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Kredite: Strafanzeige: Ärger für Bayern-Bank wegen Kirch

Die halbstaatliche Bayerische Landesbank hat Ärger wegen ihrer milliardenschweren Kirch-Kredite. Wesentlich geschickter agierten da die österreichische RZB und die Credit Suisse.

Die halbstaatliche Bayerische Landesbank hat Ärger wegen ihrer milliardenschweren Kirch-Kredite. Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft, ob sich Vorstandsmitglieder der Bank sowie ein ehemaliger Vorstand bei der Vergabe der Milliarden-Darlehen der Untreue strafbar gemacht haben.

Zuständig für die Kirch-Kredite war der damalige BayernLB-Vorstand Dietrich Wolf, einst Amtsleiter im bayerischen Finanzministerium. Gegen Wolf, der zu Jahresbeginn aus der Bank ausschied, und "weitere Mitglieder des Vorstandes der Bayerischen Landesbank" hatte der Münchner Steuerrechts-Experte Peter Spörlein Anfang März Strafanzeige ersatttet. Oberstaatsanwalt August Stern bestätigte nun auf Anfrage des stern, "einen Anfangsverdacht zu prüfen" (AZ 323 Js 35624/03). Die Bank wollte sich dazu nicht äußern; Wolf war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Sogar interne Revision warnte vor Kreditvergabe

Die BayernLB, in deren Verwaltungsrat Regierungsmitglieder des Freistaats sitzen, ist der mit Abstand größte Gläubiger des Pleitekonzerns. Schon im vergangenen Jahr hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Bank gerügt, bei der Finanzierung von Kirch-Geschäften dessen Bonität nicht ausreichend geprüft zu haben. Besonders umstritten ist ein Darlehen für Kirchs Formel-1-Einstieg aus dem Frühjahr 2001: Damals mochte kaum noch eine Bank Kirchs Geschäfte finanzieren. Selbst die interne Revision der BayernLB hatte vor weiteren Krediten an den klammen Medienunternehmer gewarnt. Dennoch bewilligte die Bank gut eine Milliarde Euro allein für den Formel-1-Deal. Insgesamt lieh die BayernLB dem Medienmogul rund zwei Milliarden Euro. Wieviel sie davon zurück bekommt, wird sich erst im Laufe der Jahre zeigen: Ein Großteil der Rückzahlungen ist an den Erfolg der weiter laufenden Geschäfte einzelner Kirch-Konzernteile geknüpft.

Neue Kredite aufgetaucht

Cleverer als die BayernLB agierten die österreichische Raiffeisen Zentralbank (RZB) und die schweizerische Credit Suisse. Auch die beiden Alpenbanken gaben Kirch Kredit. Dennoch traten sie nie im Gläubigerausschuss auf, ihre Darlehen blieben öffentlich unbekannt. Mittlerweile erhielten die beiden Finanzinstitute ihr Geld zurück. Denn anders als andere Gläubiger hatten die beiden Banken ihre Kredite gut gesichert - nach Informationen des stern mit Anteilen an Kirchs TV-Konzern Pro Sieben Sat.1 Media AG, dem werthaltigsten Firmenteil. Die Credit Suisse hatte offenbar für eine dreistellige Millionentranche gebürgt, die Kirch Ende 2001 dem Weltfußball-Verband Fifa für die Fussball-WM-Rechte zahlen musste.

Kredit stillschweigend abgelöst

Die ausstehende Summe wurde durch die Erlöse aus dem Rechteverkauf mittlerweile beglichen. Die österreichische Genossenschaftsbank RZB hatte dem Münchner Ex-Medienzar im November 2000 umgerechnet 78 Millionen Euro geliehen und nach der Insolvenz mit Pfändung der ProSieben-Anteile gedroht. In dem Fall wären rund 15 Prozent der ProSieben-Aktien an die österreichische Bank gefallen; die insolvente Kernfirma Kirch Media hätte die Kapitalmehrheit an dem TV-Unternehmen verloren. Damit gefährdete das Pfandrecht der RZB den Plan der Insolvenzgeschäftsführer, die TV- und Rechtehandelsfirma Kirch Media als Ganzes zu verkaufen. Vor wenigen Monaten wurde der Kredit nach Angaben aus Bankkreisen stillschweigend abgelöst. Zusätzlich zu einem Massekredit von 100 Millionen Euro pumpten die Hauptgläubiger weitere 80 Millionen für die RZB in den Pleitekonzern. Zur Kasse gebeten wurden neben Commerzbank, HypoVereinsbank, und DZ Bank - natürlich - die Bayern LB.

Johannes Röhrig