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Gehaltsstudie: Frauen geben sich mit weniger Geld zufrieden

In Deutschland verdienen Frauen rund 20 Prozent weniger als Männer. Einen Grund dafür liefert nun eine groß angelegte Studie des DIW: Danach sind Frauen nicht nur mit weniger Gehalt zufrieden als Männer - sie empfinden die geringere Entlohnung auch noch als gerecht.

Frauen sind bei Gehaltsverhandlungen oft zu zurückhaltend

Frauen sind bei Gehaltsverhandlungen oft zu zurückhaltend

Zwei neue Gehaltsstudien bieten reichlich Zündstoff für eine hochsommerliche Geschlechterdebatte: Danach geben sich Frauen mit weniger Lohn und Gehalt zufrieden als Männer. Gefragt, was sie als gerechten Lohn für ihre Arbeit empfinden würden, gaben Frauen Summen an, die rund ein Viertel niedriger lagen als bei Männern. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor, die für alle Einkommensschichten und Branchen einbezieht. "Das Einkommen, das Frauen für sich als gerecht ansehen, liegt sogar unter dem Einkommen, das die Männer real erzielen", sagte DIW-Forscher Jürgen Schupp der "Süddeutschen Zeitung".

"Die Ansprüche der Frauen sind geringer"

Frauen wie Männer passten ihre Forderungen in Gehaltsverhandlungen entsprechend ihren Erwartungen an, heißt es in der Studie. Dieser Mechanismus trage dazu bei, dass trotz eines gesetzlich verankerten Diskriminierungsverbots in Deutschland weiterhin Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern existierten. Demnach verdienen Frauen hierzulande im Schnitt 16 bis 20 Prozent weniger als ihre gleich gut qualifizierten männlichen Kollegen.

"Die Ansprüche der Frauen an ihr Einkommen sind geringer als die der Männer", schreiben die Verfasser der DIW-Studie. Dies erkläre sich dadurch, dass Vorstellungen über ein gerechtes Gehalt vor allem durch Vergleiche mit Menschen mit ähnlichen Merkmalen und in vergleichbaren Lebenslagen entstünden.

Frauen verglichen sich in erster Linie mit anderen Frauen. Da diese häufig in sogenannten Frauenberufen mit niedrigerem Lohnniveau arbeiteten, richteten auch andere Frauen ihre eigenen Einkommenserwartungen daran aus und stellten deshalb etwa in Gehaltsverhandlungen niedrigere Forderungen als Männer es tun würden. Verringert werden könne das Problem am ehesten durch mehr Transparenz bei der öffentlichen Darstellung der Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen. Wenn diese sichtbarer seien, sei auch zu erwarten, dass Frauen höhere Löhne forderten.

Arzt versus Ärztin

Die Studie basiert auf Daten des sogenannten sozio-ökonomischen Panels (SOEP), einer jährlichen Befragung des DIW von mehr als 10.000 Haushalten in Deutschland. Dabei werden seit 2005 auch die Gerechtigkeitsvorstellungen der Teilnehmer erfasst. Die nun vorlegten Angaben zur Einkommenszufriedenheit von Frauen beziehen sich dabei auf die SOEP-Befragung aus dem vergangenen Jahr.

In einer zweiten Untersuchung beurteilten Befragte die Einkommen fiktiver Personen. Auch hier waren weibliche wie männliche Teilnehmer der Meinung, dass Frauen weniger verdienen sollten als gleichqualifizierte Männer. Einem Arzt, 55 Jahre alt, überdurchschnittlich engagiert, sprachen die Befragten dem Zeitungsbericht nach ein monatliches Gehalt von 7.750 Euro zu. Wird aus dem Arzt eine Ärztin in identischer Lebenssituation, hielten die Teilnehmer den Angaben zufolge dagegen im Schnitt nur 7.300 Euro für gerecht.

APN/AFP/be
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