Konzern-Vorstände Auf der Suche nach Frau Ackermann


Deutschland hat eine Kanzlerin und vier Ministerinnen - in den Topetagen der Wirtschaft hingegen muss man Frauen lange suchen. Warum ist das so? Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat eine Studie vorgelegt.
Von Vytene Stasaityte

Eine Frau im Kreise der Bosse: Das ist in Deutschland immer eine Schlagzeile wert. "SAP beruft Frau in Vorstand", titelten Mitte April die Wirtschaftsmedien. Das zeigt bereits, wie es um die Vertretung des weiblichen Geschlechts in der Spitzenwirtschaft bestellt ist - miserabel. Wäre die Berufung von Frauen normal, wäre die Neubesetzung des SAP-Postens womöglich gar keine Nachricht wert gewesen. Oder sie hätte zumindest eine andere Überschrift getragen. Nämlich diese: "Angelika Dammann in SAP-Vorstand berufen".

Tatsächlich liegt der Anteil von Frauen in den Vorständen der Top-100-Konzernen unter einem Prozent. Das stellten die Wissenschaftler des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer Studie fest, die diese Woche in Berlin vorgestellt wurde. Die Einladung zur Pressekonferenz trug den launigen Titel: "Wann kommt Frau Ackermann?" Und die Antwort war: Tja, es gibt sie. Aber nur als Gattin von Josef Ackermann, dem Chef der Deutschen Bank.

Kaum Rollenvorbilder für Frauen

Angesichts dessen, dass die Politik immer lauter dafür plädiert, mehr Frauen in unternehmerische Führungspositionen zu bringen, sind die Zahlen sogar blamabel. 2009 gab es in den Top-100-Konzenern gerade mal vier weibliche Vorstände. In der Finanzwirtschaft, also bei den 100 wichtigsten Banken und Sparkassen, sah es etwas besser aus - hier sind es elf Frauen. In den Aufsichtsräten sind Frauen stärker vertreten, aber auch hier ist die Gesamtsumme marginal. Ihr Anteil in diesen Gremien bei den Top-100-Konzernen (ohne Finanzwirtschaft) liegt bei 2,6 Prozent.

Wie kann das sein? "Heute sind Frauen zum ersten Mal in der Geschichte genauso gebildet wie Männer", sagt die federführende DIW-Wissenschaftlerin Elke Holst, "ihr Aufstieg in Spitzenpositionen steht jedoch aus. Fast alle der Top-Führungskräfte sind Männer. Dadurch haben auch Männer nachfolgender Generationen eine große Bandbreite von Rollenvorbildern, denen sie nacheifern können. Bei Frauen gibt es nur ausgewählte, ganz besondere Frauen, die genau beobachtet werden. In den Club der Spitzenkräfte vorzudringen ist für Frauen sehr viel schwerer als für Männer, weil sie hier Außenseiterinnen sind."

Deutschland bekommt Fachkräfteproblem

Die immer wieder hervor gekramte Ansicht, dass sich Frauen selbst im Weg stünden, weil sie zu wenig Selbstbewusstsein hätten, lässt Holst nicht gelten. Für sie ist dies ein Klischee. Ebenso wie das Klischee, dass die Begriffe "Männer" und "Führung" eine natürliche Entsprechung hätten. Holst wies bei der Vorstellung der Studie auch darauf hin, dass Deutschland auf einen Fachkräftemangel zuläuft - und insofern gar keine andere Chance habe, als die Arbeitskraft von Frauen zu aktivieren.

Die Vereinbarung, die Unternehmen und Bundesregierung 2001 schlossen, die Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft zu erhöhen, betrachtet Holst als gescheitert. Sie plädiert nun für eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft, den Anteil von Frauen in Top-Positionen zu erhöhen. Sprich: Das DIW will eine Quote. Wo sie bereits eingeführt ist, wie zum Beispiel in Norwegen, sieht die Lage nämlich schon ganz anders aus. Dort haben zumindest die Aufsichtsräte einen Frauenanteil von über 40 Prozent.

Eine, die es geschafft hat, ist Gabriele Thöne, kaufmännischer Vorstand der Zoologischer Garten Berlin AG, sagte bei der Studien-Präsentation: "Frau Ackermann kommt, aber die Tür klemmt. Das Öl dafür ist die Quote."

Mitarbeit: lk

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