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Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau: Die Lücke hat System

Von Gleichheit keine Spur: Weil Frauen häufig in schlecht bezahlten Berufen arbeiten oder nur in Teilzeit tätig sind, bekommen sie knapp ein Viertel weniger als Männer. Ein Aktionsbündnis will das ändern und ruft am "Equal Pay Day" zu Protesten auf.

Von Björn Erichsen

Rund 4000 Unterschriften hat das Aktionsbündnis zum „Equal Pay Day“ - also etwa: dem Tag der gleichen Entlohnung - seit Jahresbeginn gesammelt. Das ist nicht viel für eine landesweite Aktion, die noch dazu vom Bundesfamilienministerium unterstützt wird. Allerdings ist der Zeitraum der Aktion vom 1. Januar bis zum 25. März sehr bewusst gewählt, hat er doch hohen Symbolwert: Genau diese 84 Tage nämlich müssen Frauen länger arbeiten, wollen sie das durchschnittliche Jahresgehalt eines Mannes erreichen.

Pünktlich zum Aktionstag hat das Statistische Bundesamt Zahlen zu Verdienstunterschieden zwischen Frauen und Männern veröffentlicht. Die sind so ernüchternd wie jedes Jahr, von Gleichheit keine Spur: Frauen verdienen in Deutschland fast ein Viertel weniger, wie schon in den Jahren 2006, 2007, 2008 und 2009 lag der durchschnittliche Brutto-Stundenlohn einer Frau 23 Prozent unter dem von Männern. Nur der Osten der Republik bricht diesen Trend: In den neuen Bundesländern beträgt der Einkommensunterschied lediglich acht Prozent.

"Ungleich verteilte Arbeitsplatzanforderungen"

Die Gründe für die Verdienstlücke sind ebenso bekannt wie langlebig: Die Differenz ergäbe sich aus "Unterschieden in der Berufs- und Branchenwahl sowie in ungleich verteilten Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation", schreibt das Statistische Bundesamt. Was so viel heißt wie: Frauen üben häufiger Tätigkeiten mit geringeren Anforderungen in Branchen aus, in denen verhältnismäßig schlecht bezahlt wird. Dass Frauen dabei weitaus häufiger in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten als Männer, schlägt sich ebenfalls in der Statistik nieder.

"Wir wenden uns mit dem diesjährigen Equal Pay Day vor allem gegen tradierte Rollenstereotypen, da diese nicht nur die Arbeitsteilung in den Familien beeinflussen, sondern auch die Berufswahl von Frauen", sagt Simone Denzler, Sprecherin des Aktionstages. "Frauen unterbrechen ihren Berufsweg viel häufiger familienbedingt oder arbeiten in Teilzeit, was natürlich Nachteile bei Gehalt und Karriereweg bedeutet."

Weg mit dem Ehegattensplitting!

Daher müssten vor allem die Rahmenbedingungen für Frauen verbessert werden. So fordert das Bündnis einen flächendeckenden Ausbau von Kindertagesstätten, die gleichmäßigere Aufteilung der Elternzeit oder auch Verbesserungen im Steuer- und Sozialversicherungsrecht. "Ein besonderes Anliegen ist uns die Abschaffung des Ehegattensplittings, da die steuerlichen Anreize dazu verleiten, dass Frauen nicht arbeiten gehen", so Denzler.

Dass die Ungleichheit bei der Bezahlung nicht allein auf Familienplanung, Steuerersparnis oder Zeitmangel zurückzuführen ist, sondern genauso auf die Ungerechtigkeit einer von Männern dominierten Wirtschaftswelt verdeutlicht ein anderer Wert des Statistischen Bundesamtes: Der sogenannte bereinigte Gender Pay Gap erfasst die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen mit gleicher Qualifikation und zeigt: Noch immer bekommen Frauen für die gleiche Arbeit acht Prozent weniger Geld als Männer.

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