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Löhne und Gehälter: Die Frau, das unterbezahlte Wesen

Für gleiche Arbeit erhalten Frauen im Schnitt acht Prozent weniger als Männer, insgesamt sogar 23 Prozent weniger. Woran liegt das?

Von Peter Neitzsch

Frauen arbeiten oft in Berufen, die schlechter bezahlt sind, und in Teilzeit. Daran hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert

Frauen arbeiten oft in Berufen, die schlechter bezahlt sind, und in Teilzeit. Daran hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert

Gleicher Job, gleiche Qualifikation, gleiche Leistung - trotzdem verdienen Frauen auch heute noch weniger als ihre männlichen Kollegen. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts sind so ernüchternd wie jedes Jahr: Selbst bei vergleichbarer Tätigkeit und Ausbildung beträgt der Abstand zwischen Männern und Frauen beim Bruttolohn im Schnitt acht Prozent.

Betrachtet man die gesamte Verdienststruktur - also die Löhne und Gehälter aller Arbeitnehmer egal in welchem Job - fällt der Unterschied noch krasser aus: 2011 haben Frauen in diesem Fall sogar 23 Prozent weniger verdient als Männer. Die Gründe für diese Verdienstlücke sind ebenso bekannt wie langlebig: Frauen bekommen nicht nur für gleiche Arbeit weniger, sie arbeiten auch oft in Berufen, die geringer entlohnt werden, und in Branchen, die schlechter zahlen.

"Arbeitnehmerinnen gehen eher Tätigkeiten nach, die mit tendenziell geringeren Verdienstmöglichkeiten und Anforderungen verbunden sind", sagt Walter Joachimiak, der sich beim Statistischen Bundesamt um die Gehaltsunterschiede kümmert. Außerdem würden Frauen seltener Führungspositionen bekleiden und der Familie zuliebe häufiger in Teilzeitjobs arbeiten. Zusammen mit anderen Faktoren, wie einem niedrigeren Dienstalter würde das rund zwei Drittel des Verdienstunterschieds erklären.

Ein Drittel des Lohngefälles liegt am Geschlecht

Das restliche Drittel des Lohngefälles sei auf das Geschlecht zurückzuführen, sagen die Statistiker. Dieser Unterschied bei der Bezahlung selbst bei gleicher Tätigkeit stagniert seit Jahren bei acht Prozent. "Zu den Ursachen für diesen sogenannten Gender-pay-gap haben wir keine Daten", sagt Joachimiak. "Das muss die gesellschaftliche Debatte klären."

Christel Riedel, die sich als Projektleiterin des "Equal Pay Days" für die Gleichbezahlung von Männern und Frauen engagiert, erklärt die Acht-Prozent-Lücke so: "Es gibt starke Hinweise darauf, dass da einfach diskriminiert wird." Das Argument, dass sich Frauen bei Gehaltsverhandlungen mitunter mit weniger zufrieden geben als ihre männlichen Kollegen, mag Riedel nicht gelten lassen: "Wir haben den Rechtsgrundsatz: 'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit'", sagt die Juristin. Der sei im Zweifel auch vor Gericht einklagbar.

Beim Aktionstag am 23. März wollen sich Riedel und ihre Mitstreiterinnen daher vor allem um die anderen Ursachen der Ungleichbezahlung kümmern. "Wir konzentrieren uns aktuell auf die Tarifverträge", sagt Riedel. In vielen traditionellen Frauenbranchen wie der Pflege werde Schwerstarbeit nicht angemessen entlohnt. Auch müssten sich die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ändern. "Wir benötigen dringend mehr und bessere Angebote für die Kinderbetreuung."

Selbst bei Führungskräften sind die Unterschiede groß

In das Bild passt auch eine Studie, die vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) diese Woche veröffentlicht wurde: Selbst Frauen in Führungspositionen bekommen rund ein Fünftel weniger als männliche Chefs. Der Gehaltsunterschied macht mehr als 1000 Euro im Monat aus. "Die sehr gut bezahlten Führungspositionen sind überwiegend mit Männern besetzt", sagt DIW-Expertin Elke Holst. Frauen mit Führungsverantwortung kommen demnach im Mittel auf rund 3860 Euro monatlich. Männer würden dagegen rund 4900 Euro erhalten.

Dass es auch anders geht, zeigen ausgerechnet die neuen Bundesländer: Während das Lohngefälle in Westdeutschland bei 25 Prozent liegt, erhalten Frauen im Osten nur sechs Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. "Im Osten ist die Dominanz von Männern in Führungspositionen weniger stark ausgeprägt", sagt Arbeitsmarktexperte Joachimiak.

Von Peter Neitzsch (mit Agenturen)
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