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Landgericht Rostock: Hausbesuch aus Liechtenstein

Am Rostocker Landgericht hat jetzt der Prozess gegen den Erpresser der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) begonnen. Ein 48-Jähriger soll mit drei Komplizen insgesamt 13 Millionen Euro von der Bank gefordert haben - für die Herausgabe geklauter Kontenbelege.

Von Manuela Pfohl

Hausbesuche macht die Liechtensteinische Landesbank (LLB) normalerweise nur bei den wirklich guten Kunden. Solchen, die nicht nur solvent sind und sicher auf dem glatten Parkett des internationalen Finanzmarktes, sondern eine Klientel, deren Geldanlage für das renommierte Bankhaus im Fürstentum eine Ehre ist. Michael F., 48, mehrfach vorbestraft und derzeit in Mecklenburg-Vorpommern in Untersuchungshaft, gehört eigentlich nicht dazu. Und dennoch hat die LLB ihm im Mai einige Termine reserviert. Hausbesuch am Landgericht Rostock, Saal 201.

Hier wird ihm und drei Komplizen der Prozess gemacht wegen gewerbs- und bandenmäßiger Erpressung der Liechtensteinischen Landesbank und einiger ihrer Kunden. Das öffentliche Interesse an dem Verfahren ist bescheiden. Die Zuschauerbänke im Großen Saal sind kaum besetzt. Obwohl es das erste Mal ist, dass in Deutschland ein Bankerpresser angeklagt ist.

13 Millionen erpresst

13 Millionen Euro verlangte Michael F. im Juli 2005 von der LLB dafür, dass er eine geklaute Liste von 1325 Kundendaten, die ein ehemaliger Mitarbeiter der Bank gestohlen hatte, nicht an die deutsche Steuerfahndung weitergibt. Die Drohung wirkte. Als Oberstaatsanwalt Peter Lückemann die Anklage verliest, wird klar, warum. Insgesamt fünf Mal hatten Michael F. und sein Komplize Thomas K. bis dahin bereits Kontakt zu Anlegern der LLB gesucht. Der erste, der einen Anruf von Thomas K. bekam, war der Wilhelmshafener Marcus Jacobus P. Bei ihm klingelte am 22. Mai 2005 gegen 18 Uhr ein Herr, der sich als Klaus Neumann vorstellte und erklärte, er habe da ein paar Kontenbelege von der LLB in Liechtenstein, die möglicherweise die deutschen Steuerbehörden interessieren könnten. Gegen Zahlung von 400.000 Euro sei er allerdings bereit, nicht weiter über die privaten Geldanlagen von Marcus Jacobus P. in Liechtenstein zu reden.

"Schleich dich"

Ein Angebot, dass P. so nicht annehmen mochte. Statt zu zahlen, wandte er sich an die LLB und fragte nach, wie die Bank gedenke, die Angelegenheit zu klären. Außerdem beauftragte er eine Detektei, herauszufinden, wer dieser ominöse Klaus Neumann eigentlich ist. Auch die Versuche, vier weitere Anleger abzukassieren, schlugen fehl. Laut Anklage wiegelte Stefan K. aus Plietzhausen die Geldforderung über die Wechselsprechanlage seines Hauses ab. Günther Heinz Walter D. aus Schrotzberg informierte die LLB und erklärte bei einem anschließenden Treffen mit dem Erpresser kurz und bündig, er werde Thomas K. alias Klaus Neumann anzeigen, falls er sich nicht augenblicklich schleiche.

Im Juli 2005 hätte Michael F. schließlich seine Strategie geändert, sagt die Staatsanwaltschaft und erklärt, F. habe daraufhin den direkten Kontakt zur LLB gesucht. Zweimal trafen die Banker ihn daraufhin im noblen Züricher Hotel "Schweizer Hof". Im Koffer hatten sie insgesamt neun Millionen Euro in bar. Als Gegenleistung für die Rückgabe der Daten. Tatsächlich händigte Michael F. einen Großteil des brisanten Materials an die LLB aus. 725 Datensätze mit einem angeblich bislang steuerfreien Anlagevolumen von vier bis fünf Milliarden Euro behielt er allerdings. Bis heute sind sie gut versteckt an einem sicheren Ort. Längst lästern Fahnder, dass es womöglich noch viel mehr Dateien gibt und es nur eine Frage der Zeit sei, bis die LLB neue Geldforderungen bekäme.

Deal nicht ganz ausgeschlossen

Allerdings scheint auch ein Deal mit dem Gericht nicht ganz ausgeschlossen. Immerhin hat F.s Hamburger Verteidigern Leonore Gottschalk-Solger offen entsprechende Gespräche angeboten. Im Gegenzug verlangt sie eine Bewährungsstrafe für ihren Mandanten und freies Geleit in dessen Wahlheimat Thailand. Ob sie damit auf offene Ohren trifft, könnte sich schon am nächsten Verhandlungstag zeigen. Dann nämlich wollen sich alle Verteidiger mit dem Gericht und der Staatsanwaltschaft zusammensetzen und "gemeinsam interessierende Fragen" beraten. Und so muss sich die LLB fragen, ob all das teure Engagement nicht am Ende für die Katz war. Bei einer Krisensitzung in Vaduz seien jedenfalls kürzlich die schlimmsten Befürchtungen geäußert worden, heißt es aus Liechtensteiner Bankkreisen. Es wird sicher noch einige Hausbesuche in Rostock geben.