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KRIMINALITÄT: FlowTex: Größte deutsche Betrugsaffäre

Insolvenzverwalter zieht erste Bilanz: Gläubiger könnten doch eine höhere Vergleichsquote erhalten. Im Gespräch sind mehr als 500 Millionen Mark.

Im milliardenschweren Betrugskandal der FlowTex-Gruppe hat der Insolvenzverwalter Eberhard Braun nach eigenen Angaben bisher über 500 Millionen Mark (255 Millionen Euro) sicher stellen können. Laut Braun hat sich die Rückgewinnung der Vermögenswerte nicht unvorteilhaft entwickelt. Braun stellte den Gläubigern eine höhere Vergleichsquote zur Befriedigung ihrer Ansprüche in Aussicht als bisher angenommen.

Quote wohl höher als zehn Prozent

Bei der Aufnahme seiner Tätigkeit vor einem Jahr ging Braun von einer Quote zwischen fünf bis zehn Prozent aus. »Das werden wir sicherlich erreichen«, sagte der Insolvenzverwalter. Genauere Angaben konnte er aber noch nicht machen. Die Staatsanwaltschaft Machen wir es Betrügern zu leicht? Beziehen Sie Stellung im Wirtschaftsforum... Mannheim hatte im April gegen die ehemaligen Gesellschafter des Bohrmaschinenherstellers, Manfred Schmider und Klaus Kleiser, Anklage erhoben. Schmider und Kleiser sowie einer früheren Gesellschafterin und dem ehemaligen Finanzdirektor werden bandenmäßiger und gemeinschaftlicher Betrug im besonders schweren Fall zur Last gelegt.

Eine der größten deutschen Betrugsaffären

Der Schaden im dem bisher wohl größten deutschen Wirtschaftsstrafverfahren wurde mit 4,13 Milliarden Mark (2,11 Milliarden Euro) angegeben. Die Anklage legt Schmider und Kleiser Scheingeschäfte mit nicht existierenden Horizontalbohrmaschinen zur Last. Der Prozess gegen die Angeklagten vor dem Mannheimer Landgericht soll voraussichtlich Ende September beginnen. Der Insolvenzverwalter einigte sich unterdessen mit der Ehefrau von Manfred Schmider auf einen Vergleich zur Rückgabe ihres Vermögens von rund 250 Millionen Mark. Das Geld werde zur Befriedigung der Gläubigeransprüche verwendet, sagte Braun.

Weitere Ermittlungen laufen

Der Insolvenzverwalter will weitere Millionen bei dem deutsch-syrischen Geschäftsmann Mohammed Yassin Dogmoch holen. Der Geschäftspartner von Schmider und Kleiser soll seit 1997 in den Betrug eingeweiht gewesen sein. »Er ist jetzt noch der größte Nutznießer.« Braun will von dem Mann 137 Millionen Mark einfordern. Gegen Dogmoch, der sich im Ausland aufhält, läuft auch ein Ermittlungsverfahren. Er soll unter anderem durch Scheinrechnungen die Betrügereien unterstützt haben.

Angeblicher Mittäter sieht sich als Opfer

Die Anwälte von Dogmoch wiesen in einer Erklärung die Vorwürfe zurück. Dogmoch sieht sich selber als Opfer von Schmider und Kleiser. Der Geschäftsmann macht eigene Ansprüche von über 173 Millionen Mark geltend. Er begründet die Summe unter anderem mit nicht eingehaltenen Lieferverträgen und Schadensersatzansprüchen. In diesem Zusammenhang hat die Münchner Kanzlei Bub, Gauweiler & Partner (vertritt die Interessen Dogmochs) dem FlowTex-Insolvenzverwalter und seinen Mitarbeitern fehlende »Unparteilichkeit« vorgeworfen.

Aus dem Kreis der FlowTex-Insolvenzverwalter sollen Anwälte die Dresdner Bank außerhalb des Insolvenzverfahrens in einem 68-Millionen Mark-Prozess gegen Dogmoch unterstützen.