Kriminalität Ex-FlowTex-Chef belastet Finanzbehörden schwer


Der frühere FlowTex-Boss Manfred Schmider hat die baden-württembergischen Finanzbehörden der erheblichen Mitwisserschaft bei dem Milliardenbetrug mit nicht existenten Bohrmaschinen bezichtigt.

Im milliardenschweren FlowTex-Betrugsskandal hat der ehemalige Firmenchef Manfred Schmider den Finanzbehörden eine entscheidende Mitschuld am größten Fall von Wirtschaftskriminalität in Deutschland gegeben. Die Oberfinanzdirektion Karlsruhe habe die Scheingeschäfte mit nicht vorhandenen Bohrsystemen fast vier Jahre lang gedeckt und unterstützt, sagte Schmider am Mittwoch vor dem Mannheimer Landgericht.

Angst vor Steuerrückzahlungen?

Ein Betriebsprüfer habe bereits 1996 versichert, die Behörde sei nicht daran interessiert, das Unternehmen "hochgehen zu lassen", sagte der Ex-Manager. Es werde alles getan, damit die Betrügereien nicht ans Licht kämen. Als Grund sei genannt worden, dass in dem Fall erhebliche Steuerrückzahlungen befürchtet würden. Mit dem Mann seien Sanierungspläne ausgearbeitet worden. Eine Durchsuchung der Firma durch die Steuerfahndung aus Erfurt sei durch die Behörde verhindert worden. Der Betriebsprüfer, gegen den inzwischen die Staatsanwaltschaft ermittelt, habe ihm auch kurz vor seiner Verhaftung Anfang 2000 geraten, aus Deutschland zu fliehen.

Neues Strafmaß

In der Neuauflage des Prozesses muss das Strafmaß gegen den ehemalige FlowTex-Boss neu festgelegt werden. Der Ex-Manager war zu zwölf Jahren Haft wegen jahrelangen Betrugs mit nicht vorhandenen Bohrsystemen verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil wegen möglicher Befangenheit der Mannheimer Richter im Strafmaß aufgehoben.

1996 'nur' Schaden von 100 Mio Mark

Wäre der FlowTex-Schwindel bereits 1996 beendet worden, so spekulierte Schmider in seiner ersten längeren Aussage vor Gericht, hätte sich der Schaden nur auf einige 100 Millionen Mark belaufen. Tatsächlich war durch die fingierten Leasinggeschäfte ein strafrechtlicher Schaden von mehr als zwei Milliarden Euro entstanden.

Geständnis widerrufen

Der Ex-FlowTex-Chef erklärte, bei seinem Geständnis im ersten Prozess sei er "wie paralysiert" gewesen. Er habe nicht gewusst, was er getan habe. Er sei sich der Tragweite seiner Worte nicht bewusst gewesen. Das Geständnis habe allein sein Verteidiger verfasst. In dem Geständnis hatte Schmider die alleinige Schuld auf sich genommen.


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