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Konjunkturprognosen: Wirtschaftsforscher befürchten Rezession

Steht Deutschland unmittelbar vor einer Rezession? Das befürchtet zumindest das renommierte Kieler Institut für Weltwirtschaft. Die Kollegen vom Hamburger HWWI senken ihre Wachstumsprognose.

Die deutsche Wirtschaft steht nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten am Rande einer Rezession. Dies ist vor allem die Einschätzung des Kieler IfW-Instituts. Die Konjunktur befinde sich am Beginn einer Schwächephase, teilte das Institut am Dienstag mit. "Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass die Wirtschaft in eine Rezession gerät." Dies sei zwar derzeit nicht zu erwarten. "Wir halten es dennoch für wahrscheinlich, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion vorübergehend leicht sinkt." Auch das Hamburgische Weltwirtschafts-Institut (HWWI) zeigt sich pessimistisch und sagt voraus, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland deutlich nachlassen wird. Beide Institute betonen in ihren Konjunkturanalysen, dass es noch deutlich schlechter werden könne. Die größte Bedrohung seien die überbordenden Schulden der USA und einiger Staaten im Euroraum. Die Politik sei gefordert, Lösungen zu finden.

Wegen der Konjunkturschwäche bei den Handelspartnern dürften der Exportschwung nachlassen und die Investitionen der Firmen deutlich langsamer steigen als zuvor, urteilt das IfW. Für 2011 senkte das Institut seine Wachstumsprognose von 3,6 auf 2,8 Prozent. Für 2012 halbierten die Forscher ihre Schätzung auf schmale 0,8 Prozent. Der Arbeitsmarkt werde aber trotz der konjunkturellen Schwächephase weiterhin robust bleiben, so dass die Beschäftigung bis ins kommende Jahr hinein steigen dürfte.

Binnenwirtschaft läuft noch gut

Die HWWI-Experten vertreten etwas bessere Zahlen als ihre Kollegen vom IfW, sind aber ebenfalls pessimistisch was die Gesamtentwicklung angeht. Die heimische Wirtschaft werde im laufenden Jahr um 3,0 und im nächsten Jahr um 1,2 Prozent zulegen. Bisher hatten die Forscher einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 3,5 in diesem und 2,2 Prozent im nächsten Jahr veranschlagt. Schuld daran seien vor allem weltweite Konjunkturrisiken. Immerhin: Die deutsche Wirtschaft stehe wegen des guten binnenwirtschaftlichen Umfelds noch vergleichsweise gut da. "Die globalen Risiken für eine ungünstigere Entwicklung sind allerdings nach wie vor erheblich", betont das HWWI.

Als Risiken für die globale Konjunktur nannten die Forscher die europäische und amerikanische Schuldenkrise, Rezessionsängste in den USA, Inflationsdruck in den Schwellenländern und politische Unruhen in Nahost. "Die weltweiten Turbulenzen an den Börsen sind Ausdruck dessen und drohen über Vertrauens- und Vermögenseffekte auf die Realwirtschaft überzugreifen." Zudem seien die wirtschaftspolitischen Handlungsspielräume gering. "Nun erzwingen die Schuldenprobleme in einigen Ländern Sparprogramme, die wiederum die Konjunktur dämpfen."

Arbeitslosenzahl sinkt noch leicht

Dies dürfte dazu führen, dass die deutschen Exporte weniger stark wachsen. Das werde Ende 2011 und 2012 die heimische Konjunktur belasten und sich erst im Außenhandel und dann in der Binnenwirtschaft auswirken. Die Zahl Arbeitslosen werde 2012 nur noch leicht sinken: von 2,98 auf 2,92 Millionen. Da die Firmen weniger Spielraum für Preiserhöhungen hätten und sich Energie nicht mehr so stark verteuere, dürfte immerhin die Inflation laut HWWI sinken. Für das nächste Jahr erwarten die Forscher einen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,7 Prozent, nach 2,2 Prozent für 2011.

Wie zur Bestätigung der Einschätzung der Forscher herrschte an den europäischen Börsen wegen der Unsicherheit über den Ausgang der europäischen Schuldenkrise Nervosität. Nach einer freundlichen Eröffnung drehte der Dax ins Minus und unterschritt am zweiten Tag in Folge mit 4969 Punkten zeitweise die 5000-Punkte-Marke. "Die Nervosität ist riesengroß und der Handel sehr volatil", sagte ein Händler in Frankfurt.

dho/Reuters/DPA / DPA / Reuters
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