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Konjunktur: Fachleute feiern Export-Comeback

Vom "Comeback des Außenhandels" bis zum "starken Signal" - die Experten reagierten fast durchweg positiv auf den Anstieg der deutschen Ausfuhren im Juni. Mag der Vergleich mit 2008 immer noch schlecht ausfallen: Die Hoffnung auf ein Ende der Krise wächst.

Die neuen Zahlen zum deutschen Export machen Experten Hoffnung auf ein Ende der Wirtschaftskrise. Andreas Rees, Chefvolkswirt bei Unicredit-Research, sprach von einem regelrechten "Comeback" des deutschen Außenhandels. Rees betonte, die steigenden Auslandsaufträge ließen zudem darauf schließen, dass es in den kommenden Monaten mit dem Außenhandel weiter aufwärts gehe. Sein Kollege Jürgen Michels von der Citigroup jubelte: "Das ist ein starkes Signal vom Export nach den Enttäuschungen der Vergangenheit." DIHK-Außenhandelschef Axel Nitschke sieht den Patienten Export immerhin "runter von der Intensivstation".

Die Ausfuhren waren im Juni mit 7,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat so stark gestiegen wie seit knapp drei Jahren nicht mehr. Experten hatten lediglich mit einem Plus von 1,1 Prozent gerechnet. Auch die Aussichten sind gut, nachdem die exportabhängige Industrie zuletzt mit 8,3 Prozent einen sprunghaften Anstieg der Auslandsaufträge gemeldet hatte. Wie stark der Exportweltmeister trotz des Aufwärtstrends noch immer unter der globalen Rezession leidet, zeigt allerdings der Vergleich mit dem Vorjahr: Insgesamt wurden Waren im Wert von 68,5 Milliarden Euro exportiert - das waren 22,3 Prozent weniger als im Juni 2008.

Bei allem Optimismus gegen die Experten daher zu bedenken, dass das absolute Niveau noch immer niedrig ist. DIHK-Mann Nitschke: "Die Krise hat uns um drei Jahre zurückgeworfen." Das Ausfuhrvolumen liege derzeit etwa auf dem Niveau von 2005/2006. Ähnlich äußerte sich Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB). Die weltweite Wirtschaft habe ihren freien Fall beendet. Dennoch ginge die Wirtschaftsleistung immer noch zurück, sagte Trichet am Freitag dem französischen Radiosender RTL und warnte: "Wir sollten uns vor allzu hohem Optimismus hüten."

Immerhin, so Nitschke: "Wir sehen jetzt eine schrittweise Erholung." Diese schreite vor allem in den Euro-Ländern voran, dem mit Abstand wichtigsten Auslandsmarkt der deutschen Unternehmen. Hier hatte es zu Jahresbeginn die stärksten Einbrüche gegeben. "Die Schockstarre löst sich nun", sagte der Außenhandelsfachmann. "Die leeren Lager werden wieder gefüllt." Auch in den aufstrebenden Schwellenländern China, Indien und Brasilien steige die Nachfrage.

Schon am Vortag hatte es hoffnungsvolle Zahlen gegeben. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte bekannt gegeben, dass der Auftragseingang in der Industrie im Juni mit 4,5 Prozent so stark stieg wie zuletzt vor fast zwei Jahren. Allerdings liegen die Aufträge damit immer noch gut 25 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sprach dennoch von einem breiter werdenden Hoffnungsschimmer.

Der Jahresausblick für den Export fällt dennoch nicht unbedingt optimal aus: Der Exportverband BGA erwartet für 2009 einen Umsatzrückgang von etwa 18 Prozent. Es wäre das erste Minus seit 1993 und das größte seit Bestehen der Bundesrepublik. Für 2010 aber rechnet BGA-Präsident Anton Börner wieder mit einem Wachstum von fünf bis zehn Prozent.

AP/Reuters/ben / AP / Reuters