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Kreditkrise: Deutsche Bank schreibt Milliarden ab

Die Deutsche Bank ist von der Kreditkrise stärker betroffen als bislang erwartet. Für das erste Quartal rechnet das Unternehmen mit Belastungen in der Größenordnung von etwa 2,5 Milliarden Euro. Kein Vergleich jedoch zur Schweizer UBS. Die Großbank muss 19 Milliarden Dollar abschreiben. Schon wieder.

Die Folgen der weltweiten Finanzkrise treffen die Deutsche Bank deutlich härter als bislang bekannt. In den ersten drei Monaten 2008 muss Deutschlands größtes Geldhaus wegen der anhaltenden Marktturbulenzen weitere 2,5 Milliarden Euro abschreiben. Das ist mehr als im gesamten vergangenen Jahr, als die Krise mit gut 2,3 Milliarden Euro negativ zu Buche schlug. "In den letzten Wochen haben sich die Bedingungen weiter erheblich verschlechtert", teilte das Institut am Dienstag mit.

Von Gewinnzielen abgerückt

Die Wertberichtigungen fielen höher aus als von einigen Branchenexperten vorausgesagt. "Damit dürfte die Deutsche Bank im ersten Quartal einen Verlust ausweisen", sagte Olaf Kayser, Bankenanalyst bei der LBBW. Sein Kollege Georg Kanders von der WestLB sprach indes von temporären Faktoren, die die Ergebnisse belasteten. "Das tangiert das zugrundeliegende Geschäft nicht", sagte er. Nach den jüngsten Kursverlusten unter anderem bei US-Hypothekenpapieren seien weitere Abschreibungen auch nicht überraschend gewesen. Die Aktie eröffnete zunächst mit deutlichen Kursverlusten, erholte sich dann aber mit dem Gesamtmarkt und zog um 0,3 Prozent an.

Bankchef Josef Ackermann hatte die Krise im vergangenen Jahr wiederholt für sein Institut weitgehend abgehakt. Bei Vorlage des Geschäftsberichts vor einer Woche schlug das Geldhaus aber bereits zurückhaltendere Töne an und war von seinem Gewinnziel für das laufende Jahr abgerückt. Einbußen im Investmentbanking könnten möglicherweise nicht durch Zuwächse in anderen Segmenten kompensiert werden, hatte es zur Begründung geheißen. Bislang peilt die Bank für 2008 einen Vorsteuergewinn von 8,4 Milliarden Euro an. Das Ziel halten Experten mittlerweile für Makulatur.

Nicht nur Subprimes wertberichtigt

Bei der Deutschen Bank fielen die neuen Belastungen unter anderem bei der gewerblichen Immobilienfinanzierung und bei verbrieften US-Wohnungsbaukrediten an. Dabei verwies das Institut besonders auf Wertverluste im Zusammenhang mit Hypotheken mittlerer Qualität, so genannter Alt-A-Papiere. Die Bonität der Schuldner ist zwar besser als bei Ramschhypotheken (Subprime), aber nicht erstklassig. Zuletzt mehrten sich die Anzeichen für ein Übergreifen der Krise auch auf diese Baukredite. Wertberichtigen musste das Institut erneut auch Kredite und Kreditzusagen für Übernahmefinanzierungen, die sich derzeit nicht weiterverkaufen lassen.

Die Deutsche Bank signalisierte, dass trotz der neuen Wertberichtigungen keine Kapitalerhöhung nötig sei. Die Kernkapitalquote - zentrale Größe zur Bewertung der Kapitalausstattung einer Bank - liege weiter im Zielkorridor von acht bis neun Prozent, erklärte das Institut. Ende 2007 betrug diese Kennziffer 8,6 Prozent.

UBS schreibt 19 Milliarden Dollar ab

Im Vergleich zu vielen Konkurrenten ist die Deutsche Bank aber weiter glimpflich davon gekommen. So rechnet die Schweizer Großbank UBS nach Abschreibungen von noch einmal 19 Milliarden Dollar auf amerikanische Ramsch-Hypotheken im ersten Quartal 2008 mit einem Konzernverlust von zwölf Milliarden Franken (rund 7,64 Milliarden Euro).

UBS-Präsident Marcel Ospel, unter dessen Führung die Bank die Fehlspekulationen im US-Subprime-Markt getätigt hatte, gibt sein Amt auf. Um die für die Vermögensverwaltung wichtige Eigenkapitalbasis intakt zu halten, plant die Bank eine Kapitalerhöhung um 15 Milliarden Franken. Die Problempositionen im Subprime-Bereich sollen in eine Abwicklungsgesellschaft ausgelagert werden.

UBS ist der große Verlierer der Subprime-Krise

UBS hatte bereits im vergangenen Jahr gut 18 Milliarden Dollar auf Positionen im US-Immobilienbereich wertberichtigt und einen Konzernjahresverlust von 4,4 Milliarden Franken geschrieben. Nach den neuen Subprime-Verlusten hat die Bank mit 37 Milliarden Dollar so viel abschreiben müssen wie kein anderes Geldhaus auf der Welt.

Im Dezember beschaffte sich die Bank 13 Milliarden Franken frisches Kapital von dem Staatsfonds GIC aus Singapur und einem nicht genannten Investor aus dem Mittleren Osten. Nun sind die bestehenden Aktionäre aufgerufen, neues Kapital einzuschießen. Es soll ein Bezugsrecht für Altaktionäre geben. So gab die Schweizer Großbank UBS weitere Wertberichtigungen von zwölf Milliarden Euro für das Auftaktquartal bekannt. UBS schrieb damit in etwa soviel ab wie im gesamten Jahr 2007.

Reuters / Reuters