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Konjunkturerwartungen: Berlin befürchtet fünf Prozent Minus

Offiziell erwartet die Bunderegierung für 2009 noch ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 2,25 Prozent. Hinter den Kulissen aber rechnet die Politik nach Informationen der "Financial Times Deutschland" inzwischen mit einem Minus von bis zu fünf Prozent - Ökonomen werden für solch eine finstere Zahl vom Finanzminister derzeit noch getadelt.

Die Bundesregierung stellt sich auf einen deutlich dramatischeren Konjunktureinbruch ein als bislang vermutet. Nach FTD-Informationen kommen interne Berechnungen der Regierung für dieses Jahr inzwischen auf ein Minus von bis zu fünf Prozent. Offiziell gilt noch die Prognose aus dem Januar. Darin hatte die Regierung für 2009 noch einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,25 Prozent vorhergesagt. Die neue Konjunkturprognose soll Ende April vorgelegt werden.

Hauptgrund für die Korrektur ist der unerwartete Einbruch bei den Exporten. Bisher hatte die Regierung bei ihrer Wachstumsprognose unterstellt, dass sich die Konjunktur im dritten Quartal fängt und im vierten Quartal 2009 schon wieder leicht wächst. Dieses Szenario gilt aber mehr und mehr als unwahrscheinlich.

Nach Berechnungen der Dekabank würde ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um fünf Prozent eine Defizitquote von minus 4,2 Prozent in diesem Jahr zur Folge haben. Damit würde Deutschland die europäische Defizitobergrenze bei weitem übersteigen.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte bereits, es sei möglich, dass die Rezession in Deutschland schärfer ausfallen könnte als bisher erwartet. Derzeit könne niemand sagen, "wie tief es runter geht", zitierte die "Süddeutschen Zeitung" den Politiker.

Das Münchner Ifo-Institut erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2009 um mehr als vier Prozent schrumpfen wird. Bisher waren die Forscher nur von einem Minus von 2,2 Prozent ausgegangen. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn rechnet mit einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosenzahl.

Auch andere Wirtschaftsforscher sind pessimistischer als die Regierung. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle rechnet mit einem BIP-Rückgang von 4,8 Prozent. Andere Forschungsstellen wie das Institut für Weltwirtschaft in Kiel erwarten ein Minus von 3,7 Prozent. In der kommenden Woche legen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihr Frühjahrsgutachten vor.

Steinbrück übte scharfe Kritik an Ökonomen wie Norbert Walter von der Deutschen Bank, die ihre Negativprognosen immer weiter senkten. "Der Chef-Volkswirt der Deutschen Bank hat seine Prognose jetzt schon auf minus fünf Prozent verschlechtert, und es wird nicht lange dauern, da ist er über Fünf hinaus. Ich halte so eine Vorgehensweise für verantwortungslos", sagte Steinbrück. "Das ist der Versuch, mit immer schlechteren Nachrichten Aufmerksamkeit zu erheischen."

FTD