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Landwirtschaft: Hitze brennt die Ernte weg

Die deutschen Landwirte fürchten wegen der andauernden Hitze massive Ernteausfälle. In Extremfällen rechnet der Bauernverband mit Ausfällen von bis zu 50 Prozent.

Der Bauernverband rechnet wegen der anhaltenden Hitze mit massiven Ernteausfällen. "Die ursprünglich sehr guten Ernteaussichten müssen wegen der lang anhaltenden Hitze und Trockenheit zurückgenommen werden", sagte Verbandspräsident Gerd Sonnleitner der "Berliner Zeitung". Er rechne damit, dass die Getreideernte dieses Jahr bundesweit zehn bis 15 Prozent niedriger als im Vorjahr ausfallen werde. Je nach Region sei sogar mit einem Rückgang von 30 bis 40 Prozent zu rechnen.

Besonders betroffen seien die neuen Bundesländer. Bei einzelnen Betrieben dort sei mit einem Totalschaden zu rechnen. Ansonsten gebe es Ertragseinbußen von bis zu 50 Prozent. "Die Hitze brennt den Weizen regelrecht weg." Die schwierige Erntesituation werde auch zu höheren Preisen führen, vor allem bei Getreide.

Die ostedeutschen Bauern befürchten drastische Ausfälle bei der Getreideernte. Die Probleme seien in Regionen mit leichten Böden wie Brandenburg, dem Norden Sachsen- Anhalts und Mecklenburg-Vorpommern am größten, sagte der Sprecher des Deutschen Bauernverbands, Michael Lohse, am Donnerstag in Berlin. Bei der Wintergerste werde zum Teil mit Ausfällen von 50 Prozent und mehr gerechnet. Auch in norddeutschen Ländern fielen die Erträge geringer aus. Bei Winterweizen werden im Osten ebenfalls Verluste erwartet.

Bayerische Früchtchen

Der anhaltend heiße Sommer bereitet aber auch Süden des Landes zunehmend Sorgen. "Dieses schöne Wetter ist für die Landwirte allmählich ein Alptraum", sagte die Sprecherin des Bayerischen Bauernverbandes, Brigitte Scholz. Vor allem beim Getreide, aber auch bei Kartoffeln müsse mit Ertragseinbußen gerechnet werden. Auch bei der fast überall im Freistaat beendeten Erdbeersaison verbuchten die Bauern 20 bis 30 Prozent geringere Erträge als in einem Durchschnittsjahr.

Durch die große Hitze seien die an sich gut angelegten Blütenansätze bei den Erdbeeren alle auf einmal gereift, sagte der Referent für Obst- und Gartenbau des Bayerischen Bauernverbandes, Theo Däxl. "Binnen einer Woche gab es dann Riesenmengen." Positiv sei, dass die Verbraucher sehr gezielt nach heimischer Ware gefragt hätten. "Das Image der heimischen Erdbeeren ist doch sehr gut." Mit Einbußen seien auch bei Johannisbeeren und Himbeeren zu rechnen.

Das Korn schreit nach Wasser

Vor allem die Getreidebauern fürchten derzeit um ihre Ernte. "Das Problem ist, dass die Kornausbildung unter der Hitze leidet", sagte Scholz. "Das macht sich bei Weizen und Sommergerste bemerkbar." In manchen Gegenden sei die Situation "katastrophal". Die Getreideernte laufe auf Hochtouren. Die Erträge bei der gerade eingefahrenen Wintergerste seien regional sehr unterschiedlich, je nachdem, ob es Gewitter oder Regen gegeben habe oder nicht. Die Regenfälle bei Gewittern seien örtlich sehr unterschiedlich gewesen. "Wir haben eine Bandbreite bei den Erträgen von 40 bis 70 Dezitonnen pro Hektar." Auch bei den Kartoffeln fehle das Wasser, um schöne Knollen auszubilden.

Bei den Herbstgemüsearten wie Sellerie, Weißkraut, Blaukraut und Karotten oder auch bei Kernobst wolle er noch keine Prognose geben, die Ernte liege noch zu weit in der Zukunft, sagte Däxl. "Da kann es durchaus noch gut ausgehen."

DPA / DPA