Konjunktur ZEW-Barometer steigt deutlich


Das Konjunkturbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung hat sich im August überraschend deutlich aufgehellt. Die befragten Finanzmarktexperten gehen von einer robusten Konjunktur aus. Anders sieht die Lage dagegen für Deutschland aus.

Überraschender Lichtblick am düsteren Konjunkturhimmel: Wegen des sinkenden Ölpreises haben Finanzexperten erstmals seit März die Aussichten für die deutsche Wirtschaft wieder positiver beurteilt. Der ZEW-Index verbesserte sich im August um 8,4 Punkte auf minus 55,5 Punkte. Der Zuwachs fiel damit stärker aus als erwartet.

Fallender Ölpreis mildert Sorgen

Der Index liegt aber weiterhin deutlich unter seinem historischen Mittelwert von 28,3 Punkten, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte. Die Verbesserung signalisiere, dass sich die Befürchtungen der Finanzmarktexperten über die konjunkturelle Abschwächung in Grenzen hielten, erklärte das ZEW.

Der jüngste Rückgang des Ölpreises sowie die Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar dürften die Sorgen um die Konjunktur gemildert haben. Im Juli war der Index mit minus 63,9 Punkten noch auf den tiefsten Stand seit gut 16 Jahren gestürzt. "Die Finanzmarktexperten haben sich von der negativen Zuwachsrate im zweiten Quartal zur Recht nicht sonderlich beeindrucken lassen. Ingesamt gehen sie von einer zwar schwächeren, aber alles in allem robusten Konjunkturentwicklung aus und befürchten naheliegenderweise keine Rezession", erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Nach dem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes im zweiten Quartal um 0,5 Prozent verschlechterte sich allerdings die Bewertung der aktuellen Konjunkturlage deutlich. Der entsprechende Indikator sank um 26,2 Punkte auf minus 9,2 Punkte. Ähnlich war das Bild für den Euro-Raum. Die Konjunkturerwartungen verbesserten sich um 8,0 Punkte auf minus 55,7 Punkte. Die Beurteilung der aktuellen Lage verschlechterte sich hingegen deutlich um 18,9 Punkte auf minus 22,2 Punkte. Das ZEW befragte 297 Analysten und institutionelle Anleger.

Erster Hoffnungsschimmer

Volkswirte bezeichneten die Daten als ersten Hoffnungsschimmer, für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh. Der jüngste Rückgang des Euro-Kurses und der Rohstoffpreise gebe ersten Anlass zur Hoffnung. "Ob sie eine (technische) Rezession in Deutschland noch verhindern können, bleibt aber fraglich", erklärte die NordLB. Für eine Trendwende nach oben sei es noch zu früh, meinten auch die Experten der Commerzbank.

Auch wenn Deutschland relativ zu anderen Ländern bei wichtigen Konjunkturdaten besser abschneide, könne sich die deutsche Wirtschaft wegen der hohen Exportabhängigkeit einer negativen Entwicklung wichtigster Handelspartner nicht entziehen. "Ein Nachlassen der Belastungen von Ölpreis- und Euroanstieg dürfte allein nicht ausreichen, um einen neuen Aufschwung zu starten". Notwendig sei dafür vielmehr eine Zinssenkung im Euro-Raum. Unicredit erklärte, zwar deute der Anstieg der Konjunkturerwartungen daraufhin, dass das Schlimmste für die deutsche Wirtschaft in sechs Monaten vorbei sein könnte. Es sei aber klar, dass ein deutlich schwächeres Wachstum bevorstehe.

AP AP

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