleine Plus hat den Begriff "Wirtschaftswachstum" aber kaum noch verdient. Eine solch lange Stagnationsphase kann für die Stimmung der Konsumenten und Manager aber genauso lähmend wirken wie ein scharfer aber kurzer Einbruch mit der Hoffnung auf einen baldigen Aufschwung, mahnt der Chefvolkswirt der Frankfurter Deka-Bank, Prof. Michael Hüther