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Konsolidierung: Middelhoff schließt Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof nicht aus

Arcandor-Chef Thomas Middelhoff erwartet eine weitere Konsolidierung der Kaufhausbranche. In einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern sagte er: "Richtig ist, dass es im europäischen Ausland in der Regel nur noch einen großen Warenhausanbieter gibt."

Konkret auf einen möglichen Zusammenschluss der Kaufhaussparten von Arcandor und Metro, Karstadt und Kaufhof angesprochen, antwortete Middelhoff: "Dazu kann, will und darf ich nichts sagen." Zu der Befürchtung, die Angestellten der beiden Ketten müssten dann um ihre Jobs bangen, sagte Middelhoff: "Sie würden in einem solchen Szenario keine Hauptopfer, sondern im Gegenteil Hauptgewinner sein."

Middelhoff kündigte im stern-Interview an, das deutsche Warenhaus zu "revitalisieren". Er sehe die Zukunft von Karstadt nicht in einem "billigen SB-Laden", sondern als "Ort mit vielen Markenprodukten, Artikeln in Top-Qualität und gutem Service". Middelhoff sagt: "Wir sind auf dem Weg nach oben, zum Premiumanbieter."

"Verdi schadet mehr sich selbst"

Einem drohenden Streik im Einzelhandel wegen der Kürzung von Wochenend- und Nachtarbeitszulagen für die Verkäuferinnen und Verkäufer sieht Middelhoff gelassen entgegen: "Wir haben vor zwei Wochen 3000 zusätzliche Aushilfen eingestellt, die wir im Weihnachtsgeschäft einsetzen - ganz egal ob gestreikt wird oder nicht." Allerdings hält er, gerade bei den Berufstätigen, die für Weihnachtseinkäufe nur wenig Zeit haben, das Verständnis für solche Aktionen für gering. "Ich glaube, Verdi schadet mehr sich selbst."

Unabhängig von den laufenden Tarifverhandlungen will Middelhoff im nächsten Jahr für seine Mitarbeiter Wertkonten einrichten. Das sollen Arbeitszeitkonten sein, "die gute Zinsen und Steuervorteile bringen. Zum Start zahlen wir eine Prämie darauf ein, als Dankeschön für die Einbußen während der Sanierung."

Vorwurf der Kirchen unzulässig

Die Beschwerden der Kirchen, dass der Handel auch an den Adventssonntagen seine Kaufhäuser öffne, bereiten dem gläubigen Katholiken kein schlechtes Gewissen. Heute sei die Arbeitswelt so flexibel, dass man sich auch an anderen Tagen Zeit für Muße und Gebet nehmen könne: "Ich kann mir auch vorstellen, am Montag in die Kirche zu gehen."

Middelhoff gab zu, dass ihm Kirchenvertreter und Mitarbeiter vorgeworfen hätten, dass er "ein schlechter Katholik" sei: "Das finde ich aber unzulässig." Middelhoff sagte: "Bei mir ist es so, dass ich mir, egal wie, morgens und abends Zeit für ein Gebet nehme. Und wenn es geht, auch vor dem Mittagessen."

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