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Korruption: VW stellt Strafanzeige gegen Zulieferer

Ein neuer Fall von Korruption erschüttert den größten europäischen Autohersteller VW. Anders als im Jahr 2005 handelt es sich aber diesmal nicht um VW selbst, sondern um eine Zuliefererfirma. Der Konzern hat Strafanzeige gestellt.

Der Autokonzern Volkswagen hat "im Zusammenhang mit dem aktuellen Korruptionsfall in der Zulieferindustrie" Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt gestellt. Die Anzeige richtet sich "gegen alle möglichen zum Nachteil der Volkswagen Aktiengesellschaft handelnden Personen wegen aller in Betracht kommenden Straftaten", wie es hieß. Der Firmenname Faurecia wurde in der Mitteilung nicht erwähnt. Vorstandschef Bernd Pischetsrieder erklärte am Mittwoch in Wolfsburg: "Wir dulden keine illegalen Machenschaften und gehen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen jeden vor, der Recht und Gesetz verletzt und unserem Unternehmen schadet. Das gilt sowohl für Mitarbeiter unseres Hauses als auch für die unserer Geschäftspartner."

Bei der Staatsanwaltschaften Frankfurt ist ein Ermittlungsverfahren unter anderem gegen Mitarbeiter des französischen Zulieferers Faurecia anhängig. Dabei stehen die Mitarbeiter des Unternehmens in Verdacht, Schmiergelder an einzelne Einkäufer mehrerer Automobilhersteller gezahlt zu haben, um sich so Vorteile bei der Auftragsvergabe zu verschaffen. Nach Information von "Spiegel online" hat Pischetsrieder außerdem in einem Brief erklärt, sein Konzern wolle nicht länger mit Faurecia-Chef Pierre Levi zusammenarbeiten.

Behörden ermitteln gegen Faureca-Vorstandschef

Am Dienstag hatte unter anderem die Nachrichtenagentur AP aus verschiedenen, zuverlässigen Quellen erfahren, dass auch gegen Faurecia-Vorstandschef Pierre Levi Ermittlungen eingeleitet worden seien. Faurecia gehört zu 70 Prozent dem französischen Autokonzern PSA (Peugeot, Citroen). Empfänger des Briefes von Pischetsrieder sei PSA-Chef Jean Martin Folz. Ein VW-Sprecher war zu dem Bericht zunächst nicht zu erreichen. Pischetsrieder schrieb in seiner Erklärung, die den Brief nicht erwähnt: "Unser Unternehmen stellt sich schützend vor die vielen tausend Mitarbeiter und Geschäftspartner, die jeden Tag ihre Arbeit professionell und ohne jeden Tadel verrichten. Gegen die wenigen schwarzen Schafe aber, die mit teils hoher krimineller Energie dem Unternehmen wirtschaftliche Nachteile zufügen, werden wir mit aller Härte vorgehen." Für korrupte Mitarbeiter sei kein Platz bei VW. Der Wolfsburger Konzern wurde erst vergangenes Jahr von einer Korruptionsaffäre um Ex-Vorstand Peter Hartz und Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert erschüttert.

AP / AP