HOME

Pilotprojekt für Bewerbungen: Anonym zum neuen Job

Wer einen ausländischen Namen hat, Älter als 50 oder Mutter von Kleinkindern ist, fühlt sich auf dem Arbeitsmarkt oft benachteiligt. Im Herbst startet ein Pilotprojekt, bei dem sich Menschen anonym um ausgeschriebene Stellen bewerben können.

Berufschancen auch im Alter: Das Pilotprojekt soll Aufschluss geben, ob anonymisierte Bewerbungen für Gleichberechtigung sorgen

Berufschancen auch im Alter: Das Pilotprojekt soll Aufschluss geben, ob anonymisierte Bewerbungen für Gleichberechtigung sorgen

Lebenslauf ohne Name, Alter und Foto: In einem Pilotprojekt testen fünf Unternehmen und das Familienministerium ab kommenden Herbst anonymisierte Bewerbungsverfahren. Nur die Qualifikation soll darüber entscheiden, wer zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird. Die Bewerbung soll kein Foto und keinen Namen enthalten und auch auf Angaben über Alter, Geschlecht, Familienstand und Herkunft verzichten. Damit sollen Vorurteile oder Vorlieben der Personalchefs keine Rolle mehr spielen.

Der einjährige Test soll wissenschaftlich ausgewertet werden, wie die Antidiskriminierungsstelle des Bundes am Dienstag in Berlin mitteilte. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hatte kritisiert, die Pläne seien schwer umsetzbar - sie erhöhten die Bürokratie. Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders, sagte dagegen, die Verfahren hätten sich in anderen Ländern bewährt.

Nach Angaben von Lüders klagten beispielsweise Frauen, dass sie mehr Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch hätten, wenn sie die Kinder in der Bewerbung nicht erwähnten. Auch ältere Menschen beschwerten sich immer wieder, dass sie keine Einladung erhielten, obwohl sie für die ausgeschriebene Stelle die verlangten Qualifikationen vorweisen könnten. Und ein Ingenieur mit arabischem Nachnamen und erfolgreich abgeschlossenem Zweitstudium in Deutschland berichtete, seine Bewerbungen seien zum Teil innerhalb eines Tages abgelehnt worden. Wenn er sich nach einer Absage unter anderem Namen nach der Stelle erkundigt habe, sei sie stets noch frei gewesen.

Zur Kritik der Arbeitgeber befragt, sagte Lüders: "Ich glaube, dass alles, was neu ist, erst einmal erschreckt." Sie trat Befürchtungen entgegen, dass es einen Zwang zu anonymisierten Verfahren geben könnte: "Bei unserer Initiative setzen wir auf Überzeugung und Freiwilligkeit." Der Pilotversuch solle zeigen, ob anonyme Bewerbungen Probleme bereiten und ob sie Menschen, die sich benachteiligt fühlen, mehr Chancen bringen. In anderen Ländern liefen die Ausschreibungen meistens über das Internet. Die Bewerbungsmaske im Netz zu ändern, sei kein großer Arbeit, meinte Lüders.

mre/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel